Olympia "Jetzt möchte ich mich mehr um mich kümmern"

Bundestrainerin Silvia Neid verabschiedet sich mit dem Olympiasieg.

(Foto: Getty Images)

Nach elf Jahren als Bundestrainerin verabschiedet sich Silvia Neid mit dem Olympiasieg. Hinterher muss sie viele Fragen beantworten, hier die wichtigsten Antworten.

Aufgezeichnet von René Hofmann, Rio de Janeiro

Auf Silvia Neid richteten sich nach dem 2:1 der deutschen Fußball-Frauen im Finale gegen Schweden besonders viele Blicke. Nach elf Jahren verabschiedete sich die Bundestrainerin aus ihrem Amt. In ihrem letzten Spiel wollte die 52-Jährige gewinnen, was zuvor noch keine Trainerin mit den deutschen Fußball-Frauen gewonnen hatte: Olympia-Gold. Das Projekt glückte. Und natürlich wurden deshalb anschließend auch besonders viele Fragen an Neid gerichtet. Hier, was sie zu sagen hatte.

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Über das Finale:

Das Spiel war der Wahnsinn, weil die Schwedinnen es ganz gut angegangen sind. Sie standen sehr tief in ihrem 4-5-1-Sytem, was total gefährlich ist. Denn wenn man den Ball dorthin spielt, wo sie ihn hinhaben wollen und sie erobern den Ball, dann kommen sie über ihre schnellen Spielerinnen gefährlich nach vorne. Deshalb war es ein total schwieriges Spiel. Meine Mannschaft hat das aber sehr gut gehandelt. Nach und nach hatte ich immer mehr das Gefühl: Hier kann heute nichts anbrennen. Meine Spielerinnen haben zwar ein bisschen gebraucht, dann aber waren sie zu tausend Prozent da. Die wollten sich das nicht mehr nehmen lassen. Das fand ich echt toll.

Über den Moment des Schlusspfiffs und die Bedeutung des Olympia-Golds:

Das kann man fast nicht in Worte fassen. Wenn man so ein Turnier gewinnt - sei es eine WM, eine EM oder jetzt eben Olympia-Gold - erreicht man ein Ziel, auf das man Monate lang hingearbeitet hat, von dem man geträumt hat, dass es gelingen könnte. Wenn man dann kurz vor dem Ziel steht, ist das ein wahnsinniges Gefühl. Dazu kam in diesem Finale ja noch, dass es knapp war. Kurz vor dem Ende hatten die Schwedinnen einen Eckball. Bei dem habe ich nur noch gedacht: Oh Gott, bitte nicht! Als er dann nicht rein ging, war da pure Freude. In dem Moment wird man für all die Arbeit belohnt und hat das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Nicht nur ich, nicht nur die Spielerinnen, sondern alle Beteiligten: unser Management, unsere Presse-Delegierte, diejenigen, die sich um all unsere Reisen gekümmert haben. Für die alle ist es pure Freude.

Wie schwer es ihr fällt, die Zügel aus der Hand zu geben:

Es fällt mir total leicht, diese Zügel abzugeben. Es ist ja selbst bestimmt. Für mich war immer wichtig, dass ich Steffi Jones eine intakte Mannschaft übergebe und sie jetzt einfach weiter daran arbeiten kann, wo wir gerade stehen. Ich glaube, wir stehen ganz gut da. Auf das, was für mich jetzt kommt, freue ich mich. Ich bin 34 Jahre mit der Nationalmannschaft verbunden gewesen. Erst als Spielerin, dann als Co-Trainerin und Trainerin. Jetzt möchte ich mal was anderes machen, mich weiterbilden, und mich auch sonst ein bisschen mehr um mich kümmern.

Über die Aussage von Reinhard Grindel, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, das Olympia-Gold werde dem Frauenfußball hoffentlich einen Schub bringen:

Wie viele Schübe brauchen wir denn noch? Ich denke, dass wir im deutschen Frauenfußball wirklich schon gute Strukturen haben. Ich weiß nicht, wie viele tausende Frauen und Mädchen in Deutschland Fußball spielen. Wir haben die beste Liga der Welt. Natürlich hilft es immer, wenn man Turniere gewinnt. Wäre uns das in der Vergangenheit nicht gelungen, stünde der deutsche Frauenfußball nicht da, wo er steht. Ein großer Erfolg ist immer gut. Aber Schub finde ich jetzt etwas übertrieben.

Synchronschwimmerin Marozsan

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Über Dzsenifer Marozsan, von der beide deutsche Treffer im Finale ausgingen:

Wir wissen alle, was Dzsenifer Marozsan kann. Sie ist technisch die beste Spielerin, die ich kenne. Sie ist sogar besser, als ich es war - und das will was heißen. Wenn sie fit ist, kann sie uns immer unheimlich helfen. Bei ihr hofft man stets auf einen genialen Moment: einen Pass, einen Schuss oder einen Freistoß, irgendetwas, das einen weiterhilft, den letzten Schritt zu machen - also ein Turnier zu gewinnen oder eine Medaille.

Darüber, wo sie sich und Marozsan in vier Jahren sieht:

Dzsenifer war schon immer eine grandiose Technikerin. Das ist bereits in den Jugendmannschaften aufgefallen, wo sie schon immer dominant war und dazu beigetragen hat, dass wir gut gespielt haben und Erfolge hatten. Sie hatte dann viele Verletzungen, aber aus diesen hat sie sich immer wieder raus gekämpft. Ich finde, je älter sie wird, desto besser wird sie. Jetzt ist sie 24. Ich glaube, in vier Jahren ist sie die Granate schlechthin. Ich werde das dann von der Tribüne aus beobachten und mich daran freuen.

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