Profi-Boxer outet sich "Ein stolzer, schwuler Mann"

Der Puerto-Ricaner Orlando Cruz bekennt sich als erster Boxer öffentlich zu seiner Homosexualität. Er wolle zu dem stehen, was er sei und "ein Vorbild für die Kids" sein. Einige andere Sportler outeten sich zuletzt am Ende ihrer Karriere, Cruz dagegen kämpft in zwei Wochen um den Weltmeister-Titel im Federgewicht.

Es war eine Pressemitteilung, wie ein Phantomschlag beim Boxen. Kaum jemand hat das kommen sehen: "Ich bin und war schon immer ein stolzer, schwuler Mann", gab Orlando Cruz jetzt bekannt. Der 31-jährige Puerto-Ricaner gilt als erster Boxer der Welt, der sich zu seiner Homosexualität bekennt.

Er wählte den Zeitpunkt des Outings nicht etwa am Ende seiner Karriere, wie das der Rugby-Spieler Gareth Thomas oder der einstige NBA-Spieler John Amaechi getan haben; Cruz gab diese Erklärung etwa zwei Wochen vor seinem nächsten Kampf ab. Am 19. Oktober wird er gegen den Mexikaner Jorge Pazos in Kissimmee, Florida, in den Ring steigen.

Orlando Cruz bestreitet den Kampf als Vierter der WBO-Rangliste im Federgewicht. Er hat bisher 18 seiner 21 Profikämpfe gewonnen, davon neun durch Knock-Out. "Ich kämpfe jetzt seit 24 Jahren und um meine erfolgreiche Karriere fortsetzen zu können, will ich zu dem stehen, was ich bin. Ich will ein Vorbild für die Kids sein, die Boxen als Sport betreiben oder sogar über eine Karriere im Boxsport nachdenken. Ich bin und war schon immer ein stolzer Puerto-Ricaner. Ich bin und war schon immer ein stolzer, schwuler Mann."

Cruz, der im Jahr 2000 für sein Land bei den Olympischen Spielen in Sydney antrat, erklärte nicht, weshalb er den jetzigen Zeitpunkt für sein Outing wählte, allerdings räumte er ein, dass er vor diesem Schritt auch mit einem Psychologen gesprochen hatte.

Pedro Julio Serrano, Sprecher der amerikanischen Schwulen und Lesben-Vereiningung lobte den Boxer für diesen Schritt: "Er macht jetzt vielen jungen homosexuellen Menschen Hoffnung, die in ihm die Integrität und den Mut sehen, den es braucht, um in einer Gesellschaft, die gerade in diesem Bereich des Sports oft intolerant ist, dazu zustehen, was man ist."

Der Zuspruch Serranos fand viel positives Echo. Unter anderem auch von Ricky Martin, dem Sänger, ebenfals aus Puerto Rico, der bereits 2010 offen zu seiner Homosexualität stand.

Er wird an Anfendungen und Beschimpfungen im Ring nicht zerbrechen

Henry Maske hat Respekt für das Outing von Profi-Boxer Orlando Cruz gezeigt."Das ist ein sehr mutiger Schritt. Es gibt immer welche, die den Kampf als Erste führen. Er muss in seinem privaten Umfeld einen guten Rückhalt haben", sagte Olympiasieger und Ex-Weltmeister. Maske, Box-Olympiasieger 1988 im Mittelgewicht sowie Weltmeister bei den Amateuren und Profis, glaubt an einen kalkulierten Schritt des Federgewichtlers.

"Das war eine klare Entscheidung. Er muss schon wissen, was alles auf ihn zukommt", meinte Maske. Es werde in Zukunft sicherlich Reaktionen geben, "vielleicht auch positive", sagte der 48-Jährige, der sich an keinen vergleichbaren Fall zu seiner aktiven Zeit erinnern kann. Generell glaubt Maske nicht, dass Cruz an möglichen Anfeindungen oder Beschimpfungen im Ring zerbrechen werde. "Er wird wissen, dass man nicht von allen geliebt werden kann, egal, was man für Neigungen hat", sagte der "Gentleman".

Andere Stimmen äußerten durchaus auch Bedenken zur zukünftigen Sicherheit von Cruz und äußerten Zweifel daran, dass es ab sofort Boxer geben könnte, die sich weigern, gegen Cruz anzutreten.

Diesen Vorwürfen trat Dommys Delgado, Präsidentin des Boxverbands Puerto Ricos, energisch entgegen: "Orlando hat bewiesen, dass er ein exzellenter Boxer ist, der sehr gute Chancen hat Weltmeister zu werden", sagte sie und fügte an: "Wir wissen alle, dass dies ein ausgeprägter Macho-Sport ist. All diejenigen, die nicht gegen ihn boxen wollen, sollen es eben sein lassen."

Der einzig weitere bekannte Fall eines Boxers, der zumindest eine bisexuelle Neigung einräumte, war Emile Griffith. Er gab dies aber erst nach dem Ende seiner aktiven Karriere bekannt. Griffith wurde vor allem mit seinem Kampf gegen den Kubaner Benny Paret im Jahr 1962 bekannt. Noch vor dem Aufeinandertreffen musste sich Griffith von Paret schwulenfeindliche Beleidigungen anhören. Im Ring knockte er Paret aus. Zehn Tage später starb Paret.