Philipp Lahm Und er hat schon wieder recht

Bald nicht mehr beim FC Bayern - aber für wie lange? Philipp Lahm.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Philipp Lahm lag in der Vergangenheit mit mutigen Vorstößen immer richtig. Auch diesmal wird ihm seine Absage an den FC Bayern sehr wahrscheinlich nützen.

Kommentar von Martin Schneider

Kann sich Philipp Lahm das erlauben? Uli Hoeneß so auflaufen lassen? Den Präsidenten in zwei Fernsehstudios verkünden lassen, dass nichts beschlossen sei, kein Rücktritt, keine Sportdirektor-Frage, um dann Minuten später ohne das Wissen des Klubs Fakten zu schaffen? Wird Philipp Lahm das nicht noch eines Tages leidtun?

Die Antwort ist: Nein. Sehr wahrscheinlich nicht. Philipp Lahm macht sehr viel richtig - schon wieder. Er hat das ja schon einmal gemacht, 2009. Da gab er der Süddeutschen Zeitung ein Interview, ohne mit den Klubverantwortlichen zu sprechen, die auch damals schon Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hießen. In diesem Interview sagte er wörtlich, dem FC Bayern fehle eine Philosophie. Sinngemäß hieß das: Dem FC Bayern fehlt ein Plan. Das ist so ziemlich die härteste Kritik, die ein Angestellter seinen Chefs mitteilen kann - und dann auch noch öffentlich.

Geschadet hat das Interview Lahm nur kurzfristig, weil er eine ziemlich saftige Geldstrafe zahlen musste. Langfristig gesehen hatte er mit seiner Kritik völlig recht. Vor dem Interview scheiterte der FC Bayern regelmäßig im Viertelfinale der Champions League, nach dem Interview zog der Klub in sieben Jahren sechsmal ins Halb- und dreimal ins Finale ein. Als er bei der Weltmeisterschaft 2010 verkündete, er wolle Michael Ballack als Kapitän der deutschen Nationalelf beerben, war das in diesem Moment auch mutig. Vier Jahre später hob er als Spielführer den WM-Pokal in die Höhe.

Sportdirektor? Das hieße: keine Augenhöhe mit Hoeneß und Rummenigge

Und alles deutet darauf hin, dass Lahm auch mit seiner Absage an den FC Bayern genau den richtigen Schritt macht. Er will im Sommer aufhören, weil er das Gefühl hat, sein Körper packt eine weitere Saison Höchstleistung nicht. Der Aufsichtsrat des FC Bayern, das sagte Hoeneß der Funke-Mediengruppe, wollte ihn aber zu diesem Zeitpunkt nur zum Sportdirektor, nicht zum Sportvorstand machen. Das hätte bedeutet: keine Augenhöhe mit Hoeneß und Rummenigge. Die beiden, so heißt es aus dem Klubumfeld, seien sich schon einig gewesen, dass man Lahm sofort als Sportdirektor haben wolle. Aber eben als Sportdirektor, der näher an der Mannschaft ist als am Vorstand.

Lahm und sein Team analysierten offenbar, dass die Aufgabe dann schnell undankbar werden kann. Der Kader des FC Bayern steht vor einem enormen Umbau. Arjen Robben, Franck Ribéry, Xabi Alonso und der Spieler Lahm werden aufhören, und maximal für Alonso ist mit Joshua Kimmich so etwas wie ein Nachfolger im Kader der Bayern.

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Schwierige Aufgabe, unklare Kompetenzen, keinerlei Berufserfahrung, direkt von einem stressigen Job in den nächsten - das erschien Lahm offenbar keine angenehme Ausgangslage. Er hat ja gesehen, wie einst der von Uli Hoeneß anfänglich sehr hoch gelobte Sportdirektor Christian Nerlinger am Ende still aus dem Verein bugsiert wurde.