Paul Verhaegh über Elfmeter "Man muss die Sache so einfach wie möglich halten"

"Wenn man den Ball gut trifft, ihm ein gutes Tempo mitgibt und platziert, kommt der Torhüter da auch nicht ran. Wenn er rankommt, hat man nicht gut genug geschossen": Paul Verhaegh.

(Foto: Michael Weber/imago)

Augsburgs Kapitän Paul Verhaegh ist der erfolgreichste Elfmeterschütze der Bundesliga - ein Gespräch über spezielle Techniken und seine Bewunderung für Thomas Müller.

Interview von Kathrin Steinbichler

Paul Verhaegh, 32, war in der Hinrunde der verlässlichste und erfolgreichste Elfmeterschütze der Bundesliga: Der niederländische Außenverteidiger und Kapitän des FC Augsburg verwandelte fünf von fünf Strafstößen und liegt mit seiner Treffsicherheit sogar noch vor Thomas Müller vom FC Bayern (fünf verwandelte Elfmeter bei sechs Versuchen). Schon in der abgelaufenen Saison 2014/15 war Verhaegh mit sechs Elfmetertoren in der Bundesliga der beste Mann vom Punkt. Ein Gespräch über den Druck des Schützen und den Spaß des Abwehrspielers beim Toreschießen.

SZ: Herr Verhaegh, angesichts Ihrer 100-prozentigen Trefferquote bei Strafstößen ist die Frage zwangsläufig: Wie oft haben Sie im Trainingslager in Spanien Elfmeterschießen trainiert?

Paul Verhaegh: Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich übe Elfmeterschießen grundsätzlich kaum, weil ich der Meinung bin, dass man diesen Druck beim Elfmeter, den man im Spiel hat, im Training gar nicht üben kann. Aber natürlich kann man an der Schusstechnik arbeiten, und das mache ich schon.

Irgendein Geheimnis aber müssen Sie für diesen Schuss aus elf Metern doch haben. Immerhin sind Sie - wie schon in der vergangenen Saison - bei Strafstößen der verlässlichste Schütze der Bundesliga.

Da gibt es kein Geheimnis und keinen Trick, es ist eher so: Man muss die Sache so einfach wie möglich halten. Das ist eine Konzentrationssache. Wenn es Elfmeter gibt, versuche ich mich nicht ablenken zu lassen durch Gegner oder Publikum und einfach das zu machen, was nötig ist: Das Ding rein schießen. Ich habe da auch keine spezielle Ecke und entscheide spontan, wohin ich schieße, wenn ich am Punkt stehe.

Sie gucken sich also nicht schon vor einem Spiel den gegnerischen Torhüter aus?

Bei den meisten Torhütern weiß ich, welche ihre starke Ecke ist, aber das ist eigentlich irrelevant. Wenn es so weit ist, konzentriere ich mich auf mich. Und wenn ein Elfmeter gut geschossen ist, macht es auch keinen Unterschied, ob der Torhüter die Ecke geahnt hat oder nicht: Ein gut geschossener Elfmeter lässt dem Torwart eigentlich keine Chance. Wenn man den Ball gut trifft, ihm ein gutes Tempo mitgibt und platziert, kommt der Torhüter da auch nicht ran. Wenn er rankommt, hat man nicht gut genug geschossen. Manchmal aber entscheidet sich ein Torhüter auch früh für eine Ecke, und falls ich das im Augenwinkel habe und noch reagieren kann, wechsele ich schon noch die Ecke.

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Sie entscheiden sich noch während des Anlaufens um, wohin Sie schießen?

Nur manchmal, und vor allem nicht so wie Thomas Müller etwa, da bin ich schon ein anderer Typ. Der schaut sich den Torwart richtig aus, macht einen ruhigen Anlauf, wartet lange und macht den Ball dann oft da rein, wo der Torhüter nicht hin springt.

Wo Sie ihn ansprechen: Thomas Müller vom FC Bayern München ist der einzige, der mit ihnen in dieser Bundesligasaison mithalten kann. Er hat ebenfalls schon fünf Elfmeter getroffen - einen sechsten aber auch verschossen.

Wie er die Elfmeter schießt, ist schon bemerkenswert. Auch, mit welcher Ruhe er dabei den Torhüter ausguckt. Da ist er anders als ich. Vielleicht noch selbstbewusster.