Weltrekord auf Weltrekord: Vor allem das Staffel-Rennen über 4x100 Meter Freistil dürfte in die Geschichte eingehen. Auf die Deutschen prasselt Kritik ein, doch es gibt einen Lichtblick.
Die historische Olympia-Mission des Michael Phelps geht in eine neue Dimension. Kurzfristig hatten ihn die Chefs des US-Schwimmteams für die 4x100 Meter Freistilstaffel nominiert, und mit der gewann Phelps nach einem dramatischen Rennen sein zweites Gold in Peking.
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Riesenjubel: Michael Phelps (r.) und Garrett Weber-Gale nach dem Gold über 4x100 Meter Freistil. (© Foto: Reuters)
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Doch als die letzten Schwimmer der 4x100-Meter-Freistil-Staffel zum letzten Mal wendeten, schien Phelps und seine Mannschaft geschlagen. Frankreich war enteilt, Weltrekordhalter Alain Bernard lag eine halbe Körperlänge vor dem US-Schwimmer Jason Lezak. Der sonst so introvertierte Phelps schrie verzweifelt, er gestikulierte wild. In diesem Moment sah man, wie viel ihm seine Mission "Achtmal Gold" in Peking bedeutet.
Fast wie Oliver Kahn
Lezak holte tatsächlich auf, Bernard schien auf den letzten Metern im Vergleich fast unterzugehen, am Ende berührte der Amerikaner acht Hundertstelsekunden vor dem Franzosen die Beckenwand. Oben jubelte Michael Phelps wie ein Showcatcher nach einem kapitalen Überwurf. So hatte man den 23-Jährigen aus Maryland noch nie gesehen, er sah mit seinen angespannten Muskeln, mit seinem offenen Mund fast so aus wie Oliver Kahn nach einem gewonnenen Elfmeterschießen.
Dass die Amerikaner um Phelps dieses Rennen noch gewannen, könnte ihrem Superstar die nötigen Flügel verleihen, um die restlichen sechs Goldmedaillen zu holen. Die 4x100 Meter Freistil waren ein Endlauf der Superlative: Phelps ging als Erster für die USA ins Becken, doch neben ihm schwamm der Australier Eamon Sullivan in 47,24 Sekunden einen Weltrekord, danach enteilten die Franzosen. Am Ende blieben die Staffeln der USA und aus Frankreich fast genau vier Sekunden unter dem bisherigen Weltrekord, auch die Drittplatzierten Australier hätten die alte Bestzeit deutlich unterboten - ein Fabelrennen.
Doch es war nicht die einzige Disziplin mit neuen Bestzeiten. Über 100 Meter Rücken der Frauen stellte Kirsty Coventry aus Simbabwe bereits im Vorlauf mit 58,77 Sekunden einen Weltrekord auf. Der Japaner Kosuoke Kitajima blieb bei seiner Titelverteidigung über 100 Meter Brust als erster Mensch unter 59 Sekunden (58,91).
"Die Leistungssprünge werden anhalten."
Solche Zeiten schaffen Argwohn in einer dopinganfälligen Sportart wie Schwimmen. Doch nach Ansicht von Experten gibt es auch Gründe für legale Leistungssteigerungen. Das Schwimmen wird in vielen Ländern erst seit ein paar Jahren professionell betrieben, nun etwa in Korea, Japan und China. Die Schwimmtechniken haben sich rasant entwickelt, etwa bei Start, Tauchphase oder auch bei der Wende. Zuletzt sollen viele Sportler durch extremes Krafttraining einen Schub bekommen haben. Der deutsche Cheftrainer Örjan Madsen sagt: "Die Leistungssprünge werden noch einige Zeit anhalten."
Solche Argumente werfen allerdings ein schales Licht auf die Darbietungen der deutschen Schwimmer. Bislang konnten die meisten von ihnen in Peking nicht einmal ihre eigenen Bestleistungen bringen, einige wie die bisherigen Europarekord-Halter Helge Meeuws oder Sarah Poewe brachen regelrecht ein.
Nach den vielen Enttäuschungen suchen die Deutschen in Peking schon nach den Ursachen. Kritiker glauben, den Grund zu kennen: Die deutschen Schwimmer sind immer noch föderal organisiert, die meisten Olympia-Starter führen ein Einzelkämpfer-Dasein, während andere Nationen die besten Athleten längst zentral koordinieren. Örjan Madsen hat angedeutet, dass er in den vergangenen Monaten schon ein-, zweimal an Rücktritt dachte, weil er auf die meisten Sportler keinen Zugriff hatte. Erst nach den Olympischen Spielen stellt der Deutsche Schwimmverband sein System um.
Der erste Endlaufteilnehmer
Einer der wenigen, der Madsens Trainingsplan gefolgt ist, hat es nun als Erster in ein Einzelfinale geschafft: Paul Biedermann. Der 22-Jährige aus Halle an der Saale erreichte als Fünftschnellster der Halbfinals über 200 Meter Freistil den morgigen Endlauf. "Das war mein Ziel, darauf habe ich vier Jahre lang hingearbeitet", sagte Biedermann. Und übte indirekt Kritik an den Kollegen, die sich vor Olympia lange Zeit im Training abschotteten, statt wie er die großen Rennen zu suchen wie die Europameisterschaft im März in Eindhoven. "Ich messe mich gerne in großen Wettkämpfen und habe auch keine Angst, gegen einen Michael Phelps zu schwimmen. Vielleicht ist im Finale deutscher Rekord möglich".
