Paris Saint-Germain Neymars Transfer ist katarische Außenpolitik

Neymar ist bei Paris Saint-Germain angekommen. Doch weshalb eigentlich?

(Foto: AFP)

Nein, der Wechsel von Neymar ist nicht der größte Exzess eines irren Transfersommers - weil es dabei gar nicht um Fußball geht.

Kommentar von Claudio Catuogno

Zweihundertzweiundzwanzig Millionen Euro Ablöse für einen Fußballprofi? Lothar Matthäus gefällt das. Verkündet er jedenfalls in seiner Kolumne bei Sky: Der Brasilianer Neymar, der gerade für diese in vielerlei Hinsicht unanständige Summe vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain transferiert wurde, gehöre nun mal "zu den drei besten Spielern der Welt"; der könne "große Spiele gewinnen". Bei so einem Könner, schlussfolgert Matthäus, gehe ein solches Investitionsvolumen in Ordnung: "Diese wenigen Ausnahme-Künstler sind auch dieses Geld wert."

Mehr Globalisierung, mehr Fernsehgeld - mehr Scheine in den Taschen der Ausnahmekünstler (und ihrer Berater). Dieser Dreiklang mag tatsächlich dazu geeignet sein, manchen Exzess des Transfersommers zu erklären. Der Markt gibt es her. Ein Missverständnis wäre aber, dieses Muster auf den Neymar-Coup anzuwenden. Es ist der Irrtum, dem auch Lothar Matthäus mit seinem Argument vom Ausnahmekünstler erliegt: dass es bei diesem Rekordtransfer noch um Fußball geht.

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Wer wird es wagen, die Katarer zu kritisieren?

Tatsächlich sind die 222 Millionen katarische Außenpolitik. Die Katarer als Eigentümer von PSG haben sich den buntesten aller Vögel in ihre Hofvoliere geholt, auf dass er dort über all die aktuellen Misstöne hinwegzwitschere. Von seinen Nachbarn wird das Land geächtet wegen angeblicher Terrorfinanzierung und Kontakten zu Saudi-Arabiens Erzfeind Iran; in Europa und den USA interessieren sich Strafbehörden für die Frage, auf welchem Weg das kleine Emirat den Zuschlag für die große Fußball-WM 2022 bekam. Und dass die Arbeitsbedingungen auf den Großbaustellen kaum besser werden, wird spätestens in den Fokus rücken, wenn der 2018-Gastgeber Russland keinen Schatten mehr wirft. Man müsste Katar dieses Fußballturnier wieder wegnehmen - aber wer wird das wagen, wenn ihnen die größten Attraktionen im Fußballzirkus gehören?

Too big to fail. Es ist gleichwohl ein riskanter Plan. Würde PSG jetzt wirklich noch 180 Millionen für Kylian Mbappé dazulegen - spätestens dann müsste eine Uefa, die ihre Regeln ernst nimmt, die dann spektakulärste Elf des Planeten aus ihrer Champions League verweisen.

Der Markt ist hier nicht das Thema. Der Skandal besteht darin, in Paris 222 Millionen für einen Ballkünstler hinzustellen - und den Tausenden Gastarbeitern, die zu Hause die Theater bauen, nicht mal genug Wasser. Weder Neymar selbst noch Experten wie Lothar Matthäus haben das verstanden.

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