Trotz der Unruhen soll das olympische Feuer wie geplant durch Tibet getragen werden. In der Boykott-Frage bleiben Sportfunktionäre und Olympia-Sponsoren bei der Meinung, ein Fernbleiben sei kontraproduktiv.
Die Diskussionen um die Olympischen Spiele reißen nicht ab. Nun ist auch die Route des geplanten Fackel-Laufs in den Blickpunkt der Auseinandersetzung geraten. Während die antichinesischen Proteste in Tibet weitergehen und das Internationale Netzwerk zur Unterstützung Tibets eine Streckenänderung gefordert hat, wollen das IOC und das chinesische Organisationskomitee (Bocog) alles beim Alten belassen.
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An der Route der Olympia-Fackel soll sich nichts ändern. (© Foto: dpa)
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"Wenn das IOC nicht will, dass das Olympische Feuer ein Symbol für Blutvergießen und Unterdrückung wird, muss es sofort alle tibetischen Provinzen aus der Route herausnehmen", heißt es in dem Brief der Routen-Gegner. Das olympische Feuer soll wie geplant am 25. Juli in Shannan Diqu ankommen und einen Tag später durch Lhasa getragen werden, bevor es den Mount Everest erreicht. "Diese Zwischenfälle werden den normalen Ablauf des Fackellaufes nicht beeinträchtigen", sagte Jiang Xiaoyu, der Vizepräsident des chinesischen Organisationskomitees (BOCOG). Es gebe aber für alle Eventualitäten Ausweichpläne für den Fackellauf, ergänzte er.
Gleichzeitig wird die Frage eines möglichen Boykotts immer mehr zu einer Zerreißprobe für das Internationale Olympische Komitee (IOC). Fünfkampf-Weltverbandspräsident Klaus Schormann forderte das IOC auf, dem Olympia-Gastgeber wegen des gewaltsamen Vorgehens in Tibet die "Gelbe Karte" zu zeigen.Trotz der anhaltenden Diskussion von Sportpolitikern, Athleten und Olympia-Organisatoren zu den jüngsten gewaltsamen Unterdrückungen der tibetischen Proteste durch China schweigt der IOC-Präsident Jacques Rogge beharrlich. Auch auf der letzten Station eines sechstägigen Karibik-Trips auf Barbados lehnte Rogge es ab, deutlich Stellung zum Dauerthema zu beziehen.
Die deutsche Degenfechterin Imke Duplitzer kritisierte das IOC wegen der intensiv geführten Boykott-Diskussion in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Mittwoch scharf: "Die haben sich so in die Sackgasse manövriert, dass jedes Wort unglaubwürdig wirkt."
Das IOC hätte die Spiele nicht nach Peking vergeben sollen. "Das ist so, als würde man einen notorischen Kinderschänder, wenn er aus dem Gefängnis kommt, zum Kindergärtner machen mit der Begründung, er müsse eine zweite Chance bekommen", sagte die 32 Jahre alte Europameisterin von 1999 und Weltmeisterschaftszweite von 2002. Nun könnten die Funktionäre das Problem nicht mehr öffentlich eingestehen. "Das wäre die moralische Bankrotterklärung des IOC. Aber ihr Schweigen ist auch eine moralische Bankrotterklärung. Da kommen sie nicht mehr raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren", sagte sie.
Willi Lemke: Boykott darf nicht ausgeschlossen werden
Neben Rogge vermied auch der neue UN-Sonderbeauftragte für Sport, Willi Lemke, klare Stellungnahmen in Bezug auf Olympia. Bei seiner offiziellen Vorstellung in Berlin sagte Lemke, ein Boykott der Olympischen Spiele sei "überhaupt nicht zielführend", dürfe aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden.
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