Olympia-Nachrichten in Kürze Van Almsick kritisiert Britta Steffen

Die TV-Expertin verlangt von Deutschlands Top-Schwimmerin nach deren Ausscheiden Enttäuschung und Unzufriedenheit. Im Spiel gegen Serbien holen die deutschen Volleyballer einen 0:2-Rückstand auf und halten sich im Turnier. Judoka Dimitri Peters greift im Halbfinale nach einer Medaille. Indonesiens Verband fordert Format-Änderung im Badminton - eine Beteiligte der Manipulation tritt zurück.

Olympia-Nachrichten in Kürze

Schwimmen, Britta Steffen: Franziska van Almsick hat kein Verständnis für die Aussagen von Britta Steffen nach deren olympischem Halbfinal-Aus. "Es ist überhaupt kein Problem in meinen Augen, dass sie das Finale nicht geschafft hat. Das ist Sport. Aber sich dann hinzustellen, und es runterzuspielen, und zu sagen, ich freu mich für die anderen und darauf, dass ich das Rennen gucken kann, das finde ich irgendwie unpassend", sagte die ARD-Expertin der Nachrichtenagentur dpa. Stattdessen hätte Steffen besser ihrer Enttäuschung und Unzufriedenheit Ausdruck verleihen sollen, meint die Weltmeisterin über 200 Meter Freistil von 1994. "Das hätte mir besser gefallen, als die Freude darüber, dass man die Erkenntnis gewonnen hat, dass man zu alt ist und die anderen schneller schwimmen und den anderen das alles gönnt. Das fand ich nicht unbedingt so gut."

Franziska van Almsick ärgert sich über Brita Steffen.

(Foto: dapd)

Das Scheitern der Doppel-Olympiasiegerin von 2008 über 100 Meter Freistil am Mittwoch kritisierte van Almsick an sich nicht. "Ich finde das Abschneiden überhaupt nicht dramatisch. Ich habe das selber erlebt." Bei vier Olympischen Spielen war sie zwischen 1992 und 2004 an der ersehnten Goldmedaille vorbeigeschwommen. Über die 50 Meter Freistil hat van Almsick Steffen noch nicht abgeschrieben. "Britta ist immer für eine Überraschung gut. Ich hoffe, dass sie das abhaken kann."

Volleyball, Männer: Die deutschen Volleyballer können nach einem wahren Krimi und dem ersten Sieg beim Olympia-Turnier weiter auf das Viertelfinale hoffen. Angeführt vom überragenden Georg Grozer gewann die Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen gegen Europameister Serbien nach 0:2-Rückstand noch 3:2 (22:25, 27:29, 25:18, 25:20, 20:18). Ein weiterer Sieg gegen Außenseiter Tunesien am Samstag (10.30 Uhr) oder den Weltranglisten-Ersten aus Brasilien dürfte für einen der ersten vier Plätze in der Gruppe B reichen. Der Einzug in die K.o.-Runde wäre der größte Erfolg seit Silber durch die DDR 1972 in München. 2008 in Peking war Deutschland ebenso wie die BRD 1972 in der Vorrunde gescheitert.

Nach den 0:3-Niederlagen gegen Russland und Olympiasieger USA war bei der deutschen Mannschaft die Nervosität zu Beginn spürbar. Auch die Serben leisteten sich Fehler, ein ausgeglichenes Spiel war die Folge. Das DVV-Team zeigte sich im Angriff verbessert, hatte aber erneut Schwächen im Block. Beim 17:16 schien der erste Satzgewinn möglich, doch Aleksandar Atanasijevic, der zweitbeste Turnier-Scorer, nutzte den zweiten Satzball für Serbien. Im zweiten Durchgang brachten unter anderem vier Punkte von Georg Grozer einen komfortablen Vorsprung (16:12). Doch Heynens Team vergab vier Satzbälle, ehe wieder Atanasijevic den ersten für Serbien nutzte. Der von manchem deutschen Fan befürchtete Einbruch im dritten Satz blieb aus. Nach Rückstand (4:7) stand der deutsche Block - und Grozer holte den Satz im ersten Versuch. Serbien, in der Weltrangliste drei Plätze vor Deutschland (10.), reagierte schockiert. Deutschland zog in Satz vier auf zeitweise neun Punkte davon (17:8) und nutzte seinen fünften Satzball. Im Entscheidungssatz war auf Grozer, der auf insgesamt 39 Punkte kam, Verlass. Er wehrte gar einen Matchball ab und Deutschland nutzte seinen fünften zum Sieg.

