Pep Guardiola beim FC Bayern Sohn der Tradition und der Moderne

Er war Lehrling, Spieler, Kapitän und Trainer in Barcelona. Warum ist Pep Guardiola von dort ausgerechnet zum FC Bayern München gegangen - und nicht zu Chelsea? Wer's wissen will, schaue sich nur seine Karriere an.

Ein Gastbeitrag von Santiago Segurola

Pep Guardiola ist das doppelte Produkt des tiefen Kataloniens und des kosmopolitischen Barcelona. Er wurde in einem Bauerndorf geboren und in einem der mächtigsten Klubs der Erde ausgebildet. Er ist also ein Sohn der Tradition und der Moderne. Und so ist auch der Fußball, den er predigt, eine Kombination althergebrachter Ideen, die Guardiola in neue, die bisherige Kultur widerlegende Gedanken verwandelt hat.

In seiner Essenz handelt es sich aber um einen Mann, der die alten Kodizes des Fußballs respektiert. Die Gestalt eines Klubs etwa ist für ihn von fundamentaler Bedeutung. Das ist der Grund, weshalb er sich für den FC Bayern entschieden hat.

Einige Monate lang war Guardiola der meistbegehrte Trainer der Welt. Roman Abramowitsch, der Besitzer des FC Chelsea, bot ihm ein Vermögen. Guardiola lehnte ab. In seinem mentalen Universum ist ein Klub ein kultureller Ausdruck, der dem Willen der Allgemeinheit verhaftet ist, nicht den Launen eines Inhabers.

Es ist offensichtlich, dass er eine Ausbildung durchlaufen hat, die von Traditionen geprägt ist, und nicht von der Gegenwart. Er kam als Teenager bei Barça an und blieb dort mehr als 25 Jahre, in denen er alle Etappen und Verantwortungen durchlief: Er war Lehrling, Spieler, Kapitän und Trainer eines Vereins, der nach seinem Selbstverständnis "mehr als ein Klub" ist. Das ist nicht die Art von Erfahrung, die dazu einlädt, einen FC Chelsea anzuleiten.

In einer Welt voll russischer Oligarchen, US-Unternehmer und arabischer Scheichs fand Guardiola im FC Bayern gleich mehrere Aspekte, die er für grundlegend hält: eine starke Verankerung im Volk, Vereinsführer, die eng mit dem Fußball verbunden sind, starke Spieler und einen starken Zusammenhalt. Der FC Bayern hat eine universale Ausrichtung, aber ist zutiefst in Deutschland verwurzelt. Faktisch stellt er das Rückgrat der deutschen Nationalmannschaft. Die gleiche Bedeutung hatte Guardiolas Barça für die berühmte spanische Selección.

Nach seiner beeindruckenden Karriere als Barça-Trainer - abgesehen vom glänzendsten Fußball, den man je gesehen hat, eroberte er drei Ligatitel, gewann zweimal die Champions League, zwei spanische Pokale und zwei Weltpokale - blieb Guardiola nur noch wenig Spielraum. Er verließ Barça erschöpft. Es waren vier Jahre mit maximaler Hingabe. Seine Mutter verbarg nicht ihre Besorgnis. Sie sah ihn immer dünner, von Anspannung verzehrt. "Ernährst du dich gut?", fragte sie ihn nach dem Pokalfinale von 2009. In jener Nacht walzte Barcelona Athletic Bilbao nieder und holte einen von sechs Titeln einer magischen Saison - der ersten von Pep Guardiola als Trainer.