PSG in der Champions League Das "Ungeheuer" legt los

Kylian Mbappé (r.) feiert nach dem zwischenzeitlichen 2:0 gegen Celtic mit Neymar.

(Foto: Franck Fife/AFP)
  • Paris St. Germain gewinnt im Celtic Park souverän mit 5:0 (3:0) und sendet ein Signal an die Konkurrenz in der Königsklasse.
  • Julian Draxler wird nach einer Stunde eingewechselt, seine Leistung verblasst aber angesichts des überragend aufgelegten Pariser Angriffstrios.
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Von Julian Budjan

Als der 18-jährige Tony Ralston nach dem Abpfiff auf Neymar zulief und die Hand ausstreckte, wandte sich der Brasilianer lieber seinem Mitspieler Marco Verratti zu. Wobei: Vorher richtete er noch ein paar Worte an Ralston, sicherheitshalber hielt er sich dabei die Hand vor den Mund. Ralston hatte sich das Spiel über resolut, aber mit legalen Mitteln an Neymar abgekämpft, dieser beschwerte sich immer wieder beim Schiedsrichter, sah für eine Schwalbe sogar die gelbe Karte. Auch wenn manch einer das Verhalten von Neymar als unsportlich bezeichnen würde - es zeigt vor allem eines: mit welcher Ernsthaftigkeit Paris St. Germain die Partie bei Celtic Glasgow anging.

Nur kurz zur Erinnerung: Hunderte Millionen Euro hat Paris ausgegeben in diesem Sommer (und dabei einige Kritik auf sich gezogen), für Neymar, für Kylian Mbappé, unter anderem. In die Liga ist PSG mit fünf Siegen gestartet, das Spiel im Celtic Park war nun also der erste internationale Auftritt dieses millionenschwer verstärkten Kaders. Und über ihm hing die Frage: Wie gut ist diese Mannschaft wirklich? Erste Vermutung nach dem Dienstagabend: ziemlich gut.

5:0 stand es am Ende für Paris, und allein die drei Tore in der ersten Halbzeit - erzielt von Neymar, Mbappé und Edinson Cavani - zeigten, dass die drei Angreifer sich untereinander schon bestens verstehen (besser jedenfalls als Neymar und Ralston). Das wurde gerade beim zweiten Tor durch Mbappé deutlich, als Neymar seine beiden Kollegen per Kopf bediente. Auch wenn Cavani zunächste über den Ball schlug, war Mbappé zur Stelle. Und Cavani zeigte sich anschließend treffsicher vom Elfmeterpunkt und kurz vor Schluss mit einem sehenswerten Flugkopfball zum 5:0. Es war ein Auftritt wie ein Satz mit Ausrufezeichen: dass all die Bayerns, Reals und ManCitys dieser Welt einen ernsthaften Konkurrenten um den Titel bekommen haben.

Julian Draxler gelingt eine Vorlage

Die französischen Medien lobten den Königsklassen-Auftakt euphorisch. L'Équipe feiert die "kleinen Nimmersatts" im Sturm, 20Minutes verglich PSG mit einem "Ungeheuer" und fragte: "Bilden Neymar, Mbappé und Cavani bereits den besten Sturm der Welt?" Dagegen verblasste die Leistung von Julian Draxler ein wenig. Das lag vor allem daran, dass bei seiner Einwechslung nach über einer Stunde das Spiel schon entschieden war (es stand 3:0). Dass er erst so spät kam, hatte auch mit dem Spielsystem zu tun. In der Liga gegen Metz spielte er im 4-2-3-1 noch von Beginn an, im von Trainer Unai Emery gewählten 4-3-3 blieb dagegen in Glasgow nur der Platz auf der Bank. Dennoch: Er hängte sich rein, ging viel ins Dribbling. Man merkte ihm an: Er wollte zeigen, dass er auch noch da ist.

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Unlängst kündigte PSG-Besitzer Nasser Al-Khelaifi als Reaktion auf die Untersuchungen der Uefa bezüglich einer Verletzung des Financial Fairplay an, im Winter noch Spieler verkaufen zu wollen. Das könnte auch Draxler treffen. Er muss sich durchsetzen, auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Russland im kommenden Sommer. "Wenn du im Sommer bei der Nationalmannschaft dabei sein willst, dann brauchst du ein gutes Jahr im Verein", sagte er nach dem Spiel, "aber ich bin mir sicher, dass ich das haben werde."

Seine Qualitäten zeigte Draxler kurz vor Schluss, als er über die rechte Seite in den Strafraum zog und mit einer scharfen Flanke Celtic-Verteidiger Lustig anschoss. Der sorgte so unfreiwillig für das 4:0. Nach dem Spiel sprachen aber alle von den drei erfolgreichen Angreifer und weniger von Draxler. Das wusste der frühere Schalker und Wolfsburger selbst: "Natürlich ist es durch die zwei Granaten, die wir im Sommer geholt haben, für mich nicht leichter geworden, aber wenn man sich die Top-Mannschaften in Europa anschaut, dann ist es nirgendwo anders. Ich werde weiter dranbleiben, um auf meine Spielzeit zu kommen."

In zwei Wochen kommt es zum Spitzenspiel in der Gruppe B. Paris St. Germain empfängt den FC Bayern, der mit einem 3:0 gegen Anderlecht in die Champions League gestartet ist. Draxler freut sich darauf, er empfahl den Fans gar: "Lasst die anderen Spiele beiseite, schaut Paris gegen Bayern." Spätestens nach dem Abend von Glasgow dürften die Bayern gewarnt sein.

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