Judo, Männer: Dimitri Peters ist nur noch einen Sieg von der dritten olympischen Medaille für die deutschen Judoka entfernt. Der 26-Jährige aus Rotenburg zog durch einen Sieg über den Niederländer Henk Grol ins Halbfinale der Klasse bis 100 kg ein. Dort trifft der EM-Dritte von 2006 auf Weltmeister Tagir Chaibulajew (Russland), gegen den er bei der WM 2011 scheiterte. Bei einem Sieg hat Peters Edelmetall sicher, bei einer Niederlage bleibt im kleinen Finale die Chance auf Bronze. Zuvor hatte sich Peters gegen den Israeli Ariel Zeevi und den Letten Jevgenijs Borodavko durchgesetzt.

Badminton, Manipulation: Nach der Disqualifikation ihres Damendoppels in London hat die indonesische Badminton-Vereinigung den Weltverband (BWF) aufgefordert, das Turnierformat bei den Olympischen Spielen zu prüfen. "Indonesien hat immer den olympischen Geist und die olympischen Werte hochgehalten. Aber wir fordern vom BWF eine Überprüfung des Formats", sagte der Sport- und Jugendminister Andi Mallarangeng auf der Homepage des nationalen Verbandes. Der Weltverband hatte die Indonesierinnen Greysia Polii und Meiliana Jauhari sowie sechs weitere Spitzenspielerinnen aus China und Südkorea von der Doppel-Konkurrenz ausgeschlossen und verweigerten ihnen die Teilnahme am Viertelfinale. Die Funktionäre hatten damit auf die skandalösen Manipulationsversuche in der Gruppenphase reagiert. Anders als bei sonstigen Turnieren gibt es bei Olympia Vorrunden-Gruppen. Erst danach folgt die Ko-Runde. Diese Änderung wurde gemacht, um den olympischen Regeln zu entsprechen. Chinas disqualifizierte Spielerin Yu Yang hat indes angekündigt, nach dem Skandal bei Olympia ihre Karriere zu beenden. "Das ist mein letzter Wettbewerb. Goodbye Badminton-Weltverband, goodbye mein geliebtes Badminton", verbreitete sie im Netz. "Wir haben nur die Regeln benutzt, um ein Match abzutreten." Man habe herzlos ihre Träume zerschmettert. "Das ist unverzeihlich."

Schwimmen: Markus Deibler hat mit Verspätung doch noch das olympische Finale über 200 Meter Lagen erreicht. Der Hamburger schlug am Mittwoch in den Halbfinals nach 1:58,88 Minuten zwar nur in der neuntbesten Zeit an, profitierte später aber vom Startverzicht des achtplatzierten Südafrikaners Chad le Clos für den Endlauf an diesem Donnerstag. "Verdammte Scheiße!", hatte Deibler nach seinem Halbfinale noch getwittert, kurz nach der für ihn glücklichen Entscheidung schrieb er dann: "Omg und jetzt bin ich doch dabei! Chad hat abgemeldet! Morgen Abend 200 Lagen Finale MIT mir :-)))". Als Favorit geht nach 1:56,13 Minuten der Amerikaner Ryan Lochte in das Finale. Er will nach dem Sieg über 400 Meter Lagen auch auf der halb so langen Strecke als Erster anschlagen. Landsmann Michael Phelps strebt nach 1:57,11 im Halbfinale und Rang drei seine 20. olympische Medaille an.

