Portugal hat die Auswechslung von Luis Figo wie eine Staatsaffäre behandelt, noch aber ist dessen Mission nicht beendet.
Es ist ein Surren. Und jedesmal, wenn Figo den Ball berührt, schwillt es an. Es ist das Klicken all der Kameras, deren Rohre immer noch auf ihn gerichtet sind. Aber vielleicht liegt das nur daran, dass es schon wieder Ärger gab. Sonst sieht man in den Zeitungen ja immer mehr Fotos der Jungen. Von Christiano Ronaldo, dem Dribbler mit dem Sexappeal und dem tollen Namen, von Deco, dem kleinen Magier, der Europas Fußballer des Jahres werden könnte, von Helder Postiga, dem der Ausgleich und ein frecher Elfmeter gegen England gelangen.
Nicht nur ausgewechselt sondern auch demontiert: Luis Figo (© Foto: ddp)
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Figo ist noch kein Tor geglückt, aber er hatte auch weniger Zeit. Im Viertelfinale wechselte ihn der Trainer aus, ach was: Er demontierte ihn. Denn wie kann man das mit ihm machen, mit dem Kapitän, mit dem Star von Real Madrid, dem berühmtesten aller Portugiesen? Böse stapfte er in die Kabine und ward nicht mehr gesehen, auch nicht, als sich alle vor dem Elfmeterschießen umarmten, noch nicht einmal, als der Triumph gefeiert wurde.
In Portugal ist eine Staatsaffäre daraus geworden, dabei hatte man schnell eine Sprachregelung gefunden: Figo habe mit einem Heiligenbild in der Hand und nur mit einem Handtuch bekleidet gebetet, beteten alle her, die gefragt wurden, aber diese Version konnte das Land nicht beruhigen, zu offensichtlich war der Bruch.
Der Trainer sah sich also gezwungen, auf einer Pressekonferenz den Abtrünnigen über den grünen Klee zu loben: Figo sei ein "nationales Idol", schwärmte Luiz Felipe Scolari, und eines von ihm ebenfalls: "Schon immer habe ich ihn bewundert, und jetzt, wo ich ihn als Person kenne, noch viel mehr."
Chance des Lebens
Die Gazetten brauchen viele Fotos, um solche Angelegenheiten zu bebildern, deshalb ist das Surren bei ihm wohl am lautesten in der "Academia Sporting", dem Mannschaftscamp inmitten der kochenden Pampa vor Lissabon. Nur noch zehn Minuten dürfen die Fotografen bei den immer selteneren, so genannten "offenen" Übungseinheiten knipsen und filmen, als schreibender Journalist muss man sich mittlerweile einschleichen, um die Fußballer zu beobachten.
Die Mannschaft ist isoliert für die große Mission. An diesem Mittwoch hat sie die Chance, den Kleinstaat vom Rand endlich ins Zentrum Europas zu rücken. Ein Sieg gegen Holland, und die erste Endspiel-Teilnahme in Portugals Geschichte wäre Wirklichkeit. Im Halbfinale vor vier Jahren scheiterte die Elf aufgrund eines glasklaren Handspiels von Verteidiger Xavier, das hinterher durch Verschwörungstheorien verklärt wurde. Aber diesmal spielt man zuhause, da muss es klappen. Auch für Luis Felipe Madeira Caiero Figo ist es die Chance seines Lebens.
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