Prozess gegen Lance Armstrong Es droht der Ruin

Lance Armstrong droht der finanzielle Ruin

(Foto: AFP)

Der Prozess des Hauptsponsors gegen den Doping-Betrüger Lance Armstrong beginnt. Er könnte den Seriensieger bei der Tour de France ruinieren - aber dem Anti-Doping-Kampf wichtige Details liefern.

Von Thomas Kistner

Der Showdown beginnt, der letzte Kampf vorm US-Gericht, und Lance Armstrong ist zurück. Der alte Lance: Der besessene Profi, dem jedes Mittel recht war, um sieben schmutzige Tour-Siege herauszufahren. Wobei der große Betrüger, als er seine Blutdopingprogramme aufzog, gerade erst von einer ums Haar tödlich verlaufenen Hodenkrebs-Erkrankung genesen war; nebenher hatte er die Krebshilfe-Stiftung Livestrong gegründet. Armstrong ist zurück, am Montag in Gestalt des Anwalts Elliot Peters, der seinen Mandanten dem Richter Christopher Cooper in Washington als just das präsentierte, was Lance ja auch in seiner pharmaverseuchten Sportlervita stets zu sein vorgegeben hat: ein Opfer.

Der Prozess muss klären, ob Armstrong und sein Rennstall US Postal den Hauptsponsor und Namensgeber um 32 Millionen Dollar betrogen hat. Doping war ja vertraglich verboten worden, und der US Postal Service hatte Steuermillionen ins Pharma-Team gepumpt. Verliert Armstrong den Prozess, ist die Rückzahlung des Reibachs fällig, und schlimmer, die Regierung auf Basis des False Claim Acts ermächtigt, ein Dreifaches an Schadenersatz zurückzufordern. Die Strafe würde sich also der 100-Millionen-Dollar-Grenze annähern - und den vermögenden Texaner ruinieren.

Da irritiert, dass dem gestürzten Volkshelden und Freund früherer US-Präsidenten ein juristischer Fauxpas in die Karten spielt. Am 7. Juni hatte der Kläger, die Zivilabteilung des US-Justizministeriums, wichtige Beweismittel versehentlich an die Beklagtenpartei geschickt. Armstrongs Anwälte stürzten sich auf das angeblich versiegelte Geschenk, das belastende Zeugenaussagen beinhalten soll.

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Bei Gericht in Washington behauptete Anwalt Peters nun, aus der damaligen Grand-Jury-Untersuchung zum Fall in Kalifornien sei "außergewöhnlich" viel vertrauliches Wissen an die Medien durchgesteckt worden, diese seien sogar imstande gewesen, vorherzusagen, wer als nächstes aussagen werde. Das FBI habe deshalb wegen Geheimnisverrats ermittelt, sagte Peters, der selbst von Agenten aus Las Vegas verhört worden sein will.

Besagte Grand-Jury-Untersuchung wurde Anfang 2012 jäh und ohne Anklage beendet; dafür hatte der kalifornische Bundesanwalt Andrew Birotte per Federstrich gesorgt. Was in Fachkreisen skeptisch beäugt wurde, schließlich war der politische Beamte zu Armstrongs Glanzzeiten in einem schillernden Gym in West Hollywood tätig. Und zwar als Radfitness-Trainer.