Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Der neue Eigentümer von Manchester City fühlt sich wie ein Bulldozer, der alles wegräumt. Doch jetzt gerät die Anbaggerei an die Weltstars ins Stocken.

Denen, die sich ein Leben lang mit Fußball beschäftigen, wird oft nachgesagt, sie würden sich weigern, erwachsen zu werden. Sie wollten auf ewig das Kindliche im Manne bewahren, sie wollten für immer spielen. Verwunderlich ist es deshalb nicht, dass in diesen Kreisen jene Vorstellung vom Orient gepflegt wird, die diese Männer als Kinder in den "Märchen aus 1001 Nacht" erzählt bekamen.

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Ein Fan von Manchester City hält eine gefälschte Pfund-Note hoch mit Scheich Sulaiman Al Fahim statt der Königin. (© Foto: Getty)

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Von der Pracht der Paläste, von Kronleuchtern, die größer sind als jeder Wüstenkaktus, von schillernden Stoffen, verziert mit Edelsteinen, von romantisch verschleierten Frauen, von Bauchtänzerinnen. Man glaubt, den Duft von Weihrauch und Myrrhe zu riechen, und sieht die Kamele am sonnenroten Horizont. Aber hat nicht auch Sulaiman Al Fahim aus Abu Dhabi ein Recht darauf, das Kindliche im Scheich auszuleben? Gewiss hat er das, nur träumt er nicht so viel, er handelt, tatkräftig: "Ich fühle mich wie ein vollkaskoversicherter Bulldozer, der alles wegräumt, was sich in den Weg stellt."

Das hat er gesagt, der Scheich, als er im September 2008 dem einstigen Premierminister von Thailand, Thaksin Shinawatra, im Auftrag der Königsfamilie des Emirates den einstigen englischen Spitzenklub Manchester City abkaufte. City steht lange schon im Schatten des Lokalrivalen United, auch deshalb träumen die City-Fans vom Morgenland.

Sie kleiden sich als Scheichs, und Eastland, das Viertel, in dem der Klub beheimatet ist, wurde in "Middle Eastlands" umgetauft. Allerdings wollen die Fans anstatt Weihrauch und Myrrhe nun doch lieber den Auspuff des Bulldozers riechen, sei doch der Tank - Krise hin, Krise her - randvoll, wie Sulaiman Al Fahim versprach: "Geld spielt keine Rolle für uns. Wir haben sehr tiefe Taschen."

Unglaubliche 615 Millionen Euro, mindestens, sollen zur Verteilung kommen, und es fing ja gut an, gegen 42 Millionen wurde zunächst der Brasilianer Robinho bei Real Madrid abgestaubt. Dann aber kam die Anbaggerei ins Stocken: Ronaldo, Berbatov, Villa, Messi, Bufon, Gomez und zuletzt Kaká ließen sich nicht locken, schwer wird's nun, die 18 Weltstars, mindestens, aufzutreiben, die Sulaiman den City-Fans versprach.

Der Scheich wird sein Geld nicht los, er muss aber, denn der Klub darbt auf Rang elf. Jetzt werden dem Hamburger SV für einen gewissen Nigel de Jong gut 20 Millionen geboten. Das klingt wie ein Kapitel aus 1001 Nacht, und für den Bulldozer ist es leicht zu stemmen. Er bekommt ja sonst nichts auf die Schippe.

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(SZ vom 21.01.2009)