Olympische Spiele Die Rede-Fechterin

Imke Duplitzer versucht, nicht zu funktionieren - und wirbt bei aller olympischen Seligkeit einsam für politisches Bewusstsein.

Von Thomas Hahn

Imke Duplitzer steht jetzt unten an der Treppe, die in die Fechthalle führt. In ihrem Rücken gehen die Sommerspiele von Peking weiter, die Kämpfe des Turniers im Frauenflorett, Applaus und Ansagen wehen zu ihr hinüber, und von der Tribüne kommen immer wieder Leute mit fragenden Blicken. Wer ist diese Frau im Gewand der deutschen Olympiamannschaft, die mitten im Gang in einer Traube von Zuhörern steht, redet, zuhört, redet, zuhört, überlegt, wieder redet?

Imke Duplitzer ruft: "Wir deutschen Sportler sind alle so ein bisschen der Hofnarr." Auf eine olympische Kommerzbühne gesetzt, die sie "Musikanten-stadl des Sports" nennt. "Wir sind im Bereich Brot und Spiele tätig." Sie spricht "als demokratische Bürgerin", sie redet an gegen Chinas Parteidiktatur, die "durch Ausnutzung eines Nachrichtensystems die Leute doof hält", und gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC), das sie und die anderen Sportler in die Lage versetzt hat, die chinesische Olympia-Propaganda als Wettkämpferin stützen zu müssen. Sie wehrt sich. Sie versucht, nicht zu funktionieren.

Es folgen wichtige Tage für den deutschen Fechtsport, es geht um Medaillen und Aufmerksamkeit. Es ist das übliche olympische Spiel: Nur Erfolge bringen Förder- und Sponsorengeld, und gerade bei diesen Spielen darf der Deutsche Fechterbund auf eine neue Welle der Popularität hoffen. Diesen Dienstag versucht Nicolas Limbach nach den Sternen zu greifen, der Weltranglisten-Erste im Säbelfechten, am Mittwoch folgen die Turniere im Männer-Florett und Frauen-Degen mit erstklassigen Aussichten. Peter Joppich, der dreimalige Weltmeister, ist am Start, und Weltmeisterin Britta Heidemann, 25, das schöne Gesicht der neuen deutschen Fechtbewegung, könnte mit der richtigen Medaille sogar Hochglanzniveau erreichen.

Das ist die Situation, und in die passt Imke Duplitzer im Grunde überhaupt nicht mit ihren 33 Jahren und ihrem Anspruch als politischer Freigeist. Beredt verspottet sie genau jenes Establishment, aus dem die Sponsoren für eine bessere Fechtwelt kommen sollen, scharf attackiert sie die sportpolitischen Größen des Landes in ihrer Rolle als prinzipienfreie Reiter des galoppierenden Kommerzes. Und von Anfang an hat sie sehr eindeutig Position bezogen gegen die Spiele in Chinas Parteidiktatur. Aber gerade deswegen hat sie jetzt Konjunktur. Bei der Team-Pressekonferenz am Montag war sie die gefragteste Person.

Sie berichtete munter, wie sie den Abend der Eröffnungsfeier verlebt hatte, die sie aus politischen Gründen geschwänzt hatte ("Ich bin vom Feuerwerk gestört worden"), sann über die besenreine Perfektion des Pekinger Spiele-Alltags nach ("optimal geschmacksneutral") und über ihre zwiespältigen Gefühle zum Olympia-Ambiente ("Ich kann nicht sagen, es ist grausam hier. Ich kann auch nicht sagen, ich wäre begeistert"). Britta Heidemann, einst Schülerin in Peking und studiert in Regionalwissenschaften mit Schwerpunkt China, saß etwas blass daneben und sagte zu Duplitzers Meinungen: "Ich mag mich gar nicht mehr dazu positionieren. In zwei Tagen ist mein Wettkampf."

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