Protest gegen DFL-Sicherheitskonzept Zwölf Minuten Schweigen in den Kurven

An drei Spieltagen wollen Fan-Gruppierungen für jeweils zwölf Minuten einen Stimmungsboykott betreiben - und damit gegen das geplante Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga protestieren. Das Signal: Ohne Fans ist Fußball nur die Hälfte wert. Die DFL fühlt sich missverstanden.

Von Christoph Ruf

Proteste in der Kurve in Form leerer Ränge - hier beim Spiel des FC Bayern gegen Lille.

(Foto: dapd)

- Am Freitag zogen Nebelschwaden durch die Düsseldorfer Arena, Hamburger Ultras hatten vor dem Anpfiff bengalische Feuer gezündet. Am Tag darauf taten es ihnen Schalker Ultras nach - aus Protest gegen angeblich willkürlich ergangene Stadionverbote. Seit dem Scheitern der Gespräche zwischen Vertretern von Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Deutscher Fußball Liga (DFL) einerseits sowie Vertretern einer Faninitiative, die sich für ein toleriertes Abbrennen von Pyrotechnik in ausgewiesenen Bereichen einsetzte, werden Fackeln abgebrannt, was das Zeug hält. Doch diesmal gab es eine Abweichung: Die HSV-Ultras setzten aus Versehen ihre eigene Zaunfahne in Brand, "ihr seid zu doof", hieß es daraufhin aus der Fortuna-Kurve. In Gelsenkirchen wurden die Zündler von anderen Schalker Fans ausgepfiffen. In den Ultragruppen sorgen diese Vorfälle nun für selbstkritische Diskussionen.

Die Protestaktion gegen das Papier "Sicheres Stadionerlebnis", das am 12. Dezember verabschiedet werden soll, werde dennoch stattfinden, sagt Philipp Markhardt, Sprecher des bundesweiten Fanzusammenschlusses "Pro Fans". "In allen Stadien der ersten und zweiten Liga werden die aktiven Fans drei Spieltage lang 12 Minuten und 12 Sekunden einen Stimmungsboykott betreiben." Ohne Fans ist Fußball nur die Hälfte wert - das soll das Signal sein.

Die DFL fühlt sich missverstanden. "Pauschale Schuldzuweisungen und wechselseitiges Misstrauen" hätten fatalerweise dazu geführt, dass bei der Sicherheitsdiskussion überhaupt nicht mehr über Ziele und einzelne Maßnahmen gesprochen werde, sagt Peter Peters, Vorsitzender der DFL-Sicherheitskommission: "Wir wollen ja gerade weg von Kollektivstrafen. Uns genau das zu unterstellen, ist absurd." Es gehe darum, "die Fantrennung oder die Situation in den Eingangsbereichen der Gästekurven zu optimieren". Auch eine bessere Schulung der Ordnungsdienste sei geplant. Diese sollen künftig von einer neutralen Instanz zertifiziert werden.

Viele Fanvertreter halten allerdings die Sicherheitsdiskussion an sich für verfehlt. Eine "nie dagewesene Dimension von Ausschreitungen" werde an die Wand gemalt, heißt es in dem Aufruf des BVB-Fanzines "Schwatzgelb", den 55 000 Fans unterschrieben haben: "Warum bekommen wir als Stadiongänger davon dann kaum etwas mit?" Auch die DFL warnt vor Alarmismus. "Jeder, der regelmäßig in Stadien geht, weiß, dass es an den allermeisten Stellen kein Sicherheitsproblem gibt. Aber das kann kein Argument sein, das dagegen spricht, dort, wo noch Defizite herrschen, aktiv zu werden."