Probleme beim BVB Betriebsame Arbeit an der Gesichtsmaske

In den Bundesligaspielen vor der Champions League kann oder will Borussia Dortmund derzeit nicht ans Limit gehen. Der Kader ächzt unter den körperlichen und psychischen Belastungen. Am Dienstag in Madrid soll Sebastian Kehl mit angebrochenem Nasenbein spielen - aus Mangel an Alternativen.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Kapitän Sebastian Kehl verlässt verletzt den Platz, umringt von Kollegen und Betreuern.

(Foto: dapd)

Während sie im Stadion noch an dem 0:0 gegen den formstarken VfB Stuttgart herumkauten, lief im Sanitätshaus Kraft eilig die Spätschicht an. Vom Gesicht des Dortmunders Sebastian Kehl wurde ein Abdruck genommen - nicht für ein Denkmal, sondern um über Nacht eine Spezialmaske herzustellen, mit welcher der BVB-Kapitän am Dienstag im Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid trotz gebrochenen Nasenbeins vielleicht doch einsatzfähig sein könnte.

Die Dortmunder sind inzwischen Stammkunden im Sanitätshaus. Allein in der vergangenen Saison zogen sich vier Borussen Brüche der Gesichtsknochen zu, angefangen mit Neven Subotic vor genau einem Jahr, der noch heute mit drei Metall-Inlays im Jochbeinbereich spielt. Danach erwischte es Sven Bender, Kevin Großkreutz und schon einmal Kehl. Im Oktober war es dann wieder bei Bender zu einer Augapfelprellung gekommen, Kehl musste nach dem Spiel in Hannover am Auge genäht werden. "Man muss es wohl Glück im Unglück nennen", konstatierte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, "das Nasenbein ist nur angebrochen, es könnte sein, dass Sebastian mit einer Maske am Dienstag wieder spielen kann."

Ob der Ellbogenschlag von Raphael Holzhauser, mit dem er Dortmunds Anführer schon in der 18. Minute ins Krankenhaus befördert hatte, das Spielergebnis nachhaltig beeinflusste, das mochte am Ende keiner abschließend beurteilen. Referee Felix Zwayer zeigte dem 19-jährigen Stuttgarter nur Gelb, während ihm der frühere Schiedsrichter Markus Merk im Pay-TV ungewohnt deutlich diktierte: "Das war eine klare rote Karte!"

Holzhauser selbst reklamierte für sich, wie in solchen Fällen üblich: "Es war keine Absicht, ich seh' Kehl nicht und gehe normal zum Kopfball." Spätestens die Fernsehbilder legen aber den Eindruck nahe, dass Holzhauser zumindest fahrlässig mit hoch ausgestrecktem Arm Kehl ins Gesicht schlägt. Eine Szene, die am Samstag die Diskussion wiederbelebte, warum die Schiedsrichter gegen die Welle der Ellbogen-Checks nicht konsequenter mit Platzverweisen vorgehen.

Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia, der nach Kehls Ausscheiden eine Schimpftirade seines Gegenüber Jürgen Klopp über sich ergehen lassen musste, war nachher mit dem 0:0 zufrieden und wähnte sogar einen glücklichen Sieg im Bereich des Möglichen. "Den Punkt haben wir uns jedenfalls erkämpft." Nationalverteidiger Mats Hummels hatte kurz vor Schluss Vedad Ibisevic zu einer Großchance eingeladen, die der bosnische Nationalspieler aber vergab. Vorher hatte Stuttgarts Sven Ulreich gegen Hummels und den früheren Stuttgarter Julian Schieber gerettet, zwei weitere Male half die Latte Ulreich, der sich selbst anschließend eine "ganze Reihe guter Spiele" attestierte und vorschlug, ihn "in den Fokus" für die Nationalelf zu nehmen.