Olympia-Sportart Ringen Wenn Ahmadinedschad mit Amerikanern posiert

Kämpft um den Erhalt seiner Nationalsportart bei Olympia: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

(Foto: AP/dpa)

Ringen soll aus dem olympischen Programm verschwinden. Doch die Ringer kämpfen entschlossen um den Erhalt ihrer Sportart. Weltweit kommt es zu überraschenden Allianzen.

Von René Hofmann

"Rette das Ringen": Den Slogan gibt es jetzt auf T-Shirts, das Stück für 9,95 Euro. An diesem Wochenende, bei den Deutschen Meisterschaften der Ringer in Unterföhring bei München, sind etliche davon zu sehen gewesen. Außerdem ließen junge Ringer Ballons steigen, an denen ein Plakat hing: "Lasst unseren olympischen Traum nicht platzen!" Und es wurden Postkarten verteilt, die vorne Ringer-Szenen zeigten und hinten Texte trugen, in denen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aufgefordert werden, sich für den Sport einzusetzen. Motto: "Wir bleiben dran. Wir bleiben drin!"

Mehr als 30.000 Euro kostet die Kampagne den Deutschen Ringer-Bund, mit der er auf die Entscheidung der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) reagiert, die am Faschingsdienstag vorschlug, die Traditionsdisziplin von 2020 an aus dem Olympia-Programm zu nehmen. Endgültig ist der Beschluss nicht. Im Mai kommt die Exekutive noch einmal zusammen. Das letzte Wort haben dann die mehr als 100 IOC-Mitglieder im September. So lange haben die Ringer noch die Chance, um ihre Zukunft zu kämpfen - was sie nun auch entschlossen tun.

Nicht nur die Deutschen und die Österreicher haben bei dem Anliegen zusammengefunden. Es gibt noch weit kuriosere Allianzen. Vor einigen Tagen gab es einen Weltcup in Teheran. An dessen Ende zeigte sich Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad lächelnd mit den Drittplatzierten: dem Team der an sich verhassten Amerikaner. Selbst ein Star-Spangled Banner als Hintergrund störte Ahmadinedschad nicht. "Ringen schafft, was die Politik seit Jahren erfolglos versucht", behauptet Manfred Werner, der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes.

Der US-Schriftsteller John Irving und der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld - beide ehemalige Ringer - haben sich dafür ausgesprochen, dass der Sport olympisch bleibt. In Russland hat sich Präsident Wladimir Putin an die Spitze der Bewegung gesetzt. Um die Spiele 2020 bewerben sich unter anderem Istanbul und Tokio. In der Türkei und in Japan ist Ringen sehr populär. Die Chancen, im Programm zu bleiben, stehen auch deshalb nicht schlecht.

Um Reformwillen zu demonstrieren, wurde zudem Raphaël Martinetti abgelöst, der Präsident des Welt-Ringerverbandes. Der Schweizer residierte nur wenige Kilometer vom IOC-Sitz in Lausanne entfernt, hatte aber offenbar keinen Draht in die Olymp-Zentrale. Den Evaluierungsbogen, den die IOC-Programmkommission nach jeden Spielen verschickt, soll er recht lustlos beantwortet haben. Das bot der Exekutive die Steilvorlage, Ringen abzustrafen - und Kanu, Hockey, Taekwondo und den Modernen Fünfkampf davonkommen zu lassen.

Der Schaden soll nun schnell repariert werden. Im Herbst tagt eine Regelkommission dazu, wie Ringen moderner werden kann. Im Internet werden Ideen gesammelt. Angedacht sind Teamwettbewerbe und Regeln, die eher Mut belohnen als Taktieren. So soll es mehr Action geben. Viel mehr wollen die Ringer gar nicht ändern. Ihr Argument: Sonst verliert ihr Sport seinen Charakter, den sie am liebsten mit drei Worten beschreiben: Pur. Fair. Klassisch.