Wenn bei diesen Spielen etwas passiert, das nicht passieren sollte, dann muss Wang Wei auf die Bühne und etwas Beruhigendes sagen. Sein Sprachschatz macht ihn zum Mitarbeiter des Jahres.
Diese Olympischen Spiele sind perfekt. Sie müssen perfekt sein, weil die chinesischen Organisatoren das so beschlossen haben. Um das auch allen Menschen auf der Welt klarzumachen gibt es Wang Wei. Er ist der Vizepräsident des Olympia-Organisations-Komitees und muss immer dann auf die Bühne, wenn jemand behauptet, dass doch irgendetwas nicht perfekt ist. Er hebt dann die rechte Hand, lächelt freudlicher als jede Hostesse und schickt Wort gewordenes Opium in den Raum.
Bild vergrößern
Wang Wei: "Das ist doch ganz normal." (© Foto: dpa)
Anzeige
Die kostümierten Kinder, die bei der Eröffnungsfeier die Eintracht der 56 ethnischen Volksgruppen in China darstellen sollten, waren in Wirklichkeit Han-Chinesen? "Das ist doch ganz normal", beruhigt Wang. "Es ist in China eine Tradition bei Aufführungen, dass verschiedene Trachten getragen werden, um zu symbolisieren, dass die Volksgruppen freundlich und glücklich zusammenleben." Alles in Ordnung also.
Das Lied zum Einzug der chinesischen Nationalflagge sang nicht das neunjährige Kind, das zu sehen war? Wangs Kommentar: "Der Beschluss wurde von dem künstlerischen Direktor ergriffen. Sie wollten die schönste Stimme und den besten Auftritt." Die Sängerin war einem Mitglied des Politbüros nicht hübsch genug. Fehlt nur der Verweis, dass es doch bei "Milli Vanilli" damals auch nicht anders war.
Die Feuerwerks-Fußstapfen waren nicht echt - sie wurden zum Teil per Computergrafik erzeugt. Ein Fall für Wang: "Das macht doch nichts. Es diente der Erleichterung der Arbeit und für den dramatischen Effekt." Und zur Meldung, dass ein Ensemble-Mitglied bei einer Probe drei Meter in die Tiefe gefallen und schwer verletzt worden, sagte Wang: "Ich kann die Gefahr einer Lähmung nicht bestätigen."
Und dann gibt es ja noch böse Jornalisten, die von leeren Stadien berichten und noch bösere Fotografen, die Bilder dieser leeren Stadien um die Welt schicken. Denen sagt Wang, was wirklich los ist in Peking: "Es gibt viele Besucher, doch der Olympiapark ist so weitläufig, dass sich die Leute darin verstreuen. Die Leute verfolgen mit großer Begeisterung die Olympischen Spiele." Das muss ja auch sein, schließlich hat man ihnen monatelang beigebracht, wie man richtig jubelt.
Wang hat auch ein Wort für die ständig nörgelnden Journalisten, die sich beschweren, nicht über alles berichten zu dürfen. Selbst die einheimische Presse dürfe frei über alles schreiben. Man habe sie nur angewiesen, über keine Themen zu berichten, die der "nationalen Sicherheit" schaden. Den Panzer vor dem Pressezentrum begründete er so: "Der Panzer ist keine Bedrohung, er ist lediglich zum Schutz des Pressezentrums gedacht."
So sitzt Wang Wei jeden Tag stoisch wie eine Hindu-Kuh auf einer Bühne und spricht seinen Text. Er ist eine Mischung aus modernem Konfuzius und Propaganda-Minister. Man könnte ihn das gute Wort dieser Spiele nennen. Oder auch den Schönredner.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/aum)
Totilas und sein Reiter
In China ist vieles anders als im Westen.
Vor einigen Tagen bekam ich Mail von China Radio International (CRI): From: "YingLian" Dear [Vorname], Thanks for writing to us. Would you like to tell us do you often browse our website or listen to our programs? ...
Meine Antwort: Dear YingLian, "Some years ago, I was a frequent listener to the German News Service of CRI and often browsed the CRI websites, both English and German Services. I also used the Language Training Course to learn some words Chinese. This service helped me to better understand Chinese culture, society and history." ... "I wish you all wonderful Olympics 2008 in Beijing!"
Am nächsten Tag habe ich zufällig mit Googlen auf der Website von CRI gefunden, was ich geschrieben hatte:
Now we have [Vorname Nachname] from Germany:
"I'm a frequent CRI listener and often browse your websites, both in English and German. I also learn Chinese from your language courses. Your services help me better understand Chinese history, culture and society. I wish you a wonderful Olympics Games in Beijing!"
Ist das nicht faszinierend?
So wie manche westliche Journalisten Schlechtredner sind, z.B. die vom Spiegel, sind die Chinesen Schönredner: Yin und Yang http://de.wikipedia.org/wiki/Yin_und_Yang Damit wären wir wieder bei Konfuzius. China ist anders als der Westen.
Übrigens: Die einheimischen Pekinger gehen auch nicht gern auf den Tiananmen. "This is a very political place." Gerüchten zufolge soll es sich bei den dort anwesenden Personen zu mehr als 50% um Security in Zivil handeln, die manchmal ganz unauffällig zeigt, was hier angesagt ist (z.B. junger sportlicher Chinese - 1,90m groß - mit CIA-Sonnenbrille signalisiert körpersprachlich, daß er lange Blickkontakt hält). Weshalb sollten die Pekinger jetzt in den Olympiapark gehen, solange es dazu keine Direktive vom Nachbarschaftskomitee gibt?
bei 1,3 Mrd. Menschen sind die Anlagen zu weitläufig?
Eigentlich wollten wir von den Ethnien selbst hören, dass sie glücklich und zufrieden mit den Chinesen leben. Da kommen ehr Bömbchen und Protestmärsche.
Wer soll denn diese Schönfärberei glauben?
Der erinnert mich stark an den irakischen Informationsminister.