Vor dem Einzelfinale der Springreiter werden gleich vier Pferde positiv auf Doping getestet, darunter auch ein deutsches.
Der Taifun, der sich den Wetterprognosen zufolge dem olympischen Reitstadion in Hongkong nähert, verzögert die Heimreise der Pferde, zwei Flüge wurden bereits verschoben. Doch das ist ein mildes Lüftchen verglichen mit dem Orkan, den gleich vier Dopingfälle im olympischen Springsport auslösten. Bei vier Pferden - Cöster von Christian Ahlmann (Deutschland), Lantinus von Denis Lynch (Irland), Chupa Chup von Bernardo Alves (Brasilien) und Camiro von Tony Hansen (Norwegen) - wurde die verbotene Substanz Capsaicin gefunden, ein Mittel, das aus der Chilischote gewonnen wird.
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Schnell nach Hause: Christian Ahlmann und sein Pferd Cöster nach der positiven A-Probe. (© Foto: dpa)
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Es wird als Paste oder Lotion verabreicht, um die Durchblutung zu fördern, beziehungsweise den Schmerz zu nehmen, aber auch um die Empfindlichkeit der Beine zu steigern. In letzterem Fall würde zum Beispiel die Berührung einer Hindernisstange für das Pferd wesentlich schmerzhafter sein als normal, weil die Haut künstlich sensibilisiert wurde. Das Pferd würde versuchen, die Berührung der Hindernisse, und damit Fehler, auf jeden Fall zu vermeiden.
Ist auch die B-Probe positiv, wird Norwegen voraussichtlich seine Bronzemedaille im Mannschaftswettbewerb an die Schweiz verlieren. Alle vier Reiter wurden sofort vom olympischen Turnier suspendiert. Diese Maßnahme ist seit einer im Frühjahr beschlossenen Regel möglich. Die Substanz wurde zum ersten Mal im Springsport nachgewiesen, vorher lediglich einmal bei Rennpferden.
25 Prozent Trefferquote
Capsaicin gilt als illegale Droge. Sollte die Substanz zum Zwecke der Hypersensibilisierung auf die Pferdebeine aufgebracht worden sei, ist der Tatbestand des Dopings erfüllt, ansonsten handelt es sich um die minderschwere Medikation Klasse A. Der Nachweis, an welchem Körperteil die ätzende Lotion angewendet wurde, dürfte allerdings schwierig sein, die Substanz gilt als sehr flüchtig. "Bei allen Springpferden wurden nach der Prüfung die Bandagen abgenommen und die Beine kontrolliert, dabei wurden keine Auffälligkeiten bemerkt", sagte Paul Farrington, Mitglied der Veterinärkommission der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI).
Bei 15 Pferden wurden Dopingproben genommen, entweder Blut oder Urin oder beides; damit sind mehr als 25 Prozent der Getesteten positiv. Cöster ist das einzige deutsche Pferd, das überprüft wurde. "Dieses Ergebnis ist ein ernster Angriff auf das Ansehen des Reitsports", sagt FEI-Vizepräsident Sven Holmberg aus Schweden: "Offenbar haben wir es hier mit einem Trend zu tun." Damit spielt er auf die Tatsache an, dass alle vier Reiter wegen derselben Substanz auffällig geworden sind. Erst seit etwa zwei Jahren kann Capsaicin nachgewiesen werden.
Nachdem bekannt wurde, dass die A-Probe von Cöster positiv war, wurde Christian Ahlmann umgehend aus der deutschen Olympia-Mannschaft ausgeschlossen. Die Analyse der B-Probe soll in zwei bis drei Tagen vorliegen, als Zeuge der Analyse wird der deutsche Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting anwesend sein. Ahlmann, der am Donnerstagmittag bereits im Flugzeug nach Deutschland saß, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Er hatte sein Handy abgeschaltet und ließ nur ausrichten, er müsse sich erst mit der Analyse befassen und recherchieren, bevor er eine Erklärung abgebe.
Bei ebenfalls positiver B-Probe kündigte das FEI-Tribunal eine Entscheidung noch im Laufe des Septembers an. "Ich kenne die Substanz nur aus der Literatur, sie wird unter anderem verwendet, um die Immunität von Koi-Karpfen zu verbessern", so Nolting. Er sei von dem Analyseergebnis überrascht worden. Die deutschen Reiter hätten vor den Spiele unterschrieben, jede Art von Medikation mit dem Mannschaftstierarzt abzusprechen. Vor allem die Erfahrung von Athen hätte eine Lehre sein müssen, so Nolting.
