Der Olympia-Kurs des deutschen Athleten-Chefs Thomas Bach ist ein wenig seltsam. Seine Pro-Peking-Resolution dürfte auch etwas mit persönlichen Karriereplänen zu tun haben.
Heikle Wochen stehen nicht nur Chinas Olympia-Organisatoren, sondern auch Thomas Bach bevor. Zwar erntete der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Peking jetzt im Kreis seiner Funktionärskollegen den erwünschten Applaus. Sämtliche Olympiakomitees schwenkten auf Bachs Linie ein und finden nun prima, was dessen DOSB schon vor Wochen per Resolution verfügte: Deutsche Athleten starten in China, was immer auch passiere.
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Zwar streitet Thomas Bach ab, Nachfolger von IOC-Präsident Rogge werden zu wollen - aber das glaubt ihm so recht niemand. (© Foto: Reuters)
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Die Kameraden sammeln sich hinter Bach, der wohl nicht ohne Hintersinn so früh die einsame Speerspitze pro Peking gab. Dabei scheute er nicht mal den Konflikt mit der Politik, die heftige Fluchtreflexe gezeigt hat. Der Bundespräsident will so wenig zu den Spielen reisen wie die Kanzlerin, die verschämt anmerkte, das sei aus Termingründen nie anders geplant gewesen. Dann aber fragt sich, warum die Kanzlerin so oft in Fußballstadien jubelt, Olympia aber niemals in die Agenda passte. Der Peking-Termin ist seit 2001 bekannt, da vergab das Internationale Olympische Komitee die Spiele.
Bach ist Vizepräsident des IOC, mit klaren Ambitionen auf den Chefsessel, die er offiziell stets bestreitet, die aber in der Sportpolitik unstrittig sind. Nun trifft sich, dass es Amtsinhaber Jacques Rogge, ein belgischer Arzt, als Nachfolger des spanischen Franco-Fans und Autokraten Juan Antonio Samaranch nicht wirklich schaffte, dem affärengeschüttelten Ringe-Clan neuen Geist einzuhauchen. Nach Peking, so hat Rogge schon erklärt, will er überlegen, ob er 2009 überhaupt nochmal kandidiert.
Bachs Stunde steht bevor, im Sport sehen das viele so. Der Industrielobbyist hat unter Samaranch steil Funktionärskarriere gemacht. Das ist kein Nachteil, im Hinblick auf altgediente IOC-Leute, die gern in alte Spuren zurückkehren würden. Und noch immer hat das bis 2001 von Samaranch selektierte IOC Figuren in Führungsrollen, die man sich gut in Mafiafilmen vorstellen könnte.
Pro-Peking-Resolution sorgt für nationale Irritationen
Der 54-jährige Bach war stets mehr der alten Garde zugetan; verdeckt wurde das von seiner Jugend ebenso wie von seinem Fecht-Olympiasieg 1976. Nun setzt bei deutschen Athleten das Rätseln ein: Wer führt uns da eigentlich an - und wo geht diese Reise hin? Mit seiner Pro-Peking-Resolution schuf Bach national Irritation, international aber hat er demonstriert, wo die neue Führungsfigur des Sports steht - während Rogge bisher nur als Schweiger auffiel.
Bachs Problem könnte nun werden, dass zu viele Athleten die Aufforderung des DOSB durchschauen, in China gerne als "mündige" Gäste aufzutreten, sich aber strikt an die Olympische Charta zu halten, die jede politische Äußerung verbietet: und zwar als vergiftete Botschaft. Sie diskutieren eine Lösung, die keinem Funktionär gefallen kann: einfach fernbleiben bei Eröffnungs- und Schlussfeier, nur am Sport teilnehmen und so unpolitisch sein, wie sich das IOC nun gibt (das sonst gern Politbotschaften wie die Forderung nach einer globalen Waffenruhe für die Zeit seiner Spiele lancierte).
Der deutsche Kurs wird am Mittwoch im Bundestags-Sportausschuss erörtert. Was aber der DOSB wirklich unter "mündigen" Athleten versteht, wird noch zu definieren sein - zum Beispiel für den Fall, dass er auf jene Sportler einzuwirken versucht, die die Eröffnungsfeier schwänzen wollen. Das Recht dazu haben sie. Bach darf ja auch ungestört seinem Bedürfnis nachgehen, auf Chinas Boden selbst am olympischen Fackellauf teilzunehmen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 07.04.2008/aum)
Drogeriekette wird abgewickelt
Wenn(oder 'weil'?) Menschen wie Bach & Co. im IOC mitmachen, ist der olympische Gedanke schon lange tot.
Und die Feststellung, dass Olympia 'unpolitisch' ist, verwundert mich doch sehr. Oder ist es etwa nicht politisch, wenn man für einen gewissen Zeitraum einen Frieden verursacht an den sich alle halten. Zumindest, als der 'olympische Gedanke' noch keine Farce war und Politiker noch etwas auf die korrekte Erledigung ihres 'Jobs' gaben, ;o)
Im Duden würden unter dem Begriff "Machtfunktionär" die Namen von Bach, Blatter und Verbrüggen stehen.
Diese drei haben gemeinsam, dass es ihnen nicht um den Sport geht, sondern nur um eigene Interessen und um die wundersame Geldvermehrung.
Mir ist die Lust am Spitzensport schon gründlich vergangen, da bewege ich mich lieber selber, anstatt mir das Doping im TV anzuschauen.
Bild des "häßlichen Deutschen" wie er im Geschichtsbuch steht. Es wiedert mich an, dass dieser Herr auf meine Kosten und die aller Steuerzahler lebt, denn der ganze Olympia-Schwachsinn wird vom Steuerzahler finanziert, auch der Luxusurlaub des Herrn Bach. Er ist moralisch das lezte, was man sich vorstellen kann. Dieser Mensch hat nichts kapiert und ist egoistisch nur an seiner Sache interessiert. Das ganze IOC ist moralisch fragwürdig und das allerletzte.Ich bin dafür den Olympischen Schwachsinn abzusachaffen,denn die Olympische Idee ist sowieso tot (Dopingfestspiele,Kommerz,...).Die ganzen Europameisterschaften,Weltmeisterschaften und sonstige Sportfeste reichen vollkommen aus.
Eigentlich könnte die Nummer ganz einfach sein. Da ein nicht unerheblicher Teil der Sportler für staatliche Arbeitgeber ( insbesondere Bundeswehr) arbeiten wäre es doch ganz einfach, wenn die Minister anordnen würden: "Meine Mitarbeiter fahren da nur hin, wenn sie dort uneingeschränkt die Meinung äussern dürfen". Ich denke gerade in D würden dann die Funktionäre Panik bekommen, da dann viele Medaillen fehlen würden - aber letztlich traut sich die Politik das offenbar wieder nicht.
"Aber er sollte bitte nicht glauben, dass andere so dumm sind, darauf hereinzufallen. "
Leider fallen die meisten darauf herein, etwa bei der scheinheiligen, wachsweichen Dopinggesetzgebung. Viele Politiker genießen auch Fernreisen und sonnen sich im Glanze der Athleten; möglich nur durch die gegenseitige Unterstützung mit den Funktionären.
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