Protest gegen Janukowitsch Ukrainische Skifahrerin boykottiert Olympia-Slalom

Solidarität mit den Demonstranten in der Heimat: Die ukrainische Skifahrerin Bogdana Matsotska verzichtet auf den Slalom bei Olympia - und attackiert Staatspräsident Janukowitsch. Der Chef des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine ist ein alter Weggefährte von ihm.

Bogdana Matsotska kommt aus Lemberg in der Westukraine, sie startet jetzt seit vier Jahren im Ski-Weltcup, und es ist keine Gemeinheit zu sagen, dass sie dabei nicht sonderlich aufgefallen ist. Auch in Sotschi hat sie ihre Wettbewerbe unauffällig absolviert, Platz 27 im Super-G, Platz 43 im Riesenslalom, und doch gehört sie zu den Athletinnen dieser Spiele, deren Handeln in Erinnerung bleiben wird. Am Donnerstagmorgen hat sie sich entschieden, angesichts der blutigen Ereignisse in Kiew am Freitag im Slalom nicht zu starten - aus Solidarität mit den Demonstranten in der Heimat.

Zugleich formulierte sie zusammen mit ihrem Trainer und Vater Oleg eine zornige Stellungnahme gegen den umstrittenen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch. "Statt den Konflikt in Verhandlungen zu lösen (. . .), hat er die letzten Hoffnungen der Nation in Blut ertränkt", erklärte sie und bezeichnete den Präsidenten als "Banditen". Nach Angaben des ukrainischen Fernsehens fiel die Entscheidung, als klar war, dass die Athleten bei den nächsten Wettkämpfen keinen Trauerflor tragen dürfen.

Zudem kündigte Matsotska an, bald nach Kiew zurückkehren zu wollen; doch das hat sie nach Darstellung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) der Ukraine bis Donnerstagabend noch nicht getan. In einer Stellungnahme von NOK-Chef Sergej Bubka hieß es, dass die Entscheidung über den Verbleib jedem freigestellt sei, und dass er für den Slalom-Verzicht von Matsotska Verständnis habe. Er hatte sich allerdings gegen eine generelle Abreise entschieden.

Bubka will keinen Konflikt mit dem IOC

Bei der Bewertung von Bubkas Haltung sind allerdings diverse Aspekte zu beachten: Der einstige Stabhochspringer ist nicht nur NOK-Chef, sondern auch ein alter Weggefährte von Staatspräsident Janukowitsch - und er hat im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) noch einiges vor. Aktuell ist er Mitglied der Exekutive, schon 2013 kandidierte er für das Präsidentenamt in der Ringe-Familie; gut möglich, dass er irgendwann einen zweiten Versuch startet. Zudem kämpft er derzeit darum, dass die Bewerbung von Lemberg für die Olympischen Winterspiele 2022 aufrechterhalten bleibt. Da kann sich Bubka keinen Konflikt mit dem IOC leisten.

Blut und Leichen auf dem Maidan

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Widersprüchlichkeiten gab es vor allem beim Umgang mit der Tatsache, dass die verbliebenen ukrainischen Athleten aus der ursprünglich 45 Mitglieder umfassenden Mannschaft an den letzten Wettkampftagen der Olympischen Spiele nicht mit einem Trauerflor starten. Am Mittwoch hatte das ukrainische NOK erklärt, dass es sich diesbezüglich an das IOC gewandt habe, dass das Tragen eines schwarzen Armbandes jedoch unter Verweis auf die Olympische Charta nicht genehmigt worden seien. Am Donnerstag sagte ein IOC-Sprecher, den Ukrainern sei das Tragen des Trauerflores "nicht verboten" worden. Auf die Frage, was passiert wäre, wenn ein Ukrainer ein Armband getragen hätte, sagte er, das sei "hypothetisch".

Auf jeden Fall geht die Darstellung nun so, dass sich die beteiligten Seiten bei einem "informellen Treffen" darauf verständigt hätten, dass andere Gesten angemessener seien, um auf die Ereignisse in Kiew hinzuweisen. Die anderen Gesten sahen dann so aus: Die Mitglieder der ukrainischen Delegation hielten eine Schweigeminute ab, und manche Sportler befestigten an den Nationalfahnen, die an ihren Balkonen im Olympischen Dorf hängen, einen Trauerflor.