Ein Kommentar von Josef Kelnberger

Die Kosten für die Spiele steigen und steigen schon jetzt - doch das Geld wird knapper. Und viele fragen sich: Sind 600 Millionen Pfund nicht zu viel Geld für ein paar Goldmedaillen?

London 1948. Blut, Schweiß und Tränen lagen noch in der Luft, das Essen war rationiert. Die Athleten wohnten in Baracken der Royal Air Force. Schuhe, Trikots, Hosen brachten die Sportler selber mit; einige Briten schneiderten sich Anzüge aus Union Jacks, Nationalflaggen. Die Leichtathleten sprinteten auf einer Hunderennbahn in Wembley. So war das bei Olympia in London 1948. Man war arm, aber zumindest idealistisch.

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Die Organisatoren der Olympischen Spiele 2012 in London müssen sparen. (© Foto: dpa)

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Das sagen jene Briten, die dabei waren, und fordern nun in den Zeitungen, dass es wieder so sein soll. London solle neue "austerity games" ausrichten, wie man sie damals nannte - Spiele der Sparsamkeit. Und Politiker schließen sich parteiübergreifend den Veteranen an. London, einstige Weltfinanzmetropole, wird sie 2012 wieder ein Nachkriegsort sein, mit Suppenküchen, wo früher Investmentbanker spekulierten?

Der Westen badet gerne in der Apokalypse, allerdings hat die Sehnsucht nach früher auch mit dem Unbehagen an den modernen Olympischen Spielen zu tun. Das lebt jetzt sogar in England auf, wo man Doping und vor allem Kommerz weit weniger schlimm findet als in Deutschland. Im Sommer jubelte Großbritannien noch über die Olympiamannschaft, die in Peking Rang vier der Nationenwertung belegte. Nun fragt man sich, ob 600 Millionen Pfund, davon 300 aus der staatlichen Lotterie und 200 direkt vom Staat, nicht zu viel Geld sind für ein paar Goldmedaillen.

Die Gesamtkosten haben sich verdreifacht

Die Regierung lässt derweil prüfen, wo bestehende Arenen zu nutzen wären statt neue zu bauen; Eröffnungs- und Schlussfeier sollen billiger werden. Über die Gesamtkosten Olympias - sie haben sich inzwischen verdreifacht - hat die Regierung ihr Volk lange Zeit ebenso belogen wie über den volkswirtschaftlich zu erwartenden Nutzen. Den gibt es nicht. Der entsprechende Expertenbericht aus dem Jahr 2002 tauchte jetzt wieder auf. In der Krise bricht sich zumindest die Wahrheit Bahn.

Möglicherweise würde die satte olympische Bewegung neue Kraft schöpfen aus sparsamen Spielen. Die Frage aber ist, ob sie in London jetzt Armut und Sparsamkeit wirklich sexy finden wollen. Vermutlich wird die Ernüchterung bald wieder dem Nationalstolz weichen. Zumal nach den Prunk- und Protzspielen von Peking wird England, die einstige Kolonialmacht Chinas, bestimmt kein Suppenküchen-Olympia bieten. Die letzte Nachricht: Ein Sponsor für die Vip-Limousinen hat sich inzwischen gefunden.

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(SZ vom 03.12.2008)