Ein Kommentar von Thomas Hahn

Trotz der Kritik von Bundestrainer Behle präsentierten sich die deutschen Langläufer zuletzt stark. Der Erfolg bietet die Chance, den Generationswechsel positiv zu gestalten.

Die Wege der deutschen Langlauf-Mannschaft sind unergründlich, ihre Leistungen steigen und fallen wie ein angeschlagenes Propellerflugzeug. Zum wiederholten Male hat der frühere Weltmeister Axel Teichmann seinen Auftakt beim Höhepunkt im tiefen Mittelfeld beendet, zum wiederholten Male macht er das Malheur kurz darauf mit einer Medaille im Team wett. Diesmal offenbar sogar nach einer dreitägigen Antibiotika-Kur. Seltsam.

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Evi Sachenbacher-Stehle (re.) und Claudia Nystad bejubeln ihren Gold-Triumph im Team-Sprint. (© Foto: dpa)

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Dazu kommt: Gerade tadelt Bundestrainer Jochen Behle noch sein Frauenteam, weil es über die Jahre zu wenige Trainingskilometer hinter sich gebracht habe, da gewinnen die unlängst kriselnden Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle ganz unbescheiden Teamsprint-Gold.

Das erste Szenario ist rätselhaft. Um dieses zu verstehen, müsste man wohl so tief ins Ausdauergeschäft einsteigen, wie es den DSV-Fachleuten bestimmt nicht recht wäre. Sonst wären sie von sich aus etwas großzügiger mit Erklärungen zum Phänomen der Leistungsschwankungen.

Die Frauen-Aktion wiederum hat einen eigenen Charme, denn so unerklärlich, wie sie auf den ersten Blick erscheint, ist sie nicht. Die Gold-Sprinterinnen haben keine Antibiotika-Kur hinter sich, stattdessen offensichtlich einen gelungenen Formaufbau, und sie haben die Gunst in einer jungen Langlauf-Disziplin genutzt, die diesmal ein paar prominente Ausfälle verzeichnete. Klug eingestellt war das Duo auch - fertig ist der Coup, der in diesem Fall aber auf Kosten des Bundeskritikers Behle geht. Trainieren die Langläuferinnen vielleicht doch nicht so schlecht?

Ein Teamsprint-Erfolg macht noch keine Langlauf-Hausse. Aber vielleicht ist der Kontrast zwischen Goldjubel und Kritik ein Hinweis darauf, dass in Behles Abteilung zuletzt zu viel durcheinandergegangen ist. Dass die Experten nicht offen genug, nicht konstruktiv genug diskutiert haben, zu sehr an alten Vorstellungen festgehalten haben und damit die Positiv-Effekte neuer Methoden blockiert haben. Jedenfalls bietet sich demnächst die Chance, einiges besser zu machen.

Die Arbeiten am Generationswechsel müssen bald beginnen, vielleicht entsteht dann ein Langlauf-System, in dem intern mehr miteinander als übereinander gesprochen wird. Und in welchem der Öffentlichkeit statt publikumswirksamer Kritik Erklärungen geliefert werden für die Rätsel des deutschen Langläufer-Alltags.

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(SZ vom 24.02.2010/jbe)