Prozess gegen Uli Hoeneß Desaster im Champions-League-Format

"Die Selbstanzeige ist zerbröckelt"

Das Geständnis von Uli Hoeneß, Steuern im Umfang von 18,5 Millionen Euro hinterzogen zu haben, rückt den Prozess in eine neue Dimension. Welche Strategie die Verteidigung fahren könnte, warum es keinen Promibonus gibt und wieso ein Urteilsspruch am Donnerstag nun unwahrscheinlich ist. mehr...

Mit dem neuen, nach oben offenen Zig-Millionen-Geständnis des Uli Hoeneß zerplatzt seine Selbstanzeige wie eine Seifenblase. Hoeneß behauptet erneut - nun wirklich -, alles offengelegt zu haben. Gut möglich, dass es dafür zu spät ist. Die Geschäftsgrundlage für die laufenden Geschäfte des Bayern-Präsidenten ist entfallen.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Das ist keine Verfehlung mehr; das ist kein Debakel mehr. Das ist ein Desaster. Dieses Desaster hat Champions-League-Format. Mit dem neuen, nach oben offenen Zig-Millionen-Geständnis des Uli Hoeneß zerplatzt die Selbstanzeige vom Januar 2013.

Diese Selbstanzeige war wenig wert, jedenfalls keine Strafbefreiung; in dieser Selbstanzeige war nämlich, wie Hoeneß jetzt gestanden hat, nur ein Bruchteil der hinterzogenen Steuern angegeben. Die Selbstanzeige war also eine Seifenblase; sie hat geschillert; sie hat suggeriert, Hoeneß habe sich damit ehrlich gemacht. Es war nicht so. Hoeneß, genauer gesagt sein Anwalt, wusste, dass die Blase platzen wird. Darum hat man sie nun selbst platzen lassen.

Jetzt, nach dem Geständnis vom Montag, behauptet Hoeneß wieder, sich nun wirklich, diesmal radikal, ehrlich gemacht zu haben. Hilft ihm das noch? Der Aufsichtsrat des FC Bayern hat sich von der ersten Seifenblase betören lassen. Was nun?

Er dürfte von den jetzt von Hoeneß eingestandenen Dimensionen ebenso wenig gewusst haben wie Finanzamt und Gericht. Die Aufsichtsräte haben wohl an die strafbefreiende Kraft der Selbstanzeige, sie haben an einen geläuterten Hoeneß geglaubt, weil sie daran glauben wollten. Das können sie jetzt kaum mehr. Die Geschäftsgrundlage für die laufenden Geschäfte des Präsidenten Hoeneß ist entfallen.

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Und was geschieht mit dem Angeklagten Hoeneß? Wie wird das Gericht den neuen Millionenstoff behandeln? Wird es ihn in den laufenden 3,5 Millionen-Prozess einbeziehen? Und wie und wann?

Ein Täter, der sein Opfer mit viel Geld befriedigt?

Wird die Staatsanwaltschaft mündlich eine Nachtragsanklage erheben, wird das Gericht daraufhin einen Einbeziehungsbeschluss fällen und so die neuen fünfzehn oder noch mehr Millionen an hinterzogenen Steuern auf diese Weise zum Gegenstand des laufenden Verfahrens machen - und dann auf die Verfolgung der neuen Millionen verzichten und das Verfahren insoweit einstellen?

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Das ist womöglich das Kalkül der Verteidigung: alles, aber wirklich alles auf den Tisch zu legen, um kein neues, kein weiteres Strafverfahren mehr zu riskieren. Zugleich versucht sie, Hoeneß als Super-Geständigen zu präsentieren, als den Reuigsten aller Reuigen, als den Mann, der dem Fiskus Wiedergutmachung in größtem Umfang verspricht.

Hoeneß, ein Täter also, der sein Opfer mit ungeheuer viel Geld befriedigt und der Anklage so den Mund stopft? Das wäre ein Deal - wie ihn aber der zuständige Richter immer abgelehnt hat. Eigentlich müsste er jetzt das Verfahren aussetzen, auf dass die neuen Informationen genau geprüft werden können.

Die Strategie der Verteidigung ist hochriskant, aber es gibt keine andere. Sie erinnert an Achternbuschs Film "Die Atlantikschwimmer": Briefträger Heinz steigt ins Meer, um den Atlantik zu überqueren und damit hunderttausend Euro zu gewinnen. Seine letzten Worte: "Du hast keine Chance, aber nutze sie." So verzweifelt klingt Hoeneß nicht, aber seine Lage ist es. Er muss durch den Atlantik, um noch Bewährung zu kriegen.