Heute verbindet die beiden ein Vertrauen, das grenzenlos ist. "Ich kenne Cyril, Cyril kennt mich", sagt Olivier Duplan, "wir versuchen, uns gegenseitig zu verstehen. Er braucht meine Hilfe als Trainer, aber ich muss auch wissen, was er fühlt, was ihn umtreibt." Zusammen haben sie deswegen ihre eigene Sprache aus Handzeichen und Berührungen entwickelt. "Er versteht schnell", sagt Olivier Duplan, "er ist sehr intelligent. Wenn wir gegeneinander kämpfen und ich gewinne, kann ich danach das gleiche nicht noch einmal machen. Er hört in seinen Körper hinein. Er bekommt die Informationen nicht durch seine Augen oder seine Ohren, sondern durch seinen Tastsinn. Er hat eine andere Art, die Dimension des Raumes zu verstehen."
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Olivier Duplan sagt, dass Cyril am Anfang ihrer Zeit verschlossener war. Heute arbeitet er in seinem Klub in Limoges sogar als Judo-Lehrer für Kinder. Aber immer noch wirkt er oft so, als wäre er tief versunken in diesem Tunnel mit wenig Licht und kaum Ton, der ihn von der Welt der anderen trennt. Im Training macht er manchmal die Übung weiter, obwohl längst die nächste angesagt ist. Duplan tippt ihn dann leicht an, und Jonard versteht sofort.
"Er ist in einer Blase"
Als Duplan in Peking seine letzte Rede an die Mannschaft richtete, saß Cyril Jonard etwas am Rande, hörte nichts und machte Situps. Und zwischendurch stand er einfach nur da, leicht gebeugt, den Blick ins Nirgendwo gerichtet, als nehme er eine Auszeit in seiner Stille. "Er ist in einer Blase", sagt Olivier Duplan, und Cyril Jonard versucht, das zu nutzen vor den wichtigen Wettkämpfen. In seinem Tunnel kann er sich gut konzentrieren. Trotzdem kann er nicht immer gewinnen.
Nach dem Finale spürt Cyril Jonard wieder viele Hände auf seiner Schulter. Anerkennung. Lob. Aber Olivier Duplan weiß besser, was Cyril Jonard jetzt braucht. Seine Fäuste klopfen sanfter auf die Brust des Kämpfers als zuvor, er nimmt ihn in den Arm, er wischt ihm die Tränen aus dem kantigen Gesicht. Cyril Jonard gibt ein Interview in Zeichensprache. Seinen ersten kleinen Fehler habe der Kubaner genutzt.
Dann verschwindet er wieder in den massigen Armen des Trainers. Er hebt die Schultern, als wolle er sagen: Es tut mir leid. Und Oliver Duplan sagt wenig später: "Ich kann ihm nur einfache Zeichen geben. Ich kann ihm nichts zurufen. Das ist sein Nachteil." Dann winkt er ab, als sei ihm gerade wieder der Stolz seines Kämpfers in den Sinn gekommen. Alles blabla, sagt der Trainer. Cyril Jonard braucht solche Entschuldigungen nicht.
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(SZ vom 09.09.2008)
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