Werder 1:1 - Djilobodji verstört mit martialischer Geste

Pizarro rettet Werder einen Punkt. Teamkollege Djilobodji droht Ärger wegen Kopf-ab-Geste. Die Trainer Skripnik eigentümlich erklärt.

Von Filippo Cataldo, Bremen/München

Gefühlt hat Claudio Pizarro, 37, in dieser Saison alle 14 Tage irgendeinen neuen Torrekord aufgestellt. Die Erfolge des Bremer Stürmers aus den letzten Wochen: Er ist der älteste Spieler, dem in der Bundesliga drei Tore in einem Spiel gelangen (beim 4:1 gegen Leverkusen am 2. März); in der Statistik der Werder-Rekordtorjäger überholte er Frank Neubarth und Rudi Völler (beide 97 Tore in der Bundesliga für den Klub); er machte sein 100. Bundesliga-Tor für Werder Bremen (beim 4:1 gegen Hannover 96 am 6. März). Am Samstag trennte sich Bremen 1:1 von Mainz. Den Treffer zum 1:1-Endstand erzielte kurz vor der Pause, wer sonst, Pizarro.

Mit nun 101 Toren in der Bundesliga für Werder Bremen hat der in Peru geborene, aber längst eingeherzte bajuwarische Bremeraner Marco Bode, 46, eingeholt. Mit dem spielte Pizarro an der Weser einst sogar noch zusammen, mittlerweile ist Bode Chef des Werder-Aufsichtsrats und Rekordtorschütze. Zumindest bis zum nächsten Treffer Pizarros, der personifizierten Lebensversicherung des Nordklubs. Ohne dessen Tore, allein zehn in diesem Kalenderjahr (so viele wie Bayerns Robert Lewandowski), stünde Bremen in der Tabelle noch schlechter da als auf Platz 14.

Er trifft und trifft und trifft: Per Elfmeter macht Claudio Pizarro sein 101. Tor für Bremen. Mit Marco Bode ist er nun Werder-Rekord-Torschütze.

(Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images)

"Er wird immer wichtiger", sagte Torwart Felix Wiedwald über den Stürmer, der quasi mit dem Abpfiff zum Flughafen eilte. Demnächst stehen für ihn WM-Qualifikationsspiele mit Peru an. "Wenn er da ist, ist das für den Gegner unangenehm", lobte Trainer Viktor Skripnik. Pizarro verleihe seinem Team Stabilität, Erfahrung - und eine gehörige Portion Kaltschnäuzigkeit.

Bremens Trainer Skripnik wünscht sich ein Wiedersehen mit Mainz

Doch auch mit Pizarros Toren beträgt der Vorsprung Werders (28 Punkte) auf Platz 17 gerade mal einen Zähler. Was sicherlich auch ein Grund war, dass hinterher kein Bremer wirklich glücklich war über das leistungsgerechte Unentschieden gegen Mainz. "Von der Tabellensituation ist das zu wenig. Es wird immer enger. Aber wir haben Fußball gespielt", sagte Skripnik und ergänzte in Richtung des Mainzer Trainers Martin Schmidt: "Ich hoffe, nächste Saison sehen wir uns wieder". An den Mainzern wird das nicht scheitern. Mit nun 41 Punkten sind sie noch immer im Rennen um die internationalen Plätze.

Einen Sieg hätte keine der beiden Mannschaften in dieser umkämpften und sehr hektischen Partie wirklich verdient gehabt. "Wir waren nicht zwingend genug vor dem Tor. Es ging hin und her und es waren viele Fouls dabei, die dann doch kein Foul waren oder eben doch", beschrieb Werders Kapitän Clemens Fritz das Spiel recht treffend. Der Mainzer Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger sagte, ebenfalls treffend: "Heute waren viele Entscheidungen nicht nachvollziehbar." Das lag aber weniger an der Leistung der Schiedsrichter um Manuel Gräfe als an der Menge von Nickligkeiten, versteckten und ganz offensichtlichen Fouls, Schubsereien und Grätschen. Die Spieler verbissen sich in so viele Zweikämpfe, dass Spielfluss, Ästhetik und mitunter auch Gräfes Übersicht zwangsweise auf der Strecke blieben.

Zweifelhafte Reaktion: Bremens Papy Djilobodji zeigte seinem Gegenspieler eine Halsabschneider-Geste.

(Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images)

Vor dem zu diesem Zeitpunkt eher glücklichen 1:0 der Mainzer hatte Gräfe weiterlaufen lassen, als Baumgartlinger Fritz am Trikot festhielt und somit den Mainzer Angriff ermöglichte, den Baumgartlinger nach einer Flanke von Yunus Malli erfolgreich abschloss (38.). Vor dem 1:1 in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit blockte Baumgartlinger im Strafraum Zlatko Junuzovic ab. Der Bremer war aber schon vor der unsanften Berührung mit dem Mainzer hochgesprungen, wäre also auch ohne Baumgartlingers Hilfe auf dem Hosenboden gelandet. Gräfe entschied dennoch auf Strafstoß, der Pizarro sein Rekordtor ermöglichte.

Der Kontrollausschuss des DFB könnte im Fall Djilobodji ermitteln

Die Freude darüber währte aber nicht nur wegen Werders prekärer Tabellensituation und Pizarros rascher Abreise nur sehr kurz. Während der zweiten Halbzeit leistete sich Innenverteidiger Papy Djilobodji, weitgehend unbemerkt von Freund und Feind, aber sehr wohl eingefangen von den TV-Kameras, einen unschönen Aussetzer. Nach einem Zweikampf mit Pablo de Blasis führte er seinen Zeigefinger an den Hals und machte eine Geste, die nur als "Kopf ab" interpretiert werden kann. Der Kontrollausschuss des DFB könnte ermitteln, bei einem Präzedenzfall im Jahr 2009 war der damalige St. Pauli-Spieler Deniz Naki nach einer ähnlichen Geste für drei Spiele gesperrt worden.

Schema & Statistik

Alle Daten und Fakten zum Spiel stehen hier.

Skripnik begründete Djilobodjis Geste auf eigentümliche Art und Weise mit der Herkunft des Senegalesen. "Das war eine emotionale Sache", der Spieler sei "ein afrikanischer Typ. Ich hätte das nie gezeigt", sagte Skripnik. "Ich akzeptiere alles, was kommt", sagte er noch auf die Frage, ob er eine Sperre seines Spielers erwarte.

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