PR-Experte Spreng über Uli Hoeneß "Reinwaschen geht nicht"

Mit großer Reue hat sich Uli Hoeneß der Öffentlichkeit gestellt: Er sei ein Zocker gewesen. Kommunikationsberater Michael Spreng erklärt im Interview, was das Geständnis wert ist.

Von Nakissa Salavati

Lange hat Uli Hoeneß über seine publik gewordene Steuerhinterziehung kein Wort verloren. Medien, Fans und die Politik spekulierten über die Motive des einst von Millionen Menschen hoch angesehenen Präsidenten des FC Bayern München. Nun hat Hoeneß sein Schweigen gebrochen: In einem Interview mit der Zeit beschreibt er sich als spielsüchtigen Zocker - und bereut öffentlich: "Ich habe eine Torheit begangen, ein Riesenfehler". Doch wie überzeugend ist diese Erklärung? Warum spricht er jetzt erst? Und entschuldigt ihn seine Sucht?

Antworten darauf hat Michael Spreng, 65, Medien- und Kommunikationsberater. Von 1989 bis 2000 war er Chefredakteur der Bild am Sonntag, 2002 wurde er Wahlkampfmanager des damaligen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU). Neben seiner Beratungstätigkeit kommentiert er das politische Geschehen in seinem Blog.

SZ.de: Herr Spreng, Ihr Kommentar zu Hoeneß war: "Sein Schweigen ist falsch". Ist es jetzt richtig, dass er spricht?

Michael Spreng: Alle - Freunde, Politiker, Fans - haben gerätselt: Warum? Und er hat dieses Warum jetzt beantwortet. Er hat gezockt und ist einem Börsenrausch verfallen. Diese Erklärung war wichtig, um zu verstehen, was in einem solchen Mann vorgeht.

Eines aber beantwortet er nicht: Warum er Steuern hinterzogen hat.

Damit würde er das mögliche Strafverfahren berühren. Seine Anwälte werden ihm gesagt haben: Zum Strafverfahren und zu den juristischen Implikationen kein Wort. Insofern ist er so weit gegangen wie er gehen konnte.

Liest sich das Interview nicht eher wie eine wohl kalkulierte Verteidigungsstrategie?

Er stellt einerseits seine Fehler, andererseits sein Leiden dar. Er bittet um Mitleid, wenn er sagt, dass er nicht mehr schlafen kann, wie schlecht es ihm geht und dass es die Hölle ist. Also an den Stellen ist mir das Interview ein wenig zu wehleidig. Denn nach wie vor ist er ja derjenige, der die Steuern hinterzogen hat. Er ist kein Verfolgter.

Warum spricht Hoeneß erst jetzt?

Ich nehme an, dass er sich erst einmal sammeln musste und Rat bei einem Medienanwalt gesucht hat.

Wie deuten Sie, dass sein Sohn Florian Hoeneß bei dem Gespräch dabei war - und seinen Vater in Schutz nahm?

Das scheint mir eine Überinszenierung zu sein.

Macht sich die Zeit zu einer Abspielfläche für Hoeneß?

Diese Form der Medien-Inszenierung ändert doch nichts daran, dass Hoeneß Steuern hinterzogen und damit der Gesellschaft geschadet hat. Der Makel bleibt. Reinwaschen geht nicht. Er kann nur um Verständnis werben, wobei es viele Menschen geben wird, die keines haben. Die Zeit-Journalisten jedenfalls haben die wichtigen Fragen gestellt - die Antworten kann nur Uli Hoeneß geben. Für die Zeitung ist es ein kleiner Coup und für Uli Hoeneß ein Erklärungsversuch, wie es dazu kommen konnte.