Von Sarina Pfauth

Die Medaillen-Helferin: Die sportliche Variante des Kopftuchs ist atmungsaktiv, enganliegend und sieht ein bisschen nach Verbandsmaterial aus. Aus der Serie "Olympia süß-sauer".

Aheda Zanetti ist stolz, weil eine Athletin "vielleicht mit meiner Hilfe Gold gewinnen wird". Wenn die Sprinterin Rogaja Al-Ghasera tatsächlich eine Medaille holt, mag es vielleicht nicht ausschließlich an Zanettis Erfindung liegen.

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Da flattert nichts um die Ohren: Die Sprinterin Rogaja Al-Ghasera sprintet mit dem Hijood, der Haar und Nacken bedeckt. (© Foto: AFP)

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Aber auf alle Fälle bewahrt die Designerin die muslimische Sportlerin vor möglichen Hitzeschäden und um die Ohren flatternden Stofffetzen während des Laufens. Denn die Australierin hat eine spezielle Kopfbedeckung entwickelt -atmungsaktiv, weich, flexibel, enganliegend und schnell trocknend; der Stoff bedeckt das Haar und den Nacken. Islamkonforme Sportausrüstung eben.

Bislang war es für muslimische Sportlerinnen ziemlich schwierig, den islamischen Glauben und Erfolgsaussichten in Einklang zu bringen. Am Mittwochabend hatte der Hijood, eine Kombination aus Hijab (Schleier) und Hood (Haube) nun Premiere bei den Vorläufen auf der 200-Meter-Strecke und auf den Bildschirmen in aller Welt. Al-Ghasera, die Sprinterin aus Bahrain, rannte 22,81 Sekunden lang in roten Leggins, hellem Langarmhemd und der blütenweißen Kopfbedeckung, die akkurat das Gesicht umrahmte.

Komplimente von Nicht-Muslimen

Auch wenn das Modell ein klein wenig nach Verband aussah: Dass Rogaja Al-Ghasera den Hijood nun bei den olympischen Spielen trägt, ist für die australische Designerin und ihr Label "Ahiida" natürlich gute Werbung. Dabei war es nicht das erstrangige Ziel von Zanetti, mit ihrer Sportmode viel Geld zu verdienen.

Die 38-jährige Mutter von vier Kindern hat die Kopfbedeckung für muslimische Frauen erfunden, um sie vor Hitzeschäden zu bewahren - denn unter einem herkömmlichen Modell wird es brütend heiß. Außerdem will die im Libanon geborene Designerin mithelfen, dass sich muslimischen Frauen im sportverrückten Australien besser integrieren können. Den sporttauglichen Hijood soll es übrigens für umgerechnet 38 Euro geben - für ein Designerstück also eher günstig.

Zuletzt hatte Zanetti, die im Alter von zwei Jahren nach Australien kam, mit dem "Burquini", einem Ganzkörperbadeanzug, einen Volltreffer gelandet. Mädchen, die nun endlich schwimmen gehen können, ohne von vollgesogenen, bodenlangen Kleidern nach unten gezogen zu werden, schrieben Fan-Briefe. "Ich habe Komplimente von Nicht-Muslimen bekommen", berichtet zum Beispiel eine Amerikanerin namens Heba auf der Internetseite der Designerin, "ich sehe im Wasser jetzt nicht mehr wie ein Depp aus." Die Mischung aus Burka und Bikini wurde nach Angaben der Agentur Reuters im vergangenen Jahr bereits von muslimischen Rettungsschwimmerinnen an australischen Stränden getragen. Und der Mufti von Australien hieß die knallbunten Langarm- und Langbein-Badenanzüge ebenfalls gut.

Hingucker im Stadion

Aheda Zanetti wünscht sich, dass die Sportlerinnen in ihrer Kleidung sittsam und trotzdem professionell sportlich aussehen. Und stolz. Ein Vorbild sollen die muslimischen Frauen sein, - nicht unterdrückt, nicht namenlos. Auch falls es trotz Zanettis Engagement nicht zu einer Goldmedaille für die Sprinterin reichen wird: Für die Zuschauer im Stadion ist die Kopfbedeckung ein Hingucker. Für viele muslimische Frauen an den Fernsehbildschirmen könnten die Bilder der Anstoß sein, von nun an bequemer Sport treiben zu können. Und noch hat die australische Designerin ja die Chance, sich bald den Namenszusatz "Medaillen-Helferin" leisten zu können. Denn für die Zwischenläufe am Abend hat sich Al-Ghasera schon mal qualifiziert.

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(sueddeutsche.de/jüsc)