Protest gegen das Relegationsspiel Herthas Chancen sind äußerst gering

Hertha BSC hat Protest gegen die Wertung des Relegationsspiels in Düsseldorf eingelegt und versucht so, den Abstieg doch noch zu verhindern. Große Chancen haben die Berliner nicht, der Gang in die zweite Liga ist praktisch besiegelt. Dramatischer dürften die nachfolgenden Sportprozesse ablaufen.

Von Thomas Kistner

Am Freitag beginnt die sportjuristische Nachspielzeit für all das, was beim Relegationsspiel Düsseldorf gegen Hertha aus dem Ruder lief: Tausende Fans hatten den Rasen gestürmt, obwohl noch 90 Sekunden Spielzeit angezeigt waren. Schiedsrichter Wolfgang Stark musste die Partie für gut 20 Minuten unterbrechen, bis das Feld befreit war von feiernden Menschen, aber auch von Feuerwerkskörpern und Fans, die sich rasch ein privates Erinnerungsstück aus dem Rasen hackten.

Hertha legt Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein. Nun erwartet die Profibranche gespannt den Prozess, den das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes an diesem Freitag in Frankfurt führt. Doch soviel vorweg: Ein Wiederholungsspiel wird es nicht geben, der Abstieg des Hauptstadtklubs in die zweite Liga ist praktisch besiegelt.

Das ist die einhellige Einschätzung von Sportrechtsexperten, die nahe am DFB sind und viel Erfahrung mit dessen Sport-Rechtsprechung besitzen. Wenn also am Freitag ab 13.30 Uhr der Sportgerichtsvorsitzende Hans Lorenz mit zwei Beisitzern - einer von der Liste der Deutschen Fußball Liga, einer vom DFB - die Causa Düsseldorf/Hertha aufrollt, kehrt auch der Mann ins Zentrum des Geschehens zurück, der dort in Düsseldorf gestanden hatte: Wolfgang Stark. Ihm, dem Schiedsrichter, obliegt es laut Regelwerk, über Abbruch oder Fortsetzung einer Partie zu entscheiden, und dabei hat er Ermessensspielräume.

Die Berliner müssen Stark nun einen "Fehlgebrauch" dieses Ermessenspielraums nachweisen - das dürfte schwierig werden. Zumal keine randalierenden Hooligans draußen auf dem Rasen unterwegs waren, sondern glückstrunkene Fans, Kinder darunter, die Lemmingen gleich auf ein falsches Signal hin losgestürzt waren. Eine "Gefährdung an Leib und Leben", wie es die Fußballjuristen ausdrücken, oder gar "höhere Gewalt" gegen die Spieler habe offenkundig nicht vorgelegen, heißt es.

Zudem ergab sich die einzig echt gefahrenträchtige Bedrohung aus den Berliner Fan-Blöcken; von dort waren zuvor Feuerwerkskörper auf den Rasen geschossen worden. Vorstufe einer Eskalation. Auch deshalb ermittelt der DFB-Kontrollaussschuss nun zu Hertha BSC - und zur Fortuna, deren Ordnungsdienst außerstande war, die kurz vor Spielende über die Zäune kletternden Fans zurückzuschicken. Diese Verfahren stehen in den nächsten Wochen an, dazu weitere, schwer wiegende: Gegen Spieler von Hertha und gegen Düsseldorfs Mannschaftskapitän.

"Das war ein irreguläres Spiel"

mehr...