Paralympics Forster schlägt Schaffelhuber, Eskau holt Gold

Anna-Lena Forster bei den Spielen in Pyeongchang.

(Foto: AFP)
  • Die deutschen Athleten haben in der Nacht zwei Goldmedaillen bei den Paralympics in Pyeongchang geholt.
  • Die deutsche Fahnenträgerin Andrea Eskau gewinnt Gold im Biathlon.
  • Anna-Lena Forster schlägt Andrea Schaffelhuber in der Super-Kombination.

Die "alte Frau" eilt allen davon. Fahnenträgerin Andrea Eskau hat bei den Paralympics in Pyeongchang Gold im Biathlon gewonnen. "Ich bin sehr stolz, ich bin eine alte Frau", sagte Eskau lachend nach ihrem Triumph. Die 46-Jährige, die im Langlauf in Pyeongchang bereits Silber holte, leistete sich am Dienstag bei schwierigen Bedingungen mit viel Wind auf der zehn Kilometer langen Strecke nur einen Schießfehler und kam nach 42:36,6 Minuten ins Ziel. "Es ist echt verrückt", sagte die Magdeburgerin. "Das hatte ich nicht erwartet." Bei der Präsentation der Medaillengewinnerinnen im Biathlon-Stadion riss sie beide Arme nach oben und ließ sich feiern.

Vor der zweitplatzierten und 19 Jahre jüngeren Russin Marta Sainullina, die für die Neutralen Paralympischen Athleten startet, hatte Eskau mehr als eine Minute Vorsprung. Bronze ging an Irina Guljaewa - ebenfalls aus Russland. "Wenn es passt, dann geht's wie von alleine. Das ist irre", beschrieb Eskau ihr Rennen. Die zweite deutsche Starterin Anja Wicker kam in der sitzenden Kategorie mit vier Fehlern am Schießstand auf Rang acht und gratulierte der Siegerin: "Respekt! Ich freue mich richtig für sie."

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Doppelsieg für Deutschland

Teamkollegin Anna-Lena Forster hat die Siegesserie von Anna Schaffelhuber bei Paralympics beendet. Die 22-Jährige aus Radolfzell gewann am Dienstag bei den Spielen in Pyeongchang Gold in der Super-Kombi, Schaffelhuber blieb nur Silber. Zuvor hatte die Regensburgerin sieben Paralympics-Rennen in Folge gewonnen. Fünf bei den Spielen 2014 in Sotschi und die ersten beiden in Südkorea. Forster hatte nach dem Super-G noch auf Rang vier gelegen, riskierte dann aber im Slalom alles und gewann. Am Ende lag sie 2,52 Sekunden vor Schaffelhuber.

"Heute ist ein Traum wahr geworden. Und das in einer Disziplin, in der ich es nicht erwartet hätte", sagte Forster nach ihrem ersten Paralympics-Gold: "Ich bin froh, dass ich Anna mal schlagen und etwas aus ihrem Schatten treten konnte." Schaffelhuber nahm die Niederlage sportlich und gratulierte fair. "Ich habe heute nicht Gold verloren", sagte sie: "Anna-Lena hat es absolut verdient. Von ihr fällt sicher viel ab jetzt, und ich freue mich, dass es die Teamkollegin war, die gewonnen hat."

Klug holt Bronz

Clara Klug hat Bronze im Biathlon gewonnen. Die 23-Jährige musste sich über zehn Kilometer bei den sehbehinderten Athletinnen nur Oksana Schischkowa aus der Ukraine und der Russin Michalina Lisowa geschlagen geben. Mit einer Zeit von 42:01,6 Minuten fehlten Klug am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein in Pyeongchang gut vier Minuten zu Gold. "Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert", sagte Klug kurz nach dem Rennen. "Ich habe im Ziel hundertmal gefragt, ob das wirklich stimmt, dass ich eine Medaille habe." Eigentlich sei sie davon ausgegangen, dass sie "keine Chance" habe. "Das sind eigentlich überhaupt nicht meine Bedingungen. Ich bin Wintersportlerin und das sind Sommertemperaturen für mich", sagte Klug - im Biathlon-Stadion betrug die Temperatur rund 15 Grad Celsius.

Bei insgesamt vier Schießeinlagen leistete sich die Münchnerin einen Fehler. Klug, die in Südkorea ihre Paralympics-Premiere feiert, wird auf der Strecke von ihrem Begleitläufer Martin Härtl mit verbalen Kommandos geführt.

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