Olympische Winterspiele Wenn der Zirkus weiterzieht

Winterlicher Vorbote: Bei der Schlussfeier in Sotschi ließen die nächsten Olympia-Gastgeber einen Schneemann errichten.

Nach den Spielen ist vor den Spielen: In Sotschi sind künftig 12.000 Hotelzimmer zu füllen, in Pyeongchang fehlen noch Hallen für 2018. Wie es mit den Olympischen Winterspielen danach weitergeht, ist völlig offen.

Von Johannes Aumüller und René Hofmann, Sotschi

Der Auftrag ist klar. Bis Ende Februar soll jeder Minister im russischen Kabinett Ideen vorlegen, wie die Olympia-Bauten weiter zu nutzen sind. Bis Ende April soll dann entschieden werden, welche umgesetzt werden. "Ich denke, dass es Sotschi und dem ganzen Land gelungen ist, einen guten Ruf zu erlangen, der künftig Geschäftsleute und Touristen gleichermaßen anzieht": So fiel das Fazit von Dmitrij Kozak, dem stellvertretenden Premierminister, zu den Winterspielen aus.

Was wird, wenn der Zirkus weiterzieht - das ist eine oft gestellte Frage. Rund um den Olympiapark sind ab sofort 12.000 Hotelzimmer zu füllen. Und viele Tagungsräume. Vom 7. bis 16. März finden die Paralympics statt, im Juni gibt es den G8-Gipfel, im Oktober kommt die Formel 1 erstmals vorbei. Ein Hafen für Kreuzfahrtschiffe ist angelegt. Um Touristen anzulocken, wird der Eisberg-Palast auch nicht wie geplant in ein Radstadion umgewandelt: Die Begeisterung über die Kunststücke der Eiskunstläufer dort war so groß, dass eine permanente Eisshow einziehen soll.

Erst Olympiastadion, dann Trainingsstätte

Spielplätze zu bauen, die bleiben - vor dieser Herausforderung stehen auch die Gastgeber der nächsten Winterspiele. 2018 wird der Winterzauber zum dritten Mal in Asien gegeben, in Pyeongchang, eine Stunde von Seoul entfernt. "Der Wintersport hat bei uns keine große Tradition", gaben die Organisatoren in Sotschi, wo sie sich kurz vorstellten, unumwunden zu, sie versprachen aber: "Wir öffnen Horizonte." Wie die aussehen werden, lässt sich nun auch schon mehr als bloß ahnen. Wie 2006 in Turin, 2010 in Vancouver und jetzt in Sotschi wird es zwei Zentren geben: Eines in Gangneung, im Tal, für die Eissportarten. Und ein zweites in Pyeongchang, in den Bergen, für die meisten Schnee-Disziplinen.

Gangneung liegt wie Vancouver und wie Sotschi am Meer. Dort sollen auch die meisten Mitglieder des Olympia-Trosses wohnen. Anders als in Turin, in Vancouver und in Sotschi werden die Eröffnungs- und die Schlussfeier aber nicht in der Stadt stattfinden. Im überschaubaren Pyeongchang soll ein Stadion mit 50.000 Plätzen entstehen, von denen 35.000 nach den Spielen wieder abgebaut werden sollen, wenn die Arena in eine Trainingsstätte umgewandelt wird.

Zwischen den zwei Zentren und Seoul sollen Schnellzüge pendeln. Die Trasse für diese ist aktuell aber erst zu einem Fünftel fertiggestellt. Überhaupt ist noch Einiges zu tun. Die Eisschnelllaufhalle (8000 Plätze), die Eiskunstlauf-Halle (12.000 Plätze), die Arena fürs Männer- und die fürs Frauen-Eishockey (10.000 bzw. 6000 Plätze) - sie müssen alle erst noch errichtet werden.

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Die wohl größte Herausforderung für die Südkoreaner und die Koordinierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die jeden Ausrichter unterstützt, aber lautet: Olympia-Stimmung an einem Ort zu erzeugen, an dem bisher selten Hochstimmung beim Wintersport herrschte. Die Sotschi-Ergebnisse waren auch nicht dazu angetan, diese zu wecken: Südkorea gewann lediglich acht Medaillen. 2010 waren es 14 gewesen.

Bei der Wahl des Austragungsortes 2022 kommt dann die nächste Herausforderung aufs IOC zu. In Deutschland, der Schweiz und Schweden haben sich die Bürger gegen eine Olympia-Bewerbung entschieden, am Ende blieben fünf Städte - nur eine ist ein klassischer Kandidat: Oslo. Norwegens Hauptstadt ist favorisiert. In seinem Fazit der Sotschi-Spiele lobte IOC-Präsident Thomas Bach den neuen Markt Russland zwar überschwänglich, sprach aber auch ausführlich darüber, dass es Zeiten gebe, in denen es wichtig sei, sich seiner Wurzeln zu erinnern.