Eine Medaille dürfte Biedermann damit zwar nicht gewinnen. Dennoch ist er mit seiner Leistung und Einstellung ein heller Lichtblick im weiten Dunkel der deutschen Schwimm-Mannschaft.
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(sueddeutsche.de/jüsc)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Training wie ein Profi soll also der Schlüssel zu diesen Leistungssprüngen sein- soso!
Dann haben wohl die DDR- Schwimmer/-innen seinerzeit nur gedopt und sich lieber den Rest ihrer Trainingszeit mit FKK und Club-Cola blubbern vertrieben?!
Hmmm?!
Damals, mit wissenschaftlichem Staatsdoping UND hartem Training ( jaja, auch im Kraftraum), wurden Zeiten erreicht, die heute für keinen Endkampf mehr reichen würden.....ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt...
freute mich die Aussage von Ditte Kotzian beim Interview, sie habe so viel Spaß gehabt und dauernd zur Partnerin herübergegrinst, um sie - letztendlich erfolgreich - mit ihrer guten Laune anzustecken.
Klar, ich gehöre auch zu denen, die gerne ein paar Erfolge sehen wollen. Der Sport wird auch in Deutschland mit enormen Summen aus der öffentlichen Hand und von Sponsoren, die es letztlich wieder von ihrer Steuerlast absetzen können, gefördert. Da geht es schließlich nicht darum, eine Art Edel-Sozialhilfeempfänger zu unterstützen, sondern man will Leistung sehen. Allerdings sehe ich die Leistung auch erbracht, wenn jemand seine eigen Bestleistung erreicht oder sogar übertrifft. Wenn dabei eine Medaille herausspringt, - um so schöner.
Was meiner Ansicht nach unerträglich ist, wenn in einer Sportart zwar keine oder kaum Athleten, aber jede Menge Funktionäre hingeschickt werden. Wenn es nicht gelingt, Sportler ausreichend zu qualifizieren, dann haben auch diese Leute ihr Soll nicht erfüllt und haben dort bestenfalls auf eigene Kosten etwas zu suchen.
Doping wird immer ein leidiges Thema bleiben, insbesondere wenn Athleten sich weitgehend ohne Folgen um die unangemeldeten Tests drücken können. Mein Vorschlag wäre, vielleicht einmal das Fehlen durchgehen zu lassen, wenn eine wichtige Entschuldigung (persönliche oder Erkrankung in der Familie, Todesfall im näheren Umfeld u.ä.) vorgebracht und belegt werden kann. Ab dem zweiten Fall zumindest eingehende Untersuchung, vorzugsweise einjährige Sperre und Verlust von Fördermitteln. Im Wiederholungsfall zweijährige Sperre, bei nochmaliger Wiederholung, lebenslang. (Entsprechendes gilt, wenn anderweitig durch Organe des Staates oder der Sportverbände der Zugang zu bestimmten Sportlern unterbunden wird.)
Alle Athleten, welche an Wettkämpfen teilnehmen sollen, müssen mindestens einen unangekündigten Test vorweisen können, sonst erhalten sie keine Startberechtigung.
Und natürlich: Wer in irgendeiner Form aufgefallen ist, wird mehrfach kontrolliert. Wenn irgendwelche Staaten bzw. Verbände da nicht mitmachen, sieht man doch gleich, wo gedopt wird.
Außerdem gibt es doch bestimmt Untersuchungen, welche Muskelmasse in welchem Alter natürlich durch Training aufgebaut werden kann. Der 17-jährige chinesische Gewichtheber, aber auch 99% der jungen Football-Profis in den USA (nicht Olympia, schon klar) haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unerlaubte und höchst ungesunde Mittelchen geschluckt.
Die Leistungssprünge werden anhalten, solange die Dopingmethoden von Jahr zu Jahr immer Fabelhafter werden. Die Argumentation das in einigen Ländern wie z. B. China und Japan erst seit ein paar Jahren professioneller Schwimmsport betrieben wird, ist reichlich schräg. Sie unterschlägt nämlich, daß die aktuelle Rekordflut aus den USA kommt und dort wird seit Jahrzehnten professioneller Schwimmsport betrieben.
Auch kann man feststellen, daß die Schwimmer seit den Zeiten von Mark Spitz 1972 im Durchschnitt um 20 bis 30 Zentimeter gewachsen sind. Den Entdeckern der Wachstumshormone sei dank. Und der Misserfolg der deutschen Schwimmer beruht wohl darauf, daß sie im Vergleich zur Konkurrenz viel zu wenig dopen.
bisher kein Reporter über Doping sprach. Ganz einfach: So wie die SZ einen Wortfilter hat, der "böse Worte" erkennt, hat die chinesische Medienüberwachung einen Sprachfilter im Einsatz..
Immer wenn der Name Do Ping fällt, wird er automatisch ersetzt durch: Unverständlich oder unerklärbar, ist nachzuforschen, später erklärungsbedürftig, kollektives Versagen und ähnliches.
Doping war gestern Thema im ZDF in der Spätabendsendung.
Mit Ian Thorpe wurde darüber diskutiert, nur zur Info.
Dieser meinte im Schwimmsport wäre es keine Seltenheit sich um sieben oder acht Sekunden innerhalb eines Jahres zu verbessern.
Paging