Von Ulrich Hartmann

Chinas Sportministerium ersetzt seinen Kanu-Nationaltrainer Josef Capousek durch einen Militäroffizier - 46 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele.

Einmal wollten chinesische Funktionäre von Josef Capousek wissen, wie er eigentlich über Tibet denkt, das von China annektierte Gebiet im Westen der Volksrepublik. China liebe Tibet, hatten die Männer ihm zuvor unmissverständlich klar gemacht. Doch Capousek ist kein ängstlicher Mensch. Er gibt nie diplomatische Antworten, und so hat er gesagt, Chinas Liebe zu Tibet sei doch vergleichbar mit der Liebe zu einer Frau: "Entscheidend ist, ob diese Liebe erwidert wird!"

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Vergangenheit II: Josef Capousek mit chinesischen Kanuten. (© Foto: dpa)

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So richtig hat damals niemand lachen wollen über den Humor des gebürtigen Tschechen mit deutschem Pass, der vor dreieinhalb Jahren nach Peking gegangen ist, um die chinesischen Kanuten auf Olympia vorzubereiten und mit ihnen dort Medaillen zu gewinnen. Mindestens eine goldene haben die Chinesen von Capousek verlangt. Sie haben ihm einen Vertrag gegeben, der höher dotiert war als in Deutschland, weil sie ihn für den besten Mann für diese Herausforderung gehalten haben. Er war zuvor 14 Jahre lang Cheftrainer des Deutschen Kanuverbands und hatte mit deutschen Paddlern bei vier Olympischen Spielen 17 Goldmedaillen gewonnen.

"Kritik ist in China nicht üblich"

Josef Capousek hatte in China immer wieder seine Probleme mit den Funktionären und dem System, das auf Leistung ausgerichtet war und die Individualität der Athleten weitgehend ignorierte. Doch er wähnte sich eigentlich auf einem guten Weg. Die Männer vom Sportministerium sahen das offenbar anders. 46 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele ist Capousek nun von seinem Amt befreit worden.

Nach Olympia, hatte er zuletzt angekündigt, werde er in China aufhören, aber nun darf er nicht einmal mehr das eigentliche Ziel seiner dreieinhalbjährigen Tätigkeit miterleben, und er wirft dem Verband wütend vor, eine strategisch billige und allzu leicht zu durchschauende Lösung gewählt zu haben: "Gewinnen die Kanuten bei Olympia Medaillen, dann heimst der neue chinesische Verantwortliche den Ruhm ein - paddeln sie schlecht, bin ich schuld!" Sein Nachfolger ist ein Militäroffizier. "Der hat fachlich überhaupt keine Ahnung", sagt Capousek.

Es deutet einiges darauf hin, dass der Kanutrainer Capousek 46 Tage vor dem Beginn seiner eigentlichen Mission auch an dem stets ein bisschen provokanten Menschen Capousek gescheitert ist. Die Wesensart des 62-Jährigen ist bei den von militärischer Disziplin geprägten und ebensolche Demut erwartenden Verbandsfunktionären nie gut angekommen. "Kritik ist in China nicht üblich", sagt Capousek und berichtet von "vielen kleinen Konflikten", seit er sein Amt 2005 angetreten hatte. Einmal habe er eine Trainerin aus Chinas Militär abgesetzt und auch bei der Athletenauswahl nicht immer nach dem Gusto der Funktionäre entschieden. Bei den Athleten war er hingegen offenbar beliebter. Die Atmosphäre sei unter Capousek entspannter als früher. "Wir haben mehr persönliche Freiräume", hat Yang Wenjun einmal gesagt. Er hatte 2004 in Athen mit Meng Guanliang im Zweierkanadier Chinas erstes Kanugold gewonnen.

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