Der Kanute Alexander Grimm gewinnt im Kajak-Einer das erste deutsche Gold in Peking, wenig später kämpft sich auch Judoka Ole Bischof zum Olympiasieg.
Er schluchzte nicht, er rieb sich nicht einmal die Augen wie so viele andere Olympiasieger, der Sportsoldat musste nur auffällig häufig blinzeln, als erstmals bei den Olympischen Spielen die Nationalhymne gespielt wurde. Stattdessen war da dieses Lächeln, es hatte etwas Leichtes, Unbeschwertes, und mit einer ähnlichen Leichtigkeit hatte er zuvor in seinem Kajak die Slalomstrecke im Eiskanal interpretiert. Er sagte: "Ich konnte mich auf der Strecke voll entfalten."
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Von Platz vier auf eins: Alexander Grimm erfüllt sich einen olympischen Traum. (© Foto: Reuters)
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Es ist wohl bezeichnend, dass die erste Goldmedaille für Deutschland ausgerechnet der 21-jährige, unverfälscht schwäbelnde Augsburger holte, dessen Sportart sonst weniger Aufmerksamkeit erhält als Bowling und Dartspielen. Einer, der das Rennen nicht als Pflichterfüllung sah, sondern als Außenseiter völlig unverkrampft die Elemente für seine Zwecke nutzte. "Das Wasser schiebt stark, da darf man nicht zu aggressiv paddeln", sagte er später.
Grimm, der damit bereits die insgesamt 18. Olympia-Medaille für die Slalom-Kanuten hole, wurde dank eines entfesselten zweiten Durchgangs buchstäblich auf einer Welle des Erfolgs ins Ziel gespült. Nach dem ersten Lauf hatte Grimm noch an vierter Stelle gelegen. Er sei unwahrscheinlich fokussiert gewesen: "Ich habe nur noch die Strecke gesehen. Es hat richtig Spaß gemacht." Spaß? So etwas scheint es im deutschen Lager bei den Olympischen Spielen also tatsächlich noch zu geben. Entsprechende Signalwirkung erhoffte sich Bundestrainer Jürgen Köhler: "Für die Sportart ist das ganz entscheidend. Die erste Goldmedaille für Deutschland ist Motivation für viele."
Er hatte Recht. Wenig später gewann der Judoka Ole Bischof völlig überraschend die Goldmedaille. Zwei Wochen vor seinem 29. Geburtstag krönte der Reutlinger seine wechselvolle Karriere und avancierte als fünfter deutscher Judoka zum Olympiasieger.
"Ich bin überglücklich, das ist die Erfüllung meines Lebenstraumes", sagte Bischof unmittelbar nach dem Kampf: "Für diesen Tag habe ich mein Leben lang gearbeitet." Im Finale habe er "unbedingt eine Fußtechnik rauszaubern" wollen: "Das ist mir gelungen."
Das Finale des Halbmittelgewichts bis 81 kg in der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Halle der Pekinger Universität für Wissenschaft und Technik gewann Ole Bischof gegen Kim Jaebum aus Südkorea durch einen mit Fußtechnik erkämpften Yuko (mittlere Wertung). Zuvor hatte der Volkswirtschafts-Student in der Vorschlussrunde Roman Gontjuk ebenfalls durch Yuko ausgeschaltet. Der Ukrainer und Tiago Camilo aus Brasilien gewannen Bronze.
"Ole gehört seit Jahren zum großen Kreis der Weltspitze. Heute hatte er seinen Tag. Er ist ein großer Taktiker und hat unseren Plan in allen Kämpfen voll umgesetzt", sagte Bundestrainer Frank Wieneke, selbst 1984 in Los Angeles Olympiasieger.
Kurz zuvor hatte Bischof im letzten Duell der Vorrunde noch den völlig konsternierten Weltmeister Tiago Camilo (Brasilien) entzaubert. Innerhalb von reichlich zwei Minuten knallte Bischof den Topfavoriten zweimal auf die Matte, erhielt zwei Waza-ari (halbe Punkte), was sich zum Ippon (ganzer Punkt) summierte, zum sofortigen Kampfende führte und ihm den Weg zu Gold ebnete.
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(sueddeutsche.de/dpa/sid/dop/hum)
Piratenpartei
Bei Athen hats angefangen und in Peking sieht mans überall: die absolute Fixierung aufs Medaillenzählen. Ich finde das schon pervers. Früher hat man (auch die Medien) mitgefiebert und am Ende die Medaillenstatistik angeschaut und gejubelt bzw war gefrustet, aber was heutzutage abläuft ist ja nicht mehr normal! Die Sportler werden wie Stückvieh behandelt, oder anders gesagt, die Menschen werden zu Wirtschaftsobjekten reduziert. Das kannte ich in dieser Penetranz nicht von den deutschen Medien. Offenbar sterben langsam die seriösen Redakteure weg, und die neue Generation lächzt den Vorbildern aus Übersee hinterher. Wo sind die selbstbewussten, seriösen Medienmacher hin???
Warum die Bronze eine Sensation ist, würde ich auch gerne wissen.
Jener junger Mann ist Togolese, weil in dieser Sportart nur ein Starter pro Nation erlaubt ist.
Er, der in Frankreich lebt, hat daher für sich die Chance gesehen zu starten.
Die Qualitäten hat er durch das Training in Frankreich (u.a. mit dem Silbermedaillengewinner)
Aber dann müsste ja Togo - als die Meister des Kajaks - Gold und wir Bronze haben.
Andererseits: "Armselig der Schüler, der seinen Meister nicht übertrifft".
In diesem Sinne
gruß
gonginger
Vielleicht haben ja die Kolonialherren das Kajakfahren von den verschiedenen Staemmen im Togo uebernommen. Das waere dann Innovationstransfer unter globalisierten Vorzeichen. Interessanter Gedanke
Togo war eine ehemalige Kolonie von Deutschland. Und jetzt? Was hat das mit der Bronzemedaille von Boukpeti zu tun?
Paging