Olympische Spiele Mit eigener Achterbahn
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Die Geschichte olympischer Randsportarten reicht von Golf bis Sackhüpfen. Nun kommt in Peking BMX dazu. Es soll helfen, "eine neue Generation für Olympia" zu gewinnen.
Dass der Bajiao-Vergnügungspark direkt nebenan liegt, passt ins Bild. Von der Startrampe der BMX-Strecke am Radsportzentrum in Laoshan im Westen Pekings haben die Fahrer einen guten Blick hinüber zu den Karussellen und Achterbahnen. Aber sie haben ja ihre eigene Achterbahn vor der Nase: einen knapp 400 Meter langen Parcours aus Buckeln, Rampen und Steilkurven. Jeder Kinder-Skikurs hätte seine helle Freude daran. Es ist aber Sommer, ein recht heißer sogar, und es sind auch keine putzigen Skizwerge, die die lustige Wellenbahn runtersausen, sondern waschechte Olympioniken: BMX-Fahrer.
Tolle Bilder sind beim BMX-Rennen garantiert.
(Foto: Foto: AFP)Bicycle Moto Cross ist erstmals olympische Sportart und somit Teil einer recht illustren Ahnenreihe. Was nicht alles schon olympisch war: Cricket, Croquet, Golf, Motorbootrennen, Polo, Seilklettern, Tauziehen, sogar Sackhüpfen. Die meisten dieser Sportarten hielten sich nicht lange und wurden wieder aus der olympischen Familie verbannt. So wird es jetzt dem Softball ergehen: 1996 zu den Spielen in Atlanta, USA, ins Programm aufgenommen, werden die Ballwerfer- und schläger 2012 in London nicht mehr zu sehen sein. Andere Disziplinen kamen erst gar nicht über den Status der Demonstrationssportart hinaus: American Football, Australian Rugby, Segelflug, Wasserski oder Savate, eine Variante des Fechtens mit Füßen und Fäusten.
Nun also die BMX-Fahrer. 32 Frauen und Männer dürfen zwei Tage lang um die Medaillen streiten. Und es sind tatsächlich Frauen und Männer, keine Mädchen und Jungs. Ein Niederländer bringt 97 Kilo auf die Waage, ein Kalifornier misst 191 Zentimeter, und der Senior ist ein 33-jähriger Franzose. Ausgewachsene Kerle auf viel zu kleinen Fahrrädern, denen beim Treten die Knie gegen die Schultern schlagen. So sieht das aus - irgendwie komisch.
Wunderbare Bilder im Kasten
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Das ändert sich jedoch ganz schnell, wenn die Startklappe runtergeht und sich acht Mann/Frau gleichzeitig auf die Strecke stürzen. Dann stellen die Fotografen ihre Kameras auf Dauerfeuer und sie können sicher sein: Sie werden wunderbare, spektakuläre Bilder im Kasten haben. Es ist ein Spektakel, sicher. Fliegen und strampeln, Karambolagen und Massenstürze nicht ausgeschlossen. Von einer acht Meter hohen Rampe aus geht es im Pulk bergab, wie beim Boardercross im Winter, ein Ausscheidungsrennen. Etwa zwei Dutzend Wellen und drei 180-Grad-Steilkurven sind im Weg, müssen überflogen oder überfahren werden, der weiteste Sprung geht über circa elf Meter.
All das wird untermalt von lauter Musik, einem sehr aufgeregten Moderator, Cheerleadern und einem halben Dutzend chinesischer Breakdancer in schwarzer und roter Seide. Eigentlich schade, dass nur etwa die Hälfte der 3500 Zuschauerplätze besetzt ist. Aber es ist ja auch erst Viertelfinale. Am Donnerstag wird dann der erste BMX-Olympiasieger feststehen.
Weltmeisterschaften werden schon seit 1982 ausgetragen, elf Jahre später wurden die BMX-Fahrer in die Weltradsportverband UCI aufgenommen. Bei der letzten WM in Kanada nahmen 2000 Fahrer aus 35 Nationen teil. Shanaze Reade, eine Fahrerin aus Großbritannien, beschreibt die Atmosphäre in Laoshan und die Motivation, BMX ins olympische Programm aufzunehmen: "Die Musik und all das Drumherum gehört einfach zu diesem Sport. Es ist aufregend. Dein Herz schlägt. Es ist cool. Es ist extrem, und es hilft, eine neue Generation für Olympia zu gewinnen."