Proteste bei Olympia 15 Tage Arrest im Schnellverfahren

Proteste unerwünscht: Rund um das Olympia-Gelände wacht in Sotschi die Polizei.

Am Freitag geht es los in Sotschi, bis dahin soll alles glänzen: Damit niemand die Atmosphäre stört und an die unwürdigen Aspekte von Olympia erinnert, greift der Staat rigoros durch.

Von Johannes Aumüller, Sotschi

In Sotschi werkeln die Bauarbeiter in langen Schichten, um die letzten Kleinigkeiten zur Zufriedenheit der olympischen Familie zu erfüllen. Ein Kabel hier, eine Absperrung dort, solche Sachen, das dürften sie bald alles schaffen. Die maßgeblicheren Vorbereitungen laufen aus Sicht der Gastgeber ohnehin auf einer anderen Ebene ab. Am Freitag steigt die Eröffnungsfeier, und dann soll alles schön und bunt werden und das Putin-Spektakel seinen Gang gehen.

Und damit niemand diese schöne Atmosphäre stört und an die unwürdigen Aspekte des Projektes erinnert, greifen Justiz und Polizei in diesen Tagen rigoros durch. Schon seit Längerem berichten Aktivisten von Einschüchterung und Repressalien; kurz vor der Eröffnung aber gibt es noch einmal eine bemerkenswerte Fülle an Vorgängen gegen bekennende Sotschi-Kritiker.

Am härtesten hat es den Geologen Jewgenij Witischko getroffen. Er arbeitet für die Umweltschutzorganisation "Ökologische Wacht im Nordkaukasus", die seit Jahren die Natursünden rund um die Spiele anprangert. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Behörden mit aller Macht verhindern wollen, dass Witischko während der Spiele die Möglichkeit zum Protest hat.

Bereits 2012 war der Aktivist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurden; er hatte gegen die illegale Errichtung eines Zaunes und einer Gouverneursvilla in einem Naturschutzgebiet protestiert. Im Dezember wurde die Bewährungsstrafe auf einmal in eine Haftstrafe umgewandelt. Sein Anwalt Alexander Popkow legte Berufung ein, die Entscheidung der nächsten Instanz steht am letzten Wochenende der Olympischen Spiele an.

Dafür ist Witischko zu Wochenbeginn in einer anderen Angelegenheit verhaftet worden. Zunächst ging es angeblich um Diebstahl, schließlich gab es im Schnellverfahren 15 Tage Arrest, weil er an einer Bushaltestelle Schimpfwörter benutzt habe; dabei war Witischko gar nicht an dieser Bushaltestelle, wie sein Anwalt Alexander Popkow im Gespräch mit der SZ beteuert.

Der Bezug zu den Spielen bei dieser Strafe ist für ihn völlig eindeutig. "Natürlich steht nirgendwo, dass die Verhaftung wegen der Olympischen Spiele geschehen ist, aber Jewgenij ist bekanntlich einer der schärfsten Aktivisten." Das Internationale Olympische Komitee hatte kürzlich erklärt, der Fall habe nichts mit den Spielen zu tun. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von Willkür, die Oppositionspartei Jabloko von einem Vorgehen wie zu Zeiten von Josef Stalin.

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