Panama Papers Messi, Forlan, Cole, Heinze, Korkut - die vielen Spieler des 1. FC Offshore

Illustration: Peter M. Hoffmann

(Foto: illu)

Viele Fußball-Akteure nutzen Briefkastenfirmen. Manche Klubs zahlten ihren Spielern so offiziell nur 1500 Euro Gehalt im Monat.

Von Mauritius Much

Seit Jahren duellieren sich Barcelonas Lionel Messi und Real Madrids Cristiano Ronaldo darum, wer der beste Fußballer der Welt ist. Meist hat der kleine Argentinier die Nase einen Hauch vor dem portugiesischen Modellathleten - auch beim Geld. So verdient Messi laut einem Ranking der reichsten Fußballer, welches das französische Fachblatt France Football Mitte April 2016 veröffentlichte, derzeit 74 Millionen Euro. Ronaldo "nur" 67,4 Millionen Euro.

Auf einer Stufe stehen die beiden Superstars hingegen bei den Werbeeinnahmen: Je 35 Millionen Euro bekommen beide über hoch dotierte Sponsorenverträge mit Adidas, Danone oder Telefónica (Messi) bzw. Nike, die Online-Spielplattform Pokerstars oder dem Nahrungsergänzungsmittelanbieter Herbalife (Ronaldo). Die Hälfte ihres Einkommens erzielen die beiden Fußballer also nur dadurch, dass Firmen mit den Gesichtern der Stars für ihre Produkte werben dürfen.

Wie Lionel Messi die Steuer ausdribbelt

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Der Verkauf der Bildrechte ist für Fußballer sehr lukrativ. Wie die Panama Papers zeigen, werden die Rechte nicht selten über Briefkastenfirmen in Steueroasen veräußert. Die Werbeeinnahmen fließen dann zurück in diese Offshore-Finanzplätze, wo kaum oder gar keine Steuern anfallen. Zwei Dutzend aktuelle und ehemalige Weltklassefußballer finden sich in den geleakten Dokumenten der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca - darunter Messi. Die meisten Spieler haben über Offshore-Firmen Bildrechte gehandelt.

In Spanien begannen Kicker wie der chilenische Stürmer Iván Zamorano bereits Anfang der 1990er Jahre damit. So gab "Ivan der Schreckliche", wie der Angreifer wegen seiner Kopfballstärke genannt wurde, seine Bildrechte 1992 über seine eigene Briefkastenfirma Fut Bam International Limited für vier Jahre an seinen damaligen Verein Real Madrid ab. Im Gegenzug sollte er 195 Millionen Peseten bekommen - das wären heute 1,17 Millionen Euro. Auf Anfrage der SZ und des Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) wollte sich Zamorano über seine Offshore-Geschäfte nicht äußern. Nach der Veröffentlichung der Panama Papers ließ er lediglich verlauten: "Als professioneller Fußballspieler hatten meine Gelder immer einen bekannten Ursprung und wurden in den Ländern, in denen es nach den Gesetzen eines jeden von ihnen nötig war, versteuert."

Messi behauptet, die Firma sei total inaktiv

Lionel Messi hat seine Werbeeinnahmen zwischen 2007 und 2009 hingegen nicht an seinem Wohnsitz in der spanischen Provinz Katalonien deklariert. Sie flossen in mehrere Offshore-Firmen in Belize oder Uruguay. Messi muss sich deshalb bald wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 4,1 Millionen Euro vor einem Gericht in Barcelona verantworten. Interessant wird dann sein, was für eine Rolle die Mega Star Enterprises spielen wird. Diese 2012 in Panama registrierte Briefkastenfirma war den spanischen Ermittlern bisher nicht bekannt.

Doch aus den Panama Papers geht hervor, dass Barcelonas Profi diese Firma zusammen mit seinem Vater gehörte, ehe Jorge Horacio Messi im Dezember 2015 die Anteile alleine übernahm. Ob der Prozess wie geplant am 31. Mai beginnen kann, ist fraglich. Denn die spanischen Steuerbehörden wollen die Informationen über die weitere Offshore-Firma Messis prüfen. Mehrere Anfragen der SZ und des ICIJ beantwortete der Weltfußballer nicht. In einem Kommuniqué ließ Messi nach der Veröffentlichung der geleakten Daten verbreiten, dass die Mega Star Enterprises eine total inaktive Firma sei, die niemals Gelder oder Girokonten besessen habe.

Puma schloss die Verträge mit Gabriel Heinze über eine Offshore-Firma

Im argentinischen Nationalteam spielte Messi jahrelang mit Gabriel Heinze zusammen. Während Messi stürmte, hielt ihm der Verteidiger den Rücken frei. 2006 und 2010 stießen sie ins WM-Viertelfinale vor, doch zweimal scheiterten sie an der deutschen Nationalelf. Dabei hätte Gabriel Heinze theoretisch auch beim Gegner spielen können: Denn sein Vater war Wolgadeutscher, weshalb Gabriel Heinze einen deutschen Pass besitzt. Doch er entschied sich für das Land, in dem er geboren wurde und aufwuchs.

Trotz der Niederlage im Elfmeterschießen im Berliner Olympiastadion am 30. Juni 2006 zahlte sich der Viertelfinaleinzug zumindest finanziell für Heinze aus. 40 000 Euro bekam er von seinem Ausrüster Puma als Prämie dafür - zusätzlich zu den 850 000 Euro, die er bis 2010 kassieren sollte. Das war in einem Vertrag festgelegt, den der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach 2005 mit der Offshore-Firma Galena Mills Corp. abschloss. Dadurch trat Heinze seine weltweiten Bildrechte ab und verpflichtete sich, exklusiv für Puma-Produkte zu werben. Dem Spieler gehörte die Firme offiziell nicht direkt, die Aktien hielt stattdessen über eine Familienstiftung seine Mutter.