Der China-Freund

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Wird von seinem Fernsehsender eingesetzt, weil er in der Vergangenheit schon mal einen Politiker interviewt und/oder einer politische Talkshow moderiert hat. Soll beim Zuschauer für kritischen und politisch korrekten Journalismus stehen. Wirkt bei Veranstaltungen wie der Eröffnungsfeier dann aber so, als würde vor ihm das Propagandablatt der Regierungspartei liegen und hinter ihm ein chinesischer Polizist mit gezogener Pistole stehen. Deshalb hört man meist Sätze wie "Mit einem Knalleffekt springen wir hinein in die Moderne". Prototyp ist Sandra Maischberger, die sich bei der Eröffnungsfeier vor Begeisterung überschlug und feststellte, dass sich die "afrikanischen Trommler in ihrem Element befinden".

Der Möchtegern

Hat die Sportart, über die er berichtet, früher mal betrieben, jedoch nie auf dem ganz hohen Niveau. Kennt sich prima aus und hat auch engen Kontakt zu jedem Sportler. Kann dann Anekdoten erzählen wie: "Das Armband symbolisiert den Kontakt zu seiner Frau - und auch, dass er daran glaubt, dass es ein höheres Wesen gibt." Ist übrigens einer der wenigen Kommentatoren, der sich das Thema Doping anzuschneiden traut und ganz forsch behauptet: "Ob diese Leistung nur mit Training zu erklären ist, weiß ich nicht." Ist nahe am Fan, hat aber mehr Telefonnummern von Sportlern. Hat Ähnlichkeit mit Waldemar Hartmann.

Der ehemalige Sportler

War irgendwann mal erfolgreich, bestenfalls Olympiasieger. Steht nun als redendes Maskottchen neben einem Kommentator der Gattung "Fan" und gewinnt aufgrund des wahnsinnigen Erfahrungsschatzes total witzige Wetten, bei denen als Einsatz total witzige Dinge wie Essen holen dient. Sagt gerne Sätze wie "Ich hab' jetzt noch nicht persönlich mit dem Gewinner gesprochen, aber ihm geht es sicher gut" und ist nie besonders gutgelaunt. Prototyp ist Franziska van Almsick, die am Morgen den deutschen Schwimmern beim Training zusah und sagte: "Die wollen halt nicht, dass die Medien da zusehen."

Der Experte

Kennt sämtliche Begriffe einer Sportart und ist auch gewillt, sie bei jeder einzelnen Übertragung zu nennen. Das mündet dann in Sätze wie "Beim Auerbachsalto war die Schraube okay, beim Delfin nicht so, da ist ihm der Fuß entglitten, deshalb das Problem beim Eintauchen." Widersprechen will man da nicht.

Der Dauerbrenner

Kommt eigentlich nur bei Eurosport vor. Gefühlte 50 Prozent aller Olympia-Sendungen werden von Sigi Heinrich kommentiert, der Rest von Dirk Thiele und Ralf Itzel. Wird irgendwann zynisch und sagt dann Dinge wie etwa beim Frauen-Gewichtheben: "Von da unten, da können die Kampfrichter ja nicht alles sehen. Na ja, egal."

Der Beweihräucherer

Findet seinen Job stressiger als den eines Investmentbänkers an der Wall Street. Denkt, dass es die größte Anstrengung ist, in einem klimatisierten Studio im Broadcasting Center zu sitzen und alle 30 Minuten einen neuen Wettbewerb anzumoderieren. Muss von seinen Kollegen ständig bestätigt bekommen, wie toll er mit dem Stress umgeht. Prototypen sind Monica Lierhaus und Michael Antwerpes. Bei der Übergabe am Sonntag sagte Lierhaus: "Das ist bewundernswert, wie du seit 5:30 Uhr hier moderierst." Antwort Antwerpes: "Aber du warst ja bei der Eröffnungsfeier." Lierhaus: "Trotzdem, die hast du dir ja auch noch angesehen." Sollte der Zuschauer immer noch nicht kapiert haben, wie toll die beiden das machen: Am Montag wiederholten sie ihr Loblied aufeinander.

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(sueddeutsche.de/aum)