Von Petra Himmel

Augusta National und das US Masters sind das Mekka der Golfer. Geheimnisvoll und verschwiegen ist der Club, elitär und Traditionen verhaftet bleibt das Turnier

Morgens um sieben hängt der Tau in den Korkeichen entlang des Savannah Rivers. Träge bewegt sich der Fluss, die Zeit scheint still gestanden. Das hier ist der tiefe Süden gut 150 Meilen östlich von Atlanta. Baumwolle und Indigo wurden früher hier am Hafen auf die Schiffe geladen. Das Städtchen Augusta hat sich seitdem so durch die Jahrzehnte gebracht, nie den Anschluss gefunden - womöglich auch nicht gesucht - an die hektischen urbanen Zentren weiter im Norden Amerikas.

(© Fotos: AP)

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Einmal im Jahr trifft die große Welt ohnehin hier ein. Dann öffnen sie am Augusta-Airport einen Extra Tower für die Privatflieger mit den Firmenbossen. Das Who is Who der US-Economy gibt sich für fünf Tage im April ein kurzes Stelldichein, macht das Südstaatenstädtchen zum Zentrum ihrer Welt. Morgens um 7.30 Uhr herrscht dann Hochbetrieb beim Coffeeshop an der Washington Road.

Hässlich ist es hier. Eine dieser typischen Geschäftsansiedlungen an einer vierspurigen Hauptstraße, die alles zu bieten, hat was gut und günstig ist. Rechteckige Flachdachsupermärkte mit großflächiger Reklame. Die Bürgersteige voll mit Ein-Mann-Ständen, die Cola und Sandwiches, Sonnenschutz und T-Shirts verkaufen. Zwischendrin steht ein Herr im grünen Jackett, die dunkle Sonnenbrille vor den Augen, den Panama-Hut auf dem Kopf. Nein, diese Luftballons am Cola-Stand will und wird er nicht ertragen. Sieht aus wie im Karneval. Karneval und Augusta National, das passt nicht zusammen. Dass der Cola-Stand mit den Luftballons gegenüber vom Eingangstor zu Augusta National liegt, ist ihm nicht genehm. Weshalb der Colaverkäufer seine Luftballons vernichten muss und der Herr wieder zurückeilt durch seine Eingangspforte an der Washington Road. Dort hinter hohen Mauern versteckt liegt das Mekka der Golfer, Ziel der Pilgerfahrten jeweils am ersten Aprilwochenende des Jahres: Augusta National, Schauplatz des US Masters. Kurz öffnen sich die Flügel des Eingangstores, geben den Blick frei auf die schmale Allee "Magnolia Lane" mit ihren 65 gleich hohen Bäumen. Am Ende steht das zweistöckige Clubhaus, frisch gestrichen in adrettem Weiß. Ein ehemaliges Plantagenhaus ist es, später das Zentrum einer Baumschule, jetzt das Clubhaus des zweifellos exklusivsten Golfclubs der Welt.

Amerika und Europa haben ältere Clubs aufzuweisen, Turniere, die weit mehr Historie haben. Und doch sind es Augusta National und das Masters, um die sich die meisten Geschichten und Mythen ranken, weil nirgendwo anders der Informationsfluss über Clubinterna so mickrig ist wie hier. Wie viele Mitglieder der Club hat, was sie zahlen und wie sie heißen? Kein Kommentar. Was das Turnier kostet, wie hoch das Preisgeld in diesem Jahr sein wird? Kein Kommentar. Wo die grünen Jacketts für die Mitglieder hergestellt werden, wie viel es davon gibt und um welchen Stoff es sich handelt? Kein Kommentar. Ob irgendwann Frauen aufgenommen werden oder ein paar mehr als die zwei einsamen Schwarzen, die sich jetzt Mitglied nennen dürfen? Kein Kommentar. "Mr. Johnson ist der Chairman von Augusta National und zuständig für alle Belange, die den Club betreffen", lautet die Standardantwort auf jegliche Frage, die den Club betrifft. Die Sache ist nur die, dass Mr. Johnson für all diese Fragen ungefähr so offen ist wie eine fest verschlossene Auster. Und so wird der Mythos Augusta gefüttert von dem Halbwissen um Augusta National und all' die Regeln, die für Clubmitglieder und Besucher gelten. Deren erste lautet, dass dies hier ein Club von Mitgliedern ist, die Mitglieder bestimmen und wenn die Mitglieder eines Tages der Meinung sein sollten, dass das US Masters ihnen einfach zu viel Scherereien bereitet, dann blasen sie das Turnier einfach ab.

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