Schulen und Betriebe bleiben geschlossen: Athletic Bilbao trifft im Pokalfinale auf den FC Barcelona - für ein paar Tage sind die Basken vereint und vergessen die tiefen Risse durch ihre Gesellschaft.
Ihre erste Ehrenrunde drehen die Fußballer von Athletic Bilbao, da ist noch nicht einmal das Abschlusstraining in Sicht. Geschweige denn das Finale.
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So wollen die Spieler von Athletic Bilbao nach dem Finale gegen Barcelona auch jubeln. (© Foto: Reuters)
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Es ist Sonntagmittag, ein letztes Training auf baskischem Boden ist angesetzt, und auf den Rängen der "Kathedrale", wie das enge Stadion genannt wird, drängen sich 20000 Menschen. "Das ist ja wie bei einem Spiel!", sagt Mittelfeldspieler Joseba Etxeberríam später. Noch immer ist er überwältigt, noch immer mag er nicht glauben, dass sich die Menschen auf den Tribünen von ihren Plätzen erhoben, geklatscht, gerufen, geschrien hatten, obwohl sich die Mannschaft bloß anschickte, zwecks Erwärmung der Muskeln eine Runde im Trab zu drehen.
Anschließend präsentierten die Profis ein Transparent. "Denon artea lortuko dugu", stand auf Baskisch geschrieben, "gemeinsam werden wir es schaffen" - an diesem Mittwoch in Valencia gegen den FC Barcelona das Finale um Spaniens Königspokal zu gewinnen. Für Athletic wäre es der erste Titel seit 25 Jahren.
Und der vielleicht wichtigste in der 110-jährigen Klubgeschichte. Denn schon ein flüchtiger Spaziergang durch Bilbao beweist, dass diese Partie für diese Stadt viel mehr ist als nur ein weiteres Finale. Bilbao, das ist die alte Industriemetropole an der Biskaya, Herz des Baskenlandes, der vielleicht am heftigsten zerklüfteten Region Europas. Hier gibt es nicht bloß oben und unten, Strukturwandel, Arbeitslosigkeit, Angst vor Bankenkrise und Rezession. Hier dreht sich alles auch um Fahnen, Würde, Identität.
Auf der einen Seite stehen die, die nicht aus dem spanischen Staat ausscheren wollen. Auf der anderen Seite jene, die es vielleicht irgendwann einmal gerne tun würden; sie stehen ganz nah bei denen, die es sogar ganz bestimmt gerne hätten. Eine radikale Minderheit wiederum ist bereit, dafür Bomben zu legen, den Gegner mit Nackenschüssen zu erledigen.
Manchmal ist auch die Kathedrale Abbild dieser Spaltung: Als der Anwalt Fernando García Macua, 45, der im zweiten Jahr Athletic-Präsident ist, einmal eine Schweigeminute für ein Opfer der Terrororganisation Eta im Stadion abhalten ließ, war das in den Augen vieler eine Heldentat - in den Augen der Ultras im Stadion aber ein Verrat an der baskischen Sache. In jedem Fall war es ein Novum: Um den sozialen Frieden im Stadion nicht zu gefährden, hatte sich nie zuvor ein Athletic-Präsident getraut, ein Opfer der Eta zu ehren.
Doch von all den tiefen Rissen, die diese Gesellschaft schmerzen, weil sie quer durch die Familien gehen, ist in Bilbao derzeit wenig spürbar. Fast an jeder Fassade ist zu erkennen, was gerne behauptet wird: dass die Farben Athletics die Stadt zusammenhalten. Kitt aus Rot und Weiß. Überall Fahnen, Stoffbahnen, Plakate.
170.000 für zehn Tickets
Fußball als Opium fürs Volk? Vielleicht. Womöglich auch bloß notwendige mentale Hygiene. Andoni Zubizarreta, früher Torwart, später Sportdirektor bei Athletic, sitzt in der Empfangshalle des Hotels Carlton und neigt eher Letzterem zu. Er sagt: "Athletic ist das einzige Projekt, in dem sich ausnahmslos alle Bewohner dieser Stadt wiederfinden."
