Pikante Affäre bei Hertha BSC Rückfall in die Groschenroman-Zeit

Jos Luhukay will aus Hertha BSC einen seriösen Klub machen und hat sportlich großen Erfolg. Nach dem Sieg gegen den HSV ist der Berliner Verein so gut in eine Bundesligasaion gestartet wie noch nie. Doch freuen kann sich Luhukay derzeit kaum - eine pikante Affäre bringt den Trainer in Rage.

Von Boris Herrmann, Berlin

Sieh' an, die Hertha tanzt schon wieder! Vor der Ostkurve des Olympiastadions haben sich die Spieler aufgebaut, und genau wie nach dem ersten Heimsieg gegen Frankfurt wird auch nach diesem Heimsieg gegen Hamburg gemeinsam im Rudel gezappelt. Sicherlich, diesmal sieht alles ein klein wenig gedämpfter aus - könnte zum Beispiel daran liegen, dass es beim ersten Mal 6:1 ausging. Und diesmal nur 1:0.

Aber was heißt hier: nur? Die Berliner, darauf hat zum Beispiel Verteidiger Sebastian Langkamp hingewiesen, sind ja gerade erst aufgestiegen. Und jetzt haben sie in drei Spielen schon sieben Punkte eingesammelt. So gut ist Hertha BSC überhaupt noch nie in eine Bundesligasaison gestartet. Rein rechnerisch, jedenfalls.

Wenn man das Gesicht betiteln wollte, mit dem Jos Luhukay zur Pressekonferenz erschien, müsste man sagen: Ein Mann versteht die Welt nicht mehr. Luhukay, 50, der seit seinem Dienstantritt in Berlin im Sommer 2012 noch kein Spiel im Olympiastadion verloren hat, wirkte nicht wie ein Erfolgstrainer, sondern wie ein verzweifelter Vater. Die Augen leer und glasig, die Wangen zerfurcht. Irgendwo dazwischen hing ein trauriger Schnurrbart. "Ich kann mich innerlich nicht über den Sieg freuen", sagte Luhukay. Und: "Aus Trainer-Sicht habe ich die letzten Tage nicht viel geschlafen, das sage ich ganz offen und ehrlich."

Diese Sätze sind keine Auszüge aus einer Spielanalyse, sondern aus einer Brandrede. Luhukay sprach nicht nur als Angestellter von Hertha BSC, sondern auch als "Vater von zwei Kindern". Ein paar Minuten ging das so. Er ereiferte sich über den allgemeinen Verfall von Normen und Werten in der Gesellschaft. Und darüber, "was wir alle gemeinsam in der Öffentlichkeit darstellen". Sein Urteil: "Das ist peinlich, sehr, sehr peinlich für alle Beteiligten."

Es kommt selten, sehr, sehr selten vor, dass der Fußballgeschäftsbetrieb so aus den Fugen gerät. Dass jemand die vorgestanzten Sprachmuster verlässt und einfach sagt, was er denkt. Jos Luhukay hat es getan. Und danach herrschte erst einmal andächtiges Schweigen.

Das Wort "Lolita" ist bei dieser Gelegenheit am Samstagabend nicht gefallen. Es wusste auch so jeder, worum es ging. Die Boulevardzeitung BZ berichtet seit einigen Tagen großflächig von einem angeblich "schmutzigen Geheimnis" bei Hertha BSC. Und die Bild-Zeitung, die wie die BZ zum Springer-Konzern gehört, berichtet fast genau so ausführlich über den vermeintlichen Coup des Schwesterblattes. Es geht um eine 16-jährige Schülerin, von der BZ "Hertha-Lolita" getauft, die behauptet haben soll, in diesem Sommer eine Affäre mit drei aktuellen sowie zwei ehemaligen Hertha-Profis gehabt zu haben. Die Rede war auch von "Sex im Kinderzimmer".