Von Jürgen Schmieder

Um neun Uhr morgens müssen die deutschen Basketballer gegen Weltmeister Spanien antreten. Das Team kann lange mithalten - und verliert das Spiel innerhalb von zwei Minuten.

Dirk Nowitzki saß auf der Ersatzbank, den Kopf stützte er auf seine rechte Hand, darüber hatte er sich ein Handtuch gelegt. Er blickte auf das Spielfeld, aber an dem Punkt, den er fixierte, war niemand zu sehen. Nowitzki sah aus, als würde er die Staubkörner auf dem Parkett zählen und jeden Moment einschlafen. Kein Wunder, es war zehn Uhr morgens - eine ungewöhnlich Zeit für einen, der seine Spiele gewöhnlich zwölf Stunden später absolviert.

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Enttäuscht: Dirk Nowitzki. (© Foto: AP)

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Es war aber nicht nur Müdigkeit, die Nowitzki ausdruckslos dreinschauen ließ, es war auch Fassungslosigkeit darüber, dass die deutschen Basketballer die erste Halbzeit gegen Weltmeister Spanien dominierten und nun, am Anfang des dritten Viertels, mit 36:52 zurücklagen. Die Spanier erzielten zuerst acht Punkte in einem Zeitraum von 53 Sekunden und bauten diese Serie auf 16:3 aus. Das Spiel war entschieden, innerhalb von zwei Minuten. Die deutsche Mannschaft unterlag schließlich mit 59:72.

"Dieser schlechte Start Anfang der zweiten Halbzeit hat uns das gesamte Spiel gekostet", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann nach dem Spiel. In der ersten Halbzeit hatte seine Mannschaft eine formidable Leistung geboten und gezeigt, dass sie durchaus mit einem der weltbesten Teams mithalten kann. Die Verteidigung zeigte sich gegenüber der Niederlage gegen Griechenland deutlich verbessert, mit schnellen Pässen und kurzen Dribblings waren die deutschen Basketballer immer wieder erfolgreich gegen die Zonenverteidigung der Spanier. NBA-Star Pau Gasol trat bei einer Auszeit nach sieben Minuten gar frustriert gegen einen Stuhl. Zu diesem Zeitpunkt führte Deutschland mit 11:4.

Es war Lakers-Profi Gasol, der die Spanier zurück ins Spiel brachte und dem müde wirkenden Nowitzki eindrucksvoll bewies, wie man eine Mannschaft führen kann, die sich in Schwierigkeiten befindet. 19:12 und 22:14 führte die deutsche Mannschaft, als Gasol eine alte Michael-Jordan-Regel anwandte. Der hatte einmal gesagt: "Wenn es nicht läuft, dann gebt mir den Ball und geht aus dem Weg." Gasol schaffte fünf Punkte in Folge und glich kurz vor Ende der ersten Halbzeit aus. José Calderon sorgte mit einem Drei-Punkte-Wurf gar für die knappe Führung der Spanier.

"Man darf sich nicht so vorführen lassen, wie wir es gegen Griechenland getan haben", hatte Nowitzki vor dem Spiel gesagt. Seine Kollegen hatten die ungewöhnlich harsche Kritik ihres Superstars aufmerksam verfolgt, vor allem Steffen Hamann und Jan-Hendrick Jagla präsentierten sich konzentrierter und spielfreudiger. Immer wieder zog Hamann zum Korb und schloss entweder selbst ab oder legte ab auf Jagla.

Es war ausgerechnet der Kritiker selbst, der einen schlechten Tag erwischte. Nach zwei vergebenen Würfen aus der Mitteldistanz wollte Nowitzki seinen ersten Korberfolg erzwingen - was gründlich misslang. Er nahm zwei wilde Würfe von der Drei-Punkte-Distanz, einer davon traf nicht einmal den Ring. Nowitzki war frustriert über seine eigene Leistung, durfte sich aber darüber freuen, dass seine Mannschaft zur Halbzeit nur mit 33:36 zurücklag.

Gegen USA und China

Dann kamen diese zwei Minuten, in denen die Spanier das Spiel entschieden - und in denen weder Nowitzki noch NBA-Kollege Chris Kaman dem Angriffswirbel des Gegners etwas entgegensetzen konnten. Im Gegenteil: Immer wieder gewann Gasol das Eins-gegen-Eins-Duell mit Nowitzki und erzielte in dieser Phase sieben seiner 13 Punkte.

Es war eine bittere Lektion für die deutschen Basketballer vor 15.000 Zuschauern im Olympic Basketball Gymnasium, 38 Minuten mit dem Weltmeister mithalten zu können und am Ende doch deutlich zu verlieren. Lange nachdenken dürfen die Spieler nicht. Sie benötigen nun einen Sieg aus den letzten beiden Partien gegen die USA und Gastgeber China, um ins Viertelfinale einzuziehen.

"Wir haben mit den Spaniern die Cafeteria eingeweiht heute morgen. Das war ganz lustig", sagte Konrad Wysocki nach der Partie über den ungewöhnlich frühen Spielbeginn. Dirk Nowitzki wird das weniger lustig finden. Er wird froh sein, wieder ins Bett zu dürfen.

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(sueddeutsche.de/hum)