Momentan wird Bilbao vom Wahnsinn regiert. Auswärtspilgerreisen sind im spanischen Fußball eher selten, doch am Finaltag werden 40.000 der gut 350.000 Bilbainer in Valencia sein, obschon der Verband dem Klub nur 18000 Karten zur Verfügung stellt. Als die Provinzverwaltung kürzlich 110 Tickets verlosen wollte, meldeten sich 170.000 Menschen. Die Honoratioren der Stadt klagen, dass sie ein gesellschaftliches Nichts seien, weil sie an keine Karten herankommen. Prüfungen an Schulen und Universitäten sind abgesagt, sie werden am Tag nach dem Finale geschlossen bleiben - ebenso Betriebe und Geschäfte. "Mir ist, als wären wir das Zentrum des Weltfußballs", sagt Trainer Joaquín Capparós.
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Piratenpartei
Sie waren im Stadion und haben gleichzeitig das Spiel im TV gesehen???
...vergessen die tiefen Risse im Lande ? ? ? ? ? Weit gefehlt, im Endspiel wurde dies nur zu deutlich. Das Sozialistenfernsehen TVE hat den ganzen Abscheu der Leute aus Barcelona und Bilbao gegen alles , was "Spanien" heißt, während der Übertragung manipuliert und verfälscht. Die Sozialisten-Zentral-Regierung in Madrid ist auf die 25 mehrheitsbringenden Abgeordneten aus Barcelona angewiesen und muß tun, was immer die Nationalisten verlangen. Da mußten die Sozialisten dem Staaatsfernsehen den dringenden Befehl geben, die Situation nicht zu zeigen und jedwede Übertragung zu verfälschen. Das grandiose Pfeifkonzert der Leute aus Barcelona gegen die spanische Nationalhymne, gegen die Verfassung Spaniens, gegen das spanische Staaatsoberhaupt wurde herauskopiert und durch Bandabspielung ersetzt. In Spanien der Sozialisten geht es zu wie in einer Bananrepublik. Das sozialistengesteuerte Staatsfernsehen betrügt und belügt die Zuschauer, der Präsident Zapatero betrügt und belügt die Wähler, die sozialistengesteuerten Untersuchungsrichter des Landes betrügen und belügen die Bürger und erfinden zur Ablenkung von all dieser Mißwirtschaft irgendwelche Dinge gegen die Opposition usw usw usw. Eine Bananenrepublik mitten in Europa
Der Artikel steht hier doch schon seit vorgestern rum ... manche andere seit Jahren. Und der Kern des Artikels ist das Thema "Fussball im Baskenland", das ja auch nach dem Spiel nicht obsolet ist ... was ist daran so schändlich, den Artikel nicht sofort zu entfernen ?
dww
... wie die Zeitung von gestern. Hallo, schon aufgestanden, Süddeutsche?! Da gab es ein Finale. 4:1 für Barca, irgendwann machte Bilbao wie erwartet angesichts des Barca-Drangs, die individuellen Fehler und aus war's.
Dass man in dem Text hier überigens so einen verherrlichenden Ton des Athletic-Projekts anschlägt, wundert mich schon. Denn diese Baskentum-Sektiererei hat doch einen ziemlichen Mief entstehen lassen: Es gilt als erwiesen, dass Athletic vor zwei Jahren den Gegner UD Levante bestochen hat, um die Primera División zu halten.
Hätte man ja auch mal erwähnen können.
Und ein riesengroßes Kompliment an die Fans von Bilbao, bis auf den einen der Alves ne Plastikflasche an den Kopf geworfen (den hat man aber sofort erwischt), die haben auch beim Stand von 1:4 noch gefeiert und Stimmung gemacht...
Paging