Premier League Van Gaal: Fliegender Holländer erntet unendlichen Spott

Freiwillig am Boden: Louis van Gaal.

(Foto: REUTERS)

Manchester Uniteds Trainer verdeutlicht dem vierten Offiziellen, was er von einer Entscheidung hält - und zwar mit einer Schwalbe. Die Reaktionen im Internet lassen nicht lange auf sich warten.

Von Max Sprick

Norbert Meier und Louis van Gaal verband früher mal mehr als heute. Beide waren sie Bundesliga-Trainer, direkte Gegner aber nie. Als van Gaal die oberste Befehlsgewalt über den FC Bayern ausübte, krebste Meier mit Fortuna Düsseldorf in der zweiten Liga rum. Heute scheinen Welten die beiden Trainer zu trennen. Van Gaal leitet mit Manchester United einen der glamourösesten Klubs der glamourösen englischen Premier League an, Meier trainiert Arminia Bielefeld. Eine große Gemeinsamkeit haben die Trainer seit dem vergangenen Wochenende aber doch noch: Die jeweils aufregendste Schwalbe an der Seitenlinie.

Meiers Niedergang als Trainer des MSV Duisburg nach einer vermeintlichen Kopfnuss gegen den damaligen Kölner Spieler Albert Streit ist legendär. Seine Trainer-Karriere litt darunter, Meier wurde entlassen, erhielt drei Monate Berufsverbot und musste in der Regionalliga neu anfangen. Aber er hatte Glück: Zwar ist das Internet voll mit Artikeln und Geschichten über den Zwischenfall, aber jenes Internet war anno 2005 noch nicht so weit entwickelt, dass es ihn mit Häme und Spott und etlichen Foto- und Film-Montagen für seine Schwalbe hätte bestrafen können.

Mit van Gaal hat es kein Mitleid. Es bestraft ihn in Form von unzähligen Twitter- und Facebook-Nutzern. Dabei hatte er dem vierten Offiziellen an der Seitenlinie doch nur veranschaulichen wollen, was er von einer Freistoß-Entscheidung zugunsten des Gegners, zugunsten von Arsenal London hielt. Weil der Unparteiische ihm keine Beachtung schenkt, muss van Gaal reagieren. Und er tut das in beeindruckender Art und Weise. Als würde ihn ein unsichtbarer Angreifer umstoßen, fällt der Niederländer in bester Meier-Manier zu Boden. Er verharrt einen Moment auf seinem Rücken liegend, blickt fragend nach oben und wartet auf eine Reaktion. Die bleibt aus, den vierten Offiziellen tangiert van Gaals Einlage nicht mal peripher. Umso ergriffener reagiert das Internet.

"Ich war zu emotional", sagte Van Gaal nach dem Spiel zu seiner Show-Einlage. So richtig entschuldigen wollte er sich aber nicht. "Normalerweise sitze ich auf meiner Bank und werde dafür kritisiert, dass ich zu viel sitze. Jetzt stehe ich mal auf und es ist auch wieder falsch."

Englischen Medien zufolge wird er so gut wie jede Woche entlassen, je nachdem, wie passabel seine Mannschaft gerade spielt. Gegen Arsenal gewann Manchester United 3:2, sein Job dürfte dem 64-Jährigen zumindest für ein paar weitere Tage sicher sein. Dass er für seine Schwalbe gesperrt wird und in die vierte Liga muss, ist auch nicht zu erwarten. Dass seine (für alle anderen ziemlich lustige) Bestrafung dafür uenendlich lange im Internet besteht, bleibt ihm nicht erspart.