Duplitzer. Heidemann. Ihre Haltungen spiegeln das Spektrum der westlichen China-Sicht, und man muss aufpassen, dass man nicht ungerechte Vergleiche zieht. "Wir gehen von völlig anderen Standpunkten aus", sagt Imke Duplitzer, "sie hat mehr den ökonomischen Standpunkt. Ich würde mich als Humanist bezeichnen." Britta Heidemann hat die Vorzüge der chinesischen Entwicklung mit ihrer Ausbildung aufgesogen, außerdem spricht sie chinesisch.

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China-Kritiker mahnt sie, die Geschichte des Riesenreichs zu beachten und die Fortschritte dort nicht hinter Schlagworten wie Tibet verschwinden zu lassen. Die Politik-Studentin Imke Duplitzer argumentiert aus der Sicht der demokratisch erzogenen Bildungsbürgerin, die Gesellschaften an den allgemeinen Freiheitsrechten misst, die sie gewähren. Im Einparteienstaat China mit seinem von der Regierung gesteuerten Rechtssystem, seiner autoritären Minderheiten-Politik und seiner kontrollierten Medienlandschaft liegt auf diesem Feld Einiges im Argen.

Imke Duplitzer sagt allerdings auch: "Ich liebe Fechten." Und diese Liebe zwingt sie in Widersprüche. Passt es etwa, dass ihr Freigeist der Bundeswehr als Sportsoldatin dient? Sie findet schon: "Bundeswehrsoldaten sind Bürger in Uniform. Sie können sich frei äußern." Und das Dilemma, in das sich jeder Olympia-Beteiligte begibt, der einerseits kritisch sein will, andererseits durch sein Zutun die chinesisch-olympische Party unterstützt? Da hat Imke Duplitzer auch keine Lösung. Sie sagt: "Am 13. August bin ich Athletin." Da wird sie nicht demonstrieren. Wie auch? "Ich kann kein Charaktergefecht machen." Ihre Reden müssen reichen. "Was mache ich denn jetzt hier?", ruft sie. "Wenn Sie wüssten, auf welch dünnem Eis mein Arsch gerade Schlittschuh fährt."

Sie sagt, ihr Auftreten habe nichts mit Berechnung zu tun. "Ich bin so." Aber sie weiß wohl selbst, dass ihr das viele nicht abnehmen. Ihre Prominenz in diesem Jahr rührt weniger von der Tatsache her, dass sie trotz all ihrer Einlassungen die Qualifikation zu ihrer dritten Olympia-Teilnahme gemeistert hat. Sondern von ihrem politischen Offensivgeist, mit dem sie ziemlich alleine dasteht in der deutschen Sportlerlandschaft.

Aber sie will nun mal nicht die freundliche Marionette an den Fäden der Sportindustrie sein. Also polarisiert sie. Also sorgt sie dafür, dass das politische Thema dieser Spiele nicht in jener Sportseligkeit versinkt, die das IOC und die Pekinger Granden sich wünschen. Imke Duplitzer sagt: "Ich bin 33. Sie können nicht von mir erwarten, dass ich mich hinstelle und den Deppen gebe." Für das Hochglanzniveau sind andere zuständig.

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(SZ vom 12.08.2008)