Hockey: Die deutschen Hockey-Herren haben auch ihr zweites Gruppenspiel beim Olympia-Turnier in London gewonnen. Nach dem 2:1 zum Auftakt gegen Belgien besiegte die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise am Mittwochabend Südkorea wiederum knapp mit 1:0 (1:0). Damit zog das deutsche Team in der Tabelle mit den ebenfalls verlustpunktfreien Niederländern gleich. Vor 10 000 Zuschauern in der Riverbank-Arena erzielte Christopher Zeller in der 33. Spielminute das Tor für den Olympiasieger von 2008, der auch in London wieder zum Favoritenkreis zählt. In seiner dritten Partie trifft der Europameister am Freitag (14.45 Uhr) auf Indien. Die Asiaten verloren am Mittwoch mit dem 1:3 gegen Neuseeland auch ihr zweites Spiel in der Olympia-Metropole.

Boxen: Erik Pfeifer ist bereits in der ersten Runde aus dem olympischen Boxturnier ausgeschieden. Der Superschwergewichtler aus Lohne verlor am Mittwoch in London sein Duell gegen den Kasachen Iwan Dytschko deutlich mit 4:14 Punkten. Beide Faustkämpfer waren bei den Weltmeisterschaften im Vorjahr in Baku Dritte geworden. Der 14 Zentimeter kleinere Deutsche hatte Probleme, die größere Reichweite des 2,05-Meter-Riesen aus Kasachstan zu überwinden. Der bewegliche Dytschko boxte nahezu ohne Deckung und setzte deutlich mehr Treffer als Pfeifer. Vor Pfeifer hatte sich schon Weltergewichtler Patrick Wojcicki frühzeitig verabschiedet. Mit den Berlinern Stefan Härtel im Mittelgewicht und Enrico Kölling im Halbschwergewicht stehen zwei deutsche Boxer im Achtelfinale.

Reiten: Einen Tag nach seinem zweifachen Olympiasieg ist Vielseitigkeitsreiter Michael Jung mit großem Jubel in seiner Heimat empfangen worden. Familie und Freunde begrüßten den Erfolgsreiter am späten Mittwochabend in der väterlichen Reitschule in Horb nahe Reutlingen in Baden-Württemberg. Dabei konnten die Gratulanten Jung gleich zweimal hochleben lassen: Neben dem zweifachen Goldmedaillen-Gewinn in London sollte auch auf den 30. Geburtstag des gelernten Pferdewirts am Tag zuvor angestoßen werden. Jung hatte am Dienstag Sportgeschichte geschrieben: Er ist der erste Vielseitigkeitsreiter, der zur selben Zeit Welt- und Europameister sowie Olympiasieger ist.

Beachvolleyball: Die Beachvolleyball-Europameister Julius Brink und Jonas Reckermann haben als Gruppensieger die erste Etappe auf dem Weg zur anvisierten Olympiamedaille geschafft. Vor 15.000 begeisterten Zuschauern an der Horse Guards Parade feierten die Mitfavoriten mit dem 2:0 (21:14, 21:16) gegen die Schweizer Sascha Heyer/Seba Chevallier den dritten Sieg im dritten Vorrundenspiel. Ebenfalls schon im Achtelfinale stehen Katrin Holtwick/Ilka Semmler. Brink/Reckermann zeigten unter Flutlicht im Herzen von London im Gruppenfinale eine Galavorstellung und steigerten sich im Vergleich zu den vorangegangenen beiden Siegen noch einmal deutlich. Brink überragte in der Feldabwehr, Reckermann war im Block kaum zu überwinden. "Wir denken von Spiel zu Spiel, aber natürlich wollen wir hier um die Medaillen mitspielen", sagte Brink. Der Gegner im Achtelfinale wird am Donnerstagabend ausgelost, aber der Weg ins Halbfinale ist für die Weltmeister von 2009 offen.