Dank der aktuellen Rekordgewinne könnte das IOC sogar den Ausfall der Olympischen Spiele verkraften und ist selbst größter Profiteur - neben der chinesischen Regierung.
Eine feine Lounge haben die Chinesen da eingerichtet. Im marmornen Atrium des Grand Hotels Beijing, nahe am Durchgang zum edlen Raffles, wo die IOC-Herrschaften nächtigen, erhebt sich der Rumpf eines stilisierten Schiffes. Wasserfälle plätschern, der Duft von Gegrilltem durchzieht die Luft. Tiefe Teppiche schlucken die Schritte. In dieser Lounge lässt es sich aushalten, ob nun an Deck oder in den unteren drei Etagen. Es ist nur eines von Dutzenden exquisiter Etablissements für die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, deren Antlitze die Chinesen mal in die Große Mauer zu meißeln planten.
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Innere Balance ist in China wichtig und wird täglich geübt. (© Foto: Getty)
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Der Champagner ist gekühlt, die Speisen bestellt, das Raumschiff Olympia nähert sich seinem Orbit. Die Hoheiten möchten genießen. "Und vergessen Sie bitte nicht, auch die Hospitality-Suiten unserer Partner aufzusuchen", empfiehlt IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg seinen Kollegen: "Es wird sich lohnen." Die Welt da draußen kann noch so sehr debattieren über Sinn und Unsinn dieser Spiele, über Menschenrechte, Pressefreiheit und all diese antiquierten Werte. Präsident Jacques Rogge berührte derlei Debatten mit keinem Wort.
In einer anderen Welt
Die Welt da draußen mag geplagt sein von Rezession. Die Welt hier drinnen aber, auf der 120. IOC-Vollversammlung, ist eine andere. Der Klubvorstand Jacques Rogge muss seinen Kollegen und Kolleginnen ganz vorsichtig beibringen, dass es draußen kleinere Probleme gibt und man deshalb nicht selbstverständlich erwarten könne, dass die olympischen Fernseheinnahmen erneut um 40 Prozent steigen. Vielleicht werden es diesmal nur 20 Prozent, womöglich doch etwas mehr. Alles ist möglich.
Soweit es sich in Zahlen ausdrücken lässt, ist das IOC größter Profiteur dieser Sommerspiele, neben der chinesischen Regierung. 4,5 Milliarden Dollar kassiert der Olympia-Konzern aus den Sponsoren- und Fernsehverträgen für Turin (Winter 2006) und Peking. Dabei muss man bedenken, dass die Fernsehverträge mit dem amerikanischen Olympiasender NBC (zahlt 894 Millionen Dollar für Peking) und der europäischen EBU bereits 1995 abgeschlossen wurden - sechs Jahre vor Vergabe der Spiele.
Im nächsten Olympiazyklus, der die Festivitäten in Vancouver (Winter 2010) und London (Sommer 2012) umfasst, will das IOC erstmals mehr als fünf Milliarden Dollar generieren. Für Sotschi (2014) und die Sommerspiele 2016, die im kommenden Jahr vergeben werden, sind bereits einige Sponsoren unter Vertrag, mit Coca-Cola ist man sich bis 2020 einig. Um die europäischen Fernsehrechte wird auch schon gefeilscht, die amerikanischen TV-Rechte, die etwa ein Drittel der IOC-Einnahmen ausmachen, werden im Herbst ausgeschrieben. "Und ich kann ihnen sagen, die ersten Angebote aus Europa sind sehr erfreulich", verkündete Heiberg.
Die Messer der Königsmörder
Der Kontostand ist den Olympiern immer sehr wichtig gewesen. Mit gefüllten Kassen lässt sich besser über moralische Werte fabulieren. Unter dem Präsidenten Jacques Rogge stiegen die Rücklagen des Olympiakomitees derart fulminant, dass sich der Konzern nun in der Lage sieht, den Ausfall von Olympischen Spielen - sei es wegen einer Naturkatastrophe oder eines Terroranschlages - problemlos zu überstehen. Für Rogge und seinen Gefolgsmann Heiberg sind derartige Zahlen überlebenswichtig. Das IOC-Volk hat den beiden schon mehrmals die Unterstützung versagt, zum Beispiel bei der Reform des Olympiaprogramms. Finanzielle Einbrüche würden die Kollegen nicht verzeihen, ohnehin wetzen bereits die Königsmörder das Messer. Rogge ist angeschlagen.
Gerhard Heiberg hatte allerdings eine schlechte Nachricht zu verkünden am ersten Tag der IOC-Session. "Viele von ihnen werden enttäuscht sein", sagte er: "Gazprom wird vorerst nicht unser Sponsor." Einige hatten vielleicht noch nicht mitbekommen, dass kürzlich der Konzern British Petroleum (BP) als Sponsor des Londoner Organisationskomitees eingestiegen ist. Somit ist die Produktkategorie vergeben. Aber Gazprom steht für die Periode von 2013 bis 2016 bereit und wird, wenn nicht alles täuscht, einen Vertrag über acht oder zwölf Jahre unterzeichnen. In einigen der 35 olympischen Sportverbände hat sich die Oligarchenfirma ohnehin schon eingekauft und bestimmt den Lauf der Dinge.
Was die Chinesen können, schaffen die Russen allemal: In Sotschi sollen die IOC-Lounges eine neue Qualität haben, sagt einer aus dem Team der Olympia-Organisatoren.
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(SZ vom 06.08.2008/mb)
Single Awareness Day
...oder outet euch als politisch und menschlich dessinteressiert.
Danke für diesen entlarvenden Artikel.
Alte Männer, Geld Selbstdarstellung und Macht - das ist Olympia.
Glueckwunsch un vielen Dank an die Redaktion fuer die gelungenen Berichte rund um
'Olympia' !
Jedoch ein Hinweis zu der eingeblendeten Countdown-Uhr: Diese geht 12 Stunden vor!
Die Eroeffnung findet am 8.08.08 um 08. Uhr und 08 Minuten p.m. statt!
(Ich hoffe, ich habe recht und bin nicht auf die chinesische Zensur hereingefallen!
Viele Gruesse aus Singapore und machen sie weiter so.