Totz Meistertitel und Vertrag bis 2009 wirft Real den Italiener aus dem Amt. Mit Bernd Schuster will Real erst verhandeln, wenn er seinen Vertrag mit Getafe auflöst.

Der Weg für Bernd Schuster auf den Trainerstuhl bei Real Madrid scheint frei zu sein. Real entließ am Donnerstag ihren bisherigen Coach Fabio Capello, der die Madrilenen vor nicht einmal zwei Wochen zum Gewinn der spanischen Fußballmeisterschaft geführt hatte. Real legte dem italienischen Erfolgstrainer zur Last, mit seinem Defensivstil dem Publikum zu wenig mitreißenden Fußball geboten zu haben.

Fabio Capello

Eine Saison, ein Titel, eine Entlassung: Fabio Capello. (© Foto: Reuters)

Anzeige

"Real muss auf Grund seiner Geschichte etwas mehr zeigen, als das in der abgelaufenen Saison der Fall war", sagte Sportdirektor Pedja Mijatovic. Die Entscheidung zur Entlassung des Italieners, dessen Vertrag noch bis 2009 lief, sei im Vorstand einstimmig gefallen. Die spanische Sportpresse ging davon aus, dass Schuster der Nachfolger von Capello wird. Der frühere Weltklassespieler solle Anfang nächster Woche als neuer Coach vorgestellt werden, hieß es.

Der 47-jährige Deutsche soll sich nach Angaben des Sportblatts As mit seinem bisherigen Club FC Getafe bereits auf eine Vertragsauflösung verständigt haben. Der Madrider Vorstadtclub habe sogar auf die vertraglich festgesetzte Ablösesumme von 400.000 Euro verzichtet. "Schuster kann jetzt bei Real unterschreiben", schrieb das Blatt. Reals Clubchef Ramón Calderón hatte zuvor erklärt, die Madrilenen wollten mit Schuster erst verhandeln, wenn dieser seinen Vertrag beim FC Getafe aufgelöst hat.

Mijatovic wollte nicht bestätigen, dass der Bernd Schuster als neuer Trainer kommt. "Schuster hat einen guten Ruf, aber er ist nur einer der Kandidaten", sagte der Montenegriner. Er hatte Calderón vor einem Jahr davon abgebracht, den Deutschen unter Vertrag zu nehmen und stattdessen die Verpflichtung von Capello durchgesetzt. Der Sportdirektor dementierte Berichte, wonach er ebenfalls abgelöst werden soll. Er bestritt zudem, sich mit Schuster nicht zu verstehen.

Capello ist nach Jupp Heynckes und Vicente del Bosque bereits der dritte Trainer in einem Jahrzehnt, den Real unmittelbar nach einem Titelgewinn hinauswirft. Der Italiener hatte mit Real eine Durststrecke von vier Jahren ohne Titelgewinn überwunden und zum 30. Mal die Meisterschaft in der Primera División nach Madrid geholt. Er kündigte an, von den Madrilenen die ihm zustehenden Gehälter "bis auf den letzten Euro" zu verlangen.

Schuster, der als Profi selbst für Real gespielt hatte, warb kürzlich für seinen Stil als Trainer: "Ich habe es geschafft, dass Mannschaften wie Xerez, Levante und Getafe nicht nur gewinnen, sondern auch mitreißend spielen. Wenn mir so etwas nicht mit Real gelänge, verstünde ich nichts vom Fußball."

Mit der Ablösung des Trainers wich Calderón von seinen Prinzipien ab. Er hatte bei seiner Wahl zum Vereinspräsidenten vor einem Jahr die Devise ausgegeben, dass er sich in die sportlichen Belange nicht einmischen wird. Dennoch setzte der Clubchef nun die Ablösung Capellos durch. "Er wollte nicht noch einmal ein Jahr lang die Presse gegen sich haben", schrieb die Zeitung El País. Die Madrider Blätter hatten die Spielweise der Capello-Elf häufig als "Schlafmittel" oder "Zumutung" bezeichnet.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(dpa)