Wenn Zocken zum Beruf wird: Mehr als Hundertausend Menschen nahmen an einem Wettbewerb teil, um ihren Traum vom Poker-Profi zu verwirklichen. Am Wochenende trafen sich die besten 30 Spieler dazu im Ausland - im Zillertal.
Michael Körner kann hellsehen. Der DSF-Pokerexperte sieht seinem Gegenspieler in die Augen und sagt: "Du hast zwei Buben!" Der Angesprochene versucht, sein Pokerface beizubehalten, kann seine Überraschung und sein Entsetzen nicht verbergen. Spätestens jetzt wissen alle Spieler am Tisch: Er hält tatsächlich zwei Buben in der Hand. Eine Runde später gelingt Körner das Kunststück noch einmal: Er kennt die Karten seines Gegners - allein daran, wieviel Einsatz er bringt: "Dreifacher Blind, das sind ein Ass und eine Zehn."
Anzeige
Darum geht es beim Pokern: die eigenen Chancen berechnen und die Gedanken der Gegner erahnen zu können. Das kann ein nervöses Zucken sein, ein kleines Grinsen - oder eben der gebrachte Einsatz. Daran kann man die eigene Strategie ausrichten. Aus diesem Grund wird Pokern nicht den Glücksspielen zugeordnet, sondern als Geschicklichkeits- und Strategiespiel gewertet.
Am Wochenende kamen 30 Pokerspieler ins Zillertal, um sich mit anderen zu messen - und den Traum vom Berufspokerspieler zu verwirklichen. Das Internetcasino 888.com hat den Wettberwerb "German National Team" ausgeschrieben. Die zwei besten Spieler sollten sich qualifizieren und zusammen mit Michael Keiner - einer der besten deutschen Pokerspieler - das "National Team" bilden. 888.com übernimmt alle Startgebühren für die größten Turniere, darunter auch die World Series of Poker. "Eine Teilnahme bei diesem Turnier ist der Traum eines jeden Pokerspielers", sagt Michael Keiner. Kein Wunder, winkt doch ein Preisgeld von mehr als 14 Millionen Dollar für den Sieger.
Mehr als 100.000 Spieler nahmen an den Qualifikationsturnieren teil, die besten 30 durften ins Zillertal. Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt. Da sitzt ein Mathematik-Student neben einem Kaufmann, ein Stück weiter rechts versucht es ein ehemaliger Fußballprofi. Eines haben die Spieler gemeinsam: Jeder fummelt mit seinen Händen herum. Einer lässt Chips durch die Finger gleiten, ein anderer stalpelt sie sorgfältig. Ein Dritter spielt an seinen Karten, wieder ein anderer zupft am Filz des Tisches.
Draußen im Foyer wird heftig diskutiert, die Spieler haben dafür einen eigenen Jargon. "Mit Pocket Rockets All-In zu gehen ist gefährlich", sagt einer. Gemeint ist damit, dass ein Spieler zwei Asse in der Hand hält und sein gesamtes Geld setzt. Ein Ass und ein König nennt man Anna Kournikova: sieht gut aus, gewinnt aber selten. Eine Neun und eine Zwei kennen Pokerspieler als "Montana Banana". "Ich habe keine Ahnung, warum das so ist", sagt Körner.
Auffällig: Die Begriffe "Glück" und "Pech" fallen sehr selten. Wenn sie gebraucht werden, dann eher abfällig: "Jetzt braucht er schon Glück", sagt ein Beobachter, als einem Spieler der Bluff misslingt. Die Botschaft ist klar: Wer sich aufs Glück verlassen muss, ist ein schlechter Pokerspieler.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
Bergkirchweih in Erlangen
zusammen mit Michael Keiner - einer der besten deutschen Pokerspieler - das "National Team" bilden.
Keiners Nickname bei Pokerstars ist "DocMick". Und zumindest bei SnGs ist er ein ziemlicher Looser.
Man gebe den Nick auf www.sharkscope.com in die Suchmaske und stellt fest dass der Kapitän des Nationalteams bis jetzt nur ca $2000 in 50 SnGs, einer freeze-out Turnierform verloren hat. Viel mehr zu verlieren geht nicht in der kurzen Spanne.
Und die Hellseherei von Körner ist schlichtweg Blödsinn. Natürlich grenzen gute Spieler ihre Gegner anhand ihres Setzverhaltens ein, aber nicht aufgrund einer 3BB PFR-Raise. Das ist ein Standardmove. Der Autor hat weder die Chipsituation, die Tischposition, die Turniersituation mit in Betracht gezogen. Dann die "Erleuchtung" Körners einfach so preiszugeben, der Spieler habe AT ist noch nicht mal mehr dilletantisch zu nennen.
Ums kurz zu machen: Der Autor hat keine Ahnung worüber er schreibt.
Im Vergleich zu M.Keiner: Natürlich gibts auch Gewinnspieler. Man nehme z.B. den Briten Keith Hawkins Nick: "The Camel".
Sehe ich genauso. Mit Erfahrung und Strategie kann man jedes Glück plattmachen.
sorry...aber anscheinend hast Du nicht so den Plan von Pokern. Ohne Bluffs bzw. Continuation Bets zu bringen, würde kein Pokerspieler der Welt Gewinn machen. Dabei kommt es nicht darauf an, die großen Pötte dadurch zu gewinnen - was sowieso selten vorkommt.
Dass der Online-Spieler nur noch auf´s Glück angewiesen ist, kann wohl auch nicht ganz richtig sein; wie sollten sonst die 10% der Spieler, die Gewinn bringend pokern, Winrates von permanent 5BB/100 Händen erreichen?
Was macht Pokern aus. Wahrscheinlichkeiten, Pokerface, gut bluffen können ?
Gut bluffen bringt wenig, denn mit bluffen kann man keinen Spieler vom Table nehmen, dafür braucht man schlicht die besseren Karten und die besseren Karten sind auch Glück.
Gerade beim Heads Up wird sehr oft noch vor dem Flop oder dem River hoch gesetzt, zwar gibt es Wahrscheinlichkeiten, aber ähnlich wie beim Roulette, die Wahrscheinlichkeit hat kein Gedächtnis und man kann auch beim 5. Mal unterliegen, Wahrscheinlichkeit hin und her.
Pokerface, dass ist das, was ich am wenigsten verstehe. Schon Edward G. Robinson hat Steve McQueen gezeigt, dass es beim Poker darauf ankommt, im richtigen Moment das falsche zu tun. Man sollte Emotionen zeigen, aber eben so, dass man den Gegner auf's Glattteis führt. Also nicht Pokerface sondern Schauspieler sein.
Das ist auch das Problem des Online-Pokers, es beraubt einen um einen Großteil seiner Möglichkeiten und rduziert es auf das Glück.
...also meine Erfahrung ist die, dass gerade Anfaenger - erst recht mit einem Pocket auf der Hand - bis zum bitteren River bezahlen, auch bei mehreren Overcards im Board.
Wie oft hoere ich mich sagen "auf was calls du eigentlich????" wenn ich mit Anfaengern spiele. Genau deswegen spiele ich nicht gerne mit ihnen...
Paging