Probleme mit Fans in Leipzig Hauptstadt der Fußballgewalt

Nazis und linke Ultras: In Leipzig definieren sich rivalisierende Fans am politischen Koordinatensystem. Und ausgerechnet dort gibt es Probleme mit dem Fanprojekt - weil die Parteien über die Trägerschaft streiten.

Von Christoph Ruf

Für den gemeinen Fußballinteressierten ist Leipzig nicht eben eine der Topadressen. Das von Red Bull alimentierte Projekt RB Leipzig steigt nicht so kometenhaft auf, wie man sich das in der Konzernzentrale vorgestellt hat und spielt immer noch in der vierten Liga gegen Meuselwitz oder die zweite Mannschaft des HSV. Um die beiden Leipziger Traditionsvereine ist es noch schlechter bestellt.

Politik und Sport sind in Leipzig kaum zu trennen: Ein Banner bei einem Spiel von Roter Stern Leipzig. 

(Foto: imago sportfotodienst)

Lok Leipzig kämpft gegen den Abstieg aus der Fünftklassigkeit und kann sich bei seiner Agonie nur damit trösten, dass der Sinkflug des traditionell größten Rivalen jüngst mit einem harten Aufprall endete. Der FC Sachsen, zu DDR-Zeiten unter dem Namen "Chemie" einer der vom System verfemten Klubs, hat sich im Sommer aus dem Vereinsregister streichen lassen, die verbliebenen FCS-Anhänger feuern nun einen Nachfolgeklub an, der sich SG Leipzig Leutzsch nennt.

Fahnenflüchtige linke FCS-Ultras dagegen haben die BSG Chemie gegründet, die nun ebenso wie der Rote Stern Leipzig (RSL) ein wichtiger Akteur in der drittgrößten Stadt Ostdeutschlands ist. RSL wurde vom DFB wegen seines antirassistischen Engagements 2010 mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Nicht erst seit diesem Tag ist er rechtsgerichteten sächsischen Fußballfans ein Dorn im Auge.

"Teutonisch, barbarisch, wir Leutzscher, wir sind arisch", schallte es den gut 500 Gästefans entgegen, als der RSL im Sachsenpokal auf die SG Leipzig Leutzsch traf. Bekenntnisse wie "Frei, sozial und national" wurden neben Antisemitischem dargeboten, selbst der Führer wurde besungen.

Die Stadt Leipzig droht der SGLL im Wiederholungsfall nun mit einem Entzug der Sportförderung. Zurückrudern muss auch deren Präsident Jamal Engel, der zunächst nichts von den üblen Gesängen gehört haben wollte. "Politik und Sport", sagte Engel, seien auch sowieso zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Das allerdings sind sie besonders in Leipzig noch nie gewesen. Die Stadt gilt seit Jahren als Hauptstadt der Fußballgewalt. Wie nirgendwo sonst definieren sich die Rivalitäten zwischen den Fanszenen dabei immer wieder entlang des politischen Koordinatensystems. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet in der problematischsten Fanlandschaft der Republik seit Monaten eine Provinzposse um die Neubesetzung des offiziellen Fanprojekts tobt, bei der es offenbar nicht primär um sachliche Gesichtspunkte geht. Sondern wieder: um Politik.