Prozess gegen Ex-BVB-Präsident Niebaum legt erstes Geständnis ab

Gerd Niebaum vor Gericht

(Foto: dpa)
  • Gerd Niebaum räumt vor Gericht ein, sich als Testamentsvollstrecker viel Geld beschafft zu haben.
  • Auch Urkundenfälschung gibt der frühere Präsident von Borussia Dortmund zu.

So lautet das Geständnis

Im Prozess gegen Ex-BVB-Präsident Gerd Niebaum hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Niebaum räumte am Freitag vor dem Dortmunder Landgericht ein, sich als Testamentsvollstrecker heimlich ein 450 000-Euro-Darlehen aus einem Nachlass gewährt zu haben. Das Geld sei inzwischen aber zurückgezahlt worden.

Außerdem habe der 66-Jährige die Unterschrift eines verstorbenen Schwagers gefälscht, um die Rückzahlung eines 600 000-Euro-Kredits hinauszuzögern. In einer von Verteidiger Götz Reuker verlesenen Erklärung hieß es: "Herr Niebaum bedauert sein Verhalten sehr." Hintergrund seien finanzielle Schwierigkeiten gewesen, die sich nach dem Ausscheiden bei Borussia Dortmund ergeben hätten.

Erfolge und Niedergang mit dem BVB

Der studierte Jurist und ehemalige Rechtsanwalt stand 18 Jahre (1986 bis 2004) an der Spitze des Vereins, 15 Jahre stand ihm Michael Meier als Manager zur Seite. Unter Niebaums Führung wurde die Borussia einmal Pokalsieger (1989), dreimal Deutscher Meister (1995, 1996 und 2002), Champions-League-Sieger (1997) und Weltpokalsieger (1997).

Die Erfolge und Ambitionen des Präsidenten hatten jedoch einen hohen Preis. Unter Niebaum häufte der BVB Schulden in Höhe von 120 Millionen Euro Schulden an. Im Jahr 2000 ging der Verein an die Börse und erlöste 143 Millionen Euro, wovon rund die Hälfte zur Tilgung von Schulden verwendet wurde. Nur knapp entging der Traditionsklub im März 2005 schließlich der Insolvenz, Niebaum erklärte seinen Rücktritt.

"Eigene Einkünfte habe ich keine mehr"

Mit dem Abschied von der sportlichen Bühne häuften sich die persönlichen Probleme. Niebaum hatte sein Notariat 2001 freiwillig abgegeben und seine Rechtsanwalts-Zulassung 2007 wegen finanzieller Schwierigkeiten verloren. Seine aktuelle Lebenssituation beschrieb er vor Gericht so: "Ich habe mich ins Privatleben zurückgezogen. Eigene Einkünfte habe ich keine mehr. Ich lebe von den Ersparnissen meiner Familie."

Laut Anklage hatte Gerd Niebaum zwischen 2004 und 2008 dauerhaft Bankverbindlichkeiten von rund 16 Millionen Euro. Darüber hinaus soll er gegenüber privaten Geldgebern eine weitere Million Euro an Verbindlichkeiten gehabt haben. Mit einem Urteil ist nicht vor Mitte Februar zu rechnen.