Nichts gelernt aus Athen
Ludger Beerbaum wurde nach Olympia 2004 disqualifiziert, weil bei seinem Pferd Goldfever eine cortisonhaltige Substanz gefunden wurde; wie es heißt, durch das Aufbringen einer Wundsalbe. Die deutschen Springreiter mussten die Goldmedaille abgeben und durch Bronze eintauschen. "Nach diesen Erfahrungen haben wir im Vorfeld sehr eindringlich mit den Reitern gesprochen", so Nolting. Ludger Beerbaum selbst, wollte die Dopingfälle zunächst nicht kommentieren: "Leute, lasst mich doch in ruhe, ich will mich jetzt aufs Reiten konzentrieren", sagte er vor der sportlichen Entscheidung an diesem Donnerstag (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet). Dann fügte er jedoch hinzu: "Es ist ja schon merkwürdig, dass bei allen vier Pferden dieselbe Substanz gefunden wurde. Ich bin schockiert." Der deutsche Delegationsleiter Reinhard Wendt sagte: "Athen hat eine so deutliche Sprache gesprochen, dass jeder wissen konnte, was die Stunde geschlagen hat."
Alle deutschen Pferde wurden bereits in der Quarantäne einer Dopingkontrolle unterzogen. Außerdem machte die Mannschaftsführung bei allen Pferden von der Möglichkeit Gebrauch, sie nach Ankunft in Hongkong auf bestimmte Substanzen testen zu lassen. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um Substanzen, mit denen Krankheiten behandelt werden, nicht um Dopingsubstanzen. Damit solle verhindert werden, dass sich Restbestände von vorhergehenden Behandlungen fänden, die die Leistung nicht mehr beeinflussten, heißt es seitens der FEI. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die fürchten, durch diese vorsorglichen Test könnten die Reiter herausfinden, welche Substanzen das Labor analysieren kann und welche nicht.
Peter Hofmann, der Vorsitzende des deutschen Springausschusses, sprach von einem "Supergau". - "Ich und viele andere sind ehrenamtlich in diesem Sport tätig, weil er uns fasziniert, und es ist noch nicht abzusehen, welche Folgen das haben wird", so Hofmann. Er sieht sogar die Zukunft des olympischen Reitsports gefährdet. Dem hält Hanfried Haring, der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Mitglied des FEI-Bureaus, entgegen: "Es wird jetzt davon abhängen, wie die FEI mit diesen Fällen umgeht und glaubhaft zeigen kann, wie ernst es ihr im Kampf gegen Doping ist."
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(SZ vom 22.08.2008)
Piratenpartei
Diese Vorfälle sind zwar für die deutschen Sportler bedauerlich, könnten aber zumindest bewirken, dass die Geneigtheit zur nationalen Euphorie und Präpotenz wieder etwas eingebremst wird. Man erinnert sich da an den Kommentar in ARD beim Einmarsch der österreichischen Olympiateilnehmer. Die dumme und inkompetente Bemerkung von Frau Meischberger zum Fahnenträger Steinacher, der immerhin doppelter Olymiasieger ist (2000, 2004), war, dass Österreich nach so vielen Dopingproblemen auf die Segler gekommen ist, weil diese vielleicht weniger gefährdet wären. Langfristig ist gegen diese Bereitschaft zum Maulaufreissen aber sicher kein Kraut gewachsen.
Das ist ganz leicht auszurechnen: Kosten für die Zuchtstute + Unterhalt +Tierarzt + Schmied + Aufzucht (mindestens 3 Jahre) + Anreiten und Ausbildung =
Dann sehen Sie sich den Marktwert eines durchschnittlichen Freizeitpferdes an und Sie wissen, wer wen Quersubventioniert.
Wenn Sie sich in diese Materie einarbeiten werden Sie auch hinter die wahren Gründe des Dopings kommen.
Eine Reise durch Europa, und anschließender Fahrt mit dem Schiffchen in irgendein arabisches Land.
Jetzt müssten Sie aber eine verdammt lange Nase haben. 'Spitzensport finanziert dem Liebhaber seinen vierbeinigen Rasenmäher...', nett gesagt, aber falsch. Die Masse machts, siehe die Zucht der beliebten Haflinger. Das was nicht verkauft wird, darf sich auf einen 'tollen' Tiertransport freuen.
Schmerzen sind für mich Schmerzen. Und ich halte es für Tierquälerei, und es ist für mich auch nicht tiergerecht. Egal auf welche Art an dem Tier manipuliert wird. Alleine der Satz, dass man Gefahr läuft es könne streiken oder verweigern wenn man es zu sehr mit Schmerzen quält, also den Pferdesport macht mir das nicht im symphatisch ganz im Gegenteil. Ein Pferd ist Lebewesen und, wie bereits hier schon so schön formuliert, kein Sportgerät.
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