Pokal-Endrunde Demonstration der Macht

Teil der bayerischen Machtdemonstration: Alex King.

(Foto: Eibner/imago)

Der FC Bayern zeigt beim 84:73 im Pokal-Halbfinale gegen Ulm, warum die Mannschaft zurzeit so gefestigt ist wie vielleicht noch nie seit der Rückkehr in die Bundesliga.

Von Joachim Mölter, Ulm

Die Basketballer von Ratiopharm Ulm hatten ein wenig Zuspruch gebrauchen können vor der Pokal-Endrunde an diesem Wochenende, schließlich hatten sie in der Bundesliga zuletzt zweimal zu Hause verloren. Also versuchte Geschäftsführer Thomas Stoll, ihnen Mut zu machen mit einem Rückblick auf 2014. Damals war der Klub zuletzt Gastgeber des Finalturniers gewesen, damals wie heute hatten die Ulmer eine mittelmäßige Bilanz in der Bundesliga, damals hatten sie in der Liga unmittelbar zuvor ebenfalls zweimal verloren, darunter damals wie heute knapp gegen die Fraport Skyliners aus Frankfurt; und damals wie heute hieß der Halbfinalgegner FC Bayern München. "Damals waren wir genauso Außenseiter wie jetzt", twitterte Stoll in die Welt hinaus. Die ungeschriebene Botschaft, die dabei nachhallte: Damals haben die Ulmer den FC Bayern bezwungen und sind ins Finale eingezogen.

Aber Geschichte wiederholt sich im Sport eher selten, meistens gar nicht.

So sehr sich die Ulmer auch mühten an diesem Samstagnachmittag: Dem großen Favoriten FC Bayern war nicht beizukommen. Die Münchner gewannen 84:73 (41:42) und erreichten damit zum dritten Mal nacheinander das Pokalfinale, das am Sonntag (15 Uhr) ausgetragen wird. Und beim FC Bayern hoffen sie, dass sich auch in diesem Fall die Geschichte nicht wiederholt: Denn die letzten beiden Male haben sie die Endspiele verloren.

In diesem Jahr sind die Münchner aber gefestigt wie vielleicht noch nie seit ihrer Rückkehr in die Bundesliga, das räumte auch Thorsten Leibenath ein, der Coach der unterlegenen Ulmer. "Bei den schnellen Angriffen, beim Rebounden in der Offensive, bei dem also, was den FC Bayern auszeichnet, da konnten wir ihnen den Zahn ziehen", resümierte er: "Aber München hat so viel Qualität, dass sie dann halt immer noch mehr Waffen haben." Sein Gegenüber Aleksandar Djordjevic sagte, "wir haben die Intensität in der Abwehr im dritten Viertel erhöht", das war im Grunde schon die Entscheidung.

Im dritten Viertel zwang den FCB die Ulmer zu mehr Fehlern

Die Ulmer hatten in der ersten Halbzeit gut dagegengehalten und sogar den traditionellen Anfangsschwung der Münchner schadlos überstanden. Aber Mitte des dritten Viertels zogen die Münchner die Daumenschrauben an, sie unterbrachen den Spielfluss der Ulmer, zwangen sie zu Ballverlusten und zogen von 47:48 (25.) binnen drei Minuten auf 61:50 davon. Diesen Vorsprung verwalteten sie nicht nur, sie dehnten ihn aus, bis zum 81:64 drei Minuten vor Schluss. Dann ließen sie es gut sein, sie hatten ihre Macht genug demonstriert.

Aleksandar Djordjevic konnte es sich sogar leisten, dem Gegner ein Lob zu zollen: "Es war eine kluge Entscheidung, uns unter den Körben zu attackieren", gab er zu, nicht ohne hinzuzufügen: "Sobald wir dieses Problem gelöst hatten, waren wir auf dem richtigen Weg." Allen voran ging an diesem Spätnachmittag Jared Cunningham, mit 22 Punkten der Topscorer der Partie. Für die Münchner punkteten außerdem Reggie Redding (13) und Maik Zirbes (10) zweistellig; auf Ulmer Seite waren Isaac Fotu (21), Ryan Thompson (12) und Da'Sean Butler (10) ähnlich erfolgreich, aber eben nur ähnlich.

Die Münchner haben noch einen weiteren Anreiz, am Sonntag den Pokal zu gewinnen. Es geht ihnen nicht nur darum, den Niederlagen-Hattrick zu vermeiden: Ihr bislang einziger Pokalgewinn liegt genau 50 Jahre zurück. Das Jubiläum ließe sich mit der neuen Trophäe noch schöner feiern.