Von Thomas Becker, Peking

Dankbar nahmen die deutschen Bahnradfahrer die Bronzemedaille entgegen. Wäre das deutsche Trio vier Hundertstel schneller gefahren, hätte es sogar im Finale gestanden.

Zu Prinz Willem hat es nicht ganz gelangt. Der verteilte beim Teamsprint der Bahnradfahrer die Goldmedaillen - an Großbritannien. Team Deutschland musste mit Meliton Sanchez Rivas vorlieb nehmen. Das IOC-Mitglied Panamas machte seine Sache prima, tat sich vor allem im Mittelteil etwas leichter. Dort stand zwischen den Riesen Stefan Nimke und Maximilian Levy der mit 1,65 Metern ungefähr gleich große Rene Enders. Sanchez Rivas verteilte die Bronzemedaillen, und auch die nahmen die deutschen Radfahrer dankbar entgegen. Vier Hundertstel respektive acht Tausendstel lagen zwischen Prinz Willem und dem IOC-Mann aus Panama: Wäre das deutsche Trio im Halbfinale vier Hundertstel schneller gefahren, hätte es im Finale gestanden. Wäre das Team im kleinen Finale acht Tausendstel langsamer gewesen, hätte es Meliton Sanchez Rivas wohl nie im Leben die Hand geschüttelt.

Bild vergrößern

Nur vier Hundertstel fehlte dem deutschen Bahnrad-Trio für den Einzug ins Finale. (© Foto: AFP)

Anzeige

Am Morgen hatten die Drei den Triumph von Britta Steffen im Fernsehen verfolgt und sich gesagt: "Wir holen auch eine Medaille." Die erste für den Radsportverband. War ja sowieso ausgemacht. "Ich habe meinem Trainer versprochen, ihm bevor er jetzt in Rente geht eine Medaille mitzubringen", erzählte Rene Enders, der Anfahrer. Beinahe hätte er im Ufo-gleichen Radstadion von Laoshan jedoch für das Scheitern des Projekts Bronze gesorgt: Im kleinen Finale kam er nicht richtig aus der Startmaschine raus. "Ich hab zu früh zu viel Druck auf die Pedale gegeben. Da hat dann das Rad durchgedreht."

"Voll in den Lenker getreten"

Normalerweise lässt sich der Fahrer in einer solchen Situation fallen, das Rennen wird abgeschossen und neu gestartet. Enders ließ sich nicht fallen. Seine Mannschaftskollegen neben ihm hatten sein Missgeschick natürlich registriert. "Ich hab mir mit dem Knie voll in den Lenker getreten", erzählte Maximilian Levy, wie Enders erst 21 Jahre alt. Routinier Stefan Nimke, der 30-jährige Teamsprint-Olympiasieger von Athen, sagte: "Solange nicht abgeschossen ist, musst du voll treten, alles was geht. Mehr kann man eh nicht machen."

Mehr konnte man von dem deutschen Dreier auch kaum verlangen: Bei der WM im Frühjahr schrammte das Team knapp an Bronze vorbei, nun hatte man die favorisierten Franzosen, die am Ende Silber gewannen, am Rande einer Niederlage. "Wir haben uns kurz gefragt, ob wir uns ärgern sollen, dass wir das Finale verpasst haben oder ob wir uns über die Super-Zeit von 43,69 Sekunden freuen sollen", erzählt Nimke. Sie entschieden sich für die positive Variante - und hatten das Glück auf ihrer Seite.

Am glücklichsten von allen wirkte Rene Enders, der Polizeimeisteranwärter aus Gera. In jedes Mikrofon bedankte er sich bei seinen zwei Mitfahrern, "dass die das doch noch gerettet haben". Er wird eine Runde Bier ausgeben am Abend. Eine Runde, mehr nicht. Am nächsten Tag steigen sie wieder aufs Rad: 13 Uhr Training, 16.50 Uhr Keirin. Da empfiehlt es sich in der Tat nüchtern zu sein.